Remmidemmi im Wildschweingehege

Im Veldensteier Forst gab es dieses Jahr sehr früh Nachwuchs. Schon vor einigen Wochen kamen die ersten Frischlinge auf die Welt. „Wieso sie dieses Jahr so bald dran sind, weiß ich auch nicht genau“, sagt der Gehegeleiter auf Nachfrage des Kuriers. „Normalerweise kommen die Frischlinge Ende Februar bis Mitte März“, erklärt er. Durch das kalte Wetter überlebten nur zwei der fünf Frischlinge. „Das passiert manchmal. Wir können leider nichts dagegen machen. Manchmal sieht man die Frischlinge gar nicht. Wenn sie nicht überlebensfähig sind, regelt das die Natur selbst“, so Steininger. Doch die Kleinen sind putzmunter und sie bleiben nicht mehr lange alleine. In ein paar Wochen soll schon der nächste Nachwuchs kommen.

Frischlinge auch im zweiten Gehege

Auch im zweiten Gehege des Veldensteiner Forstes gibt es bereits Nachwuchs. Acht Frischlinge sind vor einigen Tagen auf die Welt gekommen. Das Gehege der Wildschweine ist nach Außen hin dreifach abgesichert. „Das ist wegen der Schweinepest. Damit die Pest, die von Osteuropa kommt, sich nicht in unsere Gehege ausbreiten kann“, so Steininger weiter. Dies wird auch vom bayerischen Veterinäramt streng kontrolliert. Auf die Frage, wieso es zwei Gehege mit Wildscheinen gibt, sagt Steininger, dass es zwei verschiedene Rotten sind. „Zwei verschiedene Rotten kann man nicht kombinieren. Sie würden sich bekämpfen“, erklärt er.

Das ist auch Grund, wieso man Wildschweine sehr schwer von Hand aufziehen kann. Steininger: „Man kann die Frischlinge kaum mehr integrieren. Man müsste sie und die anderen Wildschweine komplett geruchsneutral machen, das ist kaum möglich.“ Verstoßen werden die Neugeborenen aber eher selten. „Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist sehr stark. Die Bache kümmert sich sorgfältig um die Kleinen“, erklärt Steininger. Ihr flauschiges gestreiftes Fell behalten die Wildschweinbabys nur die ersten Monate. Schon nach kurzer Zeit sehen sie wie die Großen aus. „Sie sind zwar klein, wiegen aber schon 30 bis 35 Kilo“, sagt Steininger über die einjährigen Wildschweine. Und genau diese wurden nun von der Rotte getrennt.

Wildschweine werden umgesiedelt

Die Schweinchen sollen umgesiedelt werden. In den Wildpark Heigenbrücken im Landkreis Aschaffenburg. Es ist ein schweißtreibender Job, den hier die Männer zwei- bis dreimal im Jahr machen. Denn die rund 20 jungen Schweine müssen erst einmal von den alten Tieren getrennt werden, was getan wird, indem in ein separates Gatter Mais geworfen wird – eine der Lieblingsspeisen der Allesfresser. Wollen die Schweine nun an den Mais, geht das nur durch eine schmale Tür, durch die die alten Wildschweine nicht durchpassen. Dann geht alles ganz schnell. Die Männer packen sich Schwein um Schwein und laden sie in einen Anhänger, der bereits parat steht – begleitet von einem kollektiven Quietschen der Artgenossen, das so laut ist, dass man beinahe seinen Gesprächspartner nicht mehr hört.

Gefährliche Verletzungen

Ist ja auch kein Wunder, denn gefallen würde so was niemanden. „Anders geht das nicht. Erstens kommt man im offenen Gehege den Schweinen gar nicht hinterher und zweitens sind da ja noch die Bachen.Ich kenne keinen Menschen, der so dumm wäre, da rein zu laufen. Die können sehr, sehr gefährliche Verletzungen zufügen. Besonders weil sie jetzt Frischlinge haben. Die verteidigen ihren Nachwuchs bis aufs Blut“, erzählt Gerhard Steiniger und fügt hinzu: „Nach solch einem Einsatz sehen wir meistens selbst aus wie Sau.“ Bevor man überhaupt in das abgegrenzte Gatter darf, müssen einige Vorbereitungen gemacht werden – die Schweinepest macht es möglich. Eine blaue Matte wird mit Desinfektionsspray eingesprüht, auf der man die Schuhesohlen desinfiziert, bevor weiße Ganzkörperanzüge aus Plastik übergezogen werden. Seid dem Ausbruch der Krankheit gibt es sehr strenge Bestimmungen, was man tun muss, wenn man in Kontakt mit Schweinen kommt – auch in einem Wildgehege.

Es ist auch noch ein anderes Tier, das umgesiedelt werden soll: Ein stattlicher Rothirsch, mit rund drei Zentnern Gewicht. Dass man so ein Tier ohne Betäubung nicht in einen Anhänger tragen kann, ist klar. Deshalb wird hier ein Betäubungsgewehr verwendet. Das Luftdruckgewehr wird mit einer Betäubungsspritze geladen. Die Reichweite beträgt dabei maximal 15 Meter. Deshalb wird auch hier mit Futter nachgeholfen, um das Tier an sich heranzulocken. Es scheint so, als ob Futter immer eine Allzweckwaffe wäre.

Rothirsch will nicht schlafen

Steininger drückt ab, nach einigen Minuten beginnt der Rothirsch zu wackeln und legt sich hin. Die Männer warten erst einige Minuten, um sicher zu gehen, dass das Tier auch fest schläft. Das denkt aber gar nicht daran und steht wieder auf, während seine Artgenossen in rund 200 Metern Entfernung einen Badetag im See einlegen.

Steininger flüstert: „Die merken natürlich, dass da etwas nicht stimmt. Die sind nervös. Die kommen heute nicht näher.“ Der Rothirsch wackelt einige Meter weiter, um sich schließlich wieder hinzulegen. Rudolf Stenger, der Besitzer des Wildparks, in den die Tiere kommen sollen, schleicht sich langsam näher, bleibt immer wieder stehen. Das Tier steht immer wieder auf und läuft weiter. Das wiederholt sich dreimal bis beschlossen wird, eine zweite Dosis des Betäubungsmittels zu verschießen. Man sieht wie betäubt das Wild ist – sich aber dagegen wehrt. Nachdem wieder abgewartet wird und man sich traut wieder näher ran zu kommen, aktiviert der Rothirsch seine letzten Kräfte und springt einen Meter in die Luft. „Das macht heute keinen Sinn mehr. Bevor wir es noch mehr stressen, probieren wir es an einem anderen Tag“, sagt Stenger und fügt hinzu: „Das passiert manchmal. Es gibt Tiere, die sind auf das Mittel einfach resistenter als andere.“

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