Reitkinder bekommen Verantwortung

Die Gründungsmitglieder wollten damals einen eigenen unabhängigen Verein auf einer eigenen Anlage, berichtet Lienhardt. Diese Gelegenheit bot sich, als sie einen Hof mit Maschinenhalle und Hühnerstall pachten konnten. „Sie haben das damals komplett umgestaltet und mit sehr viel Eigenleistung eine Halle gebaut. Das dafür notwendige Darlehen kam von den Mitgliedern selbst“, erklärt Lienhardt. Die Maschinenhalle wurde zur Reithalle, der Hühnerstall zum Reiterstübchen. Soviel Einsatz bindet, die Gründungsmitglieder sind ihrem Verein treu: Einer von ihnen, Franz Watzke, ritt mit 92 Jahren bis vor kurzem immer noch jeden Morgen. Diese Bindung hätten aber auch die neueren Mitglieder, sagt Lienhardt: „Einem Verein, der einem selbst viel gegeben hat, darunter auch viel Teamgeist, dem gibt man auch viel zurück.“

Weniger Zeit bedeutet höhere Kosten

Anders wäre Reitsport kostengünstig auch gar nicht möglich: „Das geht nur, wenn sehr viel ehrenamtliche Arbeit geleistet wird“, sagt die Pressesprecherin, die selbst mit sieben Jahren als Reitkind angefangen hat. Von den regelmäßigen Arbeiten werde nur der Stalldienst am Morgen bezahlt. Selbst die meisten Reitlehrer arbeiten ohne Bezahlung. Wobei hier deutlich werde, dass die Zeiten ändern, sagt Lienhardt. Die Menschen hätten heute weniger Zeit für ehrenamtliche Arbeit. „Weil die meisten lange arbeiten müssen, die Kinder aber nicht erst spätabends Reitstunden haben können, deckeln wir inzwischen einen Teil der Stunden mit Hilfe von externen Reitlehrern“, erklärt Lienhardt.

Einst fuhren sie auch mit Kutschen

Acht Pferde stehen zurzeit im Stall. Vier davon gehören dem Verein – drei davon laufen im Schulbetrieb, das Vierte dient zum Voltigieren. Die vier weiteren sind sogenannte Einsteller, Pferde, deren Besitzer dafür bezahlen, dass ihr Pferd versorgt wird. „Über den Winter reduzieren wir das aber immer auf eine überschaubare Anzahl, damit wir dem Anspruch der Einsteller gerecht werden“, sagt Lienhardt. Reit- und Fahrgemeinschaft heißt der Verein, weil anfangs auch regelmäßig Kutschfahrten unternommen wurden. "Das machen wir aber schon lange nicht mehr - die Pferde sind dafür gar nicht mehr geschult." Die letzte Kutsche des Vereins steht gerade zum Verkauf.

Größer werden? Nein, Danke. "So haben wir alles im Griff."

Angesichts einer langen Warteliste voller potenzieller Reitkinder könnte der Verein theoretisch größer werden. Mehr Mitglieder aufnehmen, mehr Pferde versorgen. Dann wäre aber vermutlich ein größerer Teil der Arbeit nicht mehr mit Hilfe der Ehrenamtlichen zu stemmen, schätzt Lienhardt: „Im aktuellen Rahmen haben wir alles im Griff.“ Die Verantwortung in einem Verein, der Tiere hält, sei schließlich groß – regelmäßig werde ein Tierarzt und der Hufschmied gebraucht. „Uns ist auch wichtig, dass die Pferde nicht normale Schulpferde sind, dass es ihnen gut geht. Dafür haben sie einen Stehtag, sie kommen ins Gelände und werden abwechslungsreich bewegt. Sie bekommen gutes Futter für die Gelenke und ein Pülverchen gegen Husten“, sagt Lienhardt. Es gelte zudem gute Versicherungen abzuschließen, den Futtereinkauf zu organisieren, die Wiesen zu pflegen. Insgesamt gebe es im Verein eine breite Palette an Wissen, das immer wieder weitergegeben werden soll.

Verantwortung, die für's Leben prägt

Ziel sei es natürlich, die Reitkinder nach und nach in die Verantwortung einzubeziehen. Im vergangenen Jahr hätten Jugendliche ein Kindercamp organisiert – mit dem Älterwerden bekommen die Mitglieder immer mehr Verantwortung. Das Vereinsleben der Reiter präge die Persönlichkeit, ist sich Lienhardt sicher. „Hier müssen alle am selben Strang ziehen und nur,  weil einer gut reitet, existiert der Verein nicht. Wir haben Verantwortung den Pferden gegenüber, das nimmt man ins ganze Leben mit.“

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