Prügel für einen Rechtsanwalt

Getroffen hat es einen Bayreuther Rechtsanwalt. Der 51-Jährige war mit einem Berufskollegen und seinem Schwager in einem Biergarten in der Kulmbacher Straße. Wie es sich für Vatertagsausflügler gehört, sprach man dem Alkohol zu, in Form von "Eiskräutern", wie in dem Lokal eisgekühlter Kräuterschnaps genannt wird.

Wie betrunken das Trio war, steht nicht fest, denn die drei verweigerten die Alkotests. Ein Polizistin sagte aber als Zeugin aus, der geschlagene Rechtsanwalt sei über sein verschrammtes Gesicht wütend gewesen und sie habe bei ihm einen "verwaschenen Zungenschlag" gehört. Der zweite Rechtsanwalt sei wegen seiner Trunkenheit sogar hingefallen, als die Polizisten den Fall aufnahmen. Der Täter allerdings war schon weg.

Identifizieren konnte man ihn trotzdem: Der 32-jährige Serbe, groß, massig, mit kahl geschorenem Kopf und wallendem Rauschebart, ist nicht nur eine auffällige Erscheinung, sondern auch ein Ex-Arbeitskollege des dritten Vatertagsausflüglers.

Täter und Opfer widersprechen sich

Im Prozess bei Amtsrichter Stefan Käsbohrer machen Täter und Opfer widersprechende Aussagen. Der Angeklagte sagt: "Ich habe noch nie jemand grundlos geschlagen." Der Geschlagene beteuert: "Ich habe noch nie jemanden beleidigt."

Womit das Kernthema der Gerichtsverhandlung beschrieben ist: Der Angeklagte gestand, den Rechtsanwalt geschlagen zu haben, jedoch: erstens aufgrund von üblen Beleidigungen und zweitens aus Notwehr. Der Betrunkene habe ihn offenbar wegen seines Bartes als "Salafisten", als "Prediger" und als "Terroristen" tituliert, obwohl "ich kein Moslem bin. Ich bin orthodox".

Und als er aufgestanden war, um sich den Provokationen zu entziehen, sei der Anwalt ebenfalls aufgestanden, habe gerufen "Verpiss Dich!" und gleichzeitig die Hand gehoben, um "mich zu schlagen".

Warum die Stimmung kippte, wissen nicht mehr alle

Da machte es kurz "bummbummbumm", sagte als Zeuge der Schwager des Geschlagenen. Warum und wieso das Ganze - er sagt, er könne sich nicht mehr erinnern.

Ein 27-jähriger Mann, der in Begleitung des Angeklagten in den Biergarten gekommen war, berichtet, wie alles begann: Der Angeklagte und der Schwager des Rechtsanwalts hätten sich als ehemalige Arbeitskollegen erkannt, man sei an den Tisch gebeten worden, alle 15 Minuten sei eine Runde der "Eiskräuter" getrunken worden.

"Anfangs war das richtig gemütlich", sagen fast alle Beteiligten. Doch die Stimmung kippte. Während der Angeklagte und auch sein Begleiter beteuern, dass der später geschlagene Rechtsanwalt ständig gestichelt habe, können dieser und seine beiden Begleiter sich daran nicht mehr so genau erinnern.

Der Geschlagene selbst sagt, er wisse noch, dass der Angeklagte sich zwischendurch an den Nebentisch gesetzt und dort einigen jungen Leuten "religiöse Vorträge" gehalten habe: "Ich weiß, ich habe noch was dazu gesagt."

Später habe er aufgrund seiner Gesichtsverletzungen geschlossen, dass er mehrfach im Gesicht getroffen worden sei. Unter anderem hatte der Jurist einen abgebrochenen Zahl zu beklagen, einen Riss an der Augenbraue und einen Riss im Augenwinkel.

Einige Tage habe er nicht gearbeitet: "So wie ich ausgesehen habe, konnte ich nicht in die Öffentlichkeit. Ich habe das Gesicht mit Kühlakkus behandelt."

Sein 51-jähriger Berufskollege behauptet: "Ich habe das erst mitgekriegt, als er vom Boden aufstand und sagte: Ich bin grad geschlagen worden."

Der Begleiter des Angeklagten hat das etwas extremer in Erinnerung: Nach den Schlägen sei der Anwalt aufgestanden und habe gerufen: "Wo ist das A...loch?"

Während Verteidiger Wolfgang Schwemmer eine Notwehr für nicht ausgeschlossen hielt und auf Freispruch plädierte, wollte die Staatsanwaltschaft eine achtmonatige Gefängnisstrafe.

Richter Käsbohrer beurteilte die Schläge als nicht notwendig für die Abwehr eines Angriffs. Die achtmonatige Strafe setzte er zur Bewährung aus. Er legte dem Verurteilten auf, an das Opfer 800 Euro Schmerzensgeld zu zahlen.

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