Protest gegen neuen Betrieb

„Eine Sauerei ist das, was da passieren soll“, sagt Johann Lautner klipp und klar. Der 87-Jährige ist einer der ältesten Einwohner und lebt schon immer Hörlasreuth. Er befürchtet, dass das Dorfbild mit der Ansiedelung des Betriebes jetzt völlig zerstört wird.

Betrieb zerstört Natur

„Manche dürfen alles“, sagt Werner Hertel. Als er vor 20 Jahren ein Krüppelwalmdach errichten wollte, wurde das abgelehnt – entspricht nicht dem fränkischen Baustil, hieß es. Er befürchtet, dass durch den Gewerbebetrieb die Natur zerstört wird. Und er hat Angst, dass den Kindern des Ortes etwas passiert, denn die Schulbushaltestelle befindet sich schräg gegenüber dem betreffenden Grundstück.

Diese Angst hat auch Cynthia Opitz. „Meine Kinder spielen auf der Straße, wir haben keinen Gehweg und auch nur wenige Laternen“, sagt sie. Wenn nun Lastwagen fahren, sieht sie eine Gefahr für die Kinder, gerade in der Dämmerung.

Stefan Dietel und seine Frau sind 2014 von Bayreuth nach Hörlasreuth gezogen. „Wir wollten aufs Land, weil hier Ruhe ist, keine großen Autos fahren, eigentlich kaum Verkehr herrscht“, sagt er. Er wusste, dass er seine Kinder einfach rauslassen kann, dass er nicht sofort hinterherspringen muss, wenn sie mal vom Grundstück laufen. „Jetzt habe ich Angst, dass sie überfahren werden. Da hätten wir auch in Bayreuth wohnen bleiben können“, sagt er.

Sorge um Drainagen

Daniel Böhner zeigt auf den hinteren Bereich des Grundstücks, wo die Firma Thiem ihren Betrieb ansiedeln will. „Dort ist eine Quelle, von der aus Drainagen zum Brunnen bei der Bushaltestelle laufen“, erklärt er. Er befürchtet, dass Wasser nicht mehr von den benachbarten Wiesen ablaufen kann. Zum anderen sei damit zu rechnen, dass die Drainagen, die quer, unterhalb des Grundstücks verlaufen, beschädigt werden, weil sie auf einer Tiefe von nur 50 Zentimetern liegen. Und nicht nur die Drainagen liefen entlang, so Böhner. Auch die Stromleitungen liefen quer über das Grundstück. „Da kommt dann keiner mehr ran, wenn mal was ist“, sagt Böhner.

Nichts ist ins Grundwasser gegangen

Maria Lautner befürchtet, dass was in den Simmelbach, der an dem Grundstück entlang fließt, gelangt. „Und von dem Bach geht es weiter in die Fischweiher.“ Regelmäßig müssten die Ortsbewohner ihre Kleinkläranlagen kontrollieren lassen und jetzt wolle ein Gewerbebetrieb in der Nähe des Baches ansiedeln.

Bewohner berichten von einem Ölunfall Anfang des Jahres. So hat Ute Hauenstein von ihrem Haus aus beobachtet, dass der Thiem entlang der Straße mit einem sogenannten Bobcat Schnee geräumt hat. Cynthia Opitz konnte das von ihrem Balkon aus sehen. Die beiden zeigen die Reste der Ölspur und dem Bindemittel. Thiem sagt gegenüber dem Kurier: Er habe Schnee für eine Bewohnerin geräumt, da sei der Schlauch geplatzt. Das passiere. „Das hat aber nichts mit meinem Gewerbe zu tun.“ Außerdem sei es biologisch abbaubares Öl gewesen, er habe es sofort abgebunden. Nichts sei ins Grundwasser gegangen.

Unmut Luft gemacht

Bei der Bürgerversammlung in Lindenhardt Mitte Februar hatten mehrere Hörlasreuther ihrem Unmut über die Planungen des Gewerbegebietes Luft gemacht. „Eine Woche später wurde auf dem Gelände auf einmal aufgeräumt“, sagt Böhner. Vorher standen dort Container und Bagger, die wurden weggebracht. Und auch der Haufen mit dem abgelagerten Fräsgut, sei jetzt wesentlich kleiner. Thiem entgegnet: Er habe bereits im Januar angefangen, das Haus umzubauen. Im Februar sei lediglich der Sperrmüll abtransportiert worden und die Container mit Alteisen.

Von mehreren Lkw mit Fräsgut an einem Samstagmorgen im vergangenen Sommer berichten Anwohner. „Da standen an die 20 Sattelaufleger entlang der Straße“, sagt Hans Lautner. Einheimische Speditionen und welche aus Hof und Nürnberg waren es, hat er gesehen. Mit einem Schwenk über die Wiese seien sie auf das Grundstück gefahren. Dies sei nur ein einziges Mal gewesen, sagt Thiem.

Zum Stammtisch eingeladen

Man habe zu Beginn versucht Kontakt zu Thiem aufzunehmen, habe ihn zum Stammtisch eingeladen. Aber er sei nie gekommen. „Kein Mensch hat mich eingeladen“, sagt Thiem.

Am kommenden Montag, 5. März, findet um 19 Uhr ein Stadtteilgespräch in der Mehrzweckhalle Creußen statt. Dort sollen Bürgermeister Martin Dannhäußer und der Anwalt von Thiem die Planungen vorstellen. Auch zu den Vorwürfen will Thiem Stellung nehmen. „Eigentlich sollten wir alle eine schriftliche Einladung bekommen“, sagt Sandra Hertel. Der Bürgermeister habe ihr das zugesagt und auch auf der Homepage der Stadt stand das. Hertel zeigt ein Foto, das sie von dem Hinweis gemacht hat. Bis gestern Nachmittag lag aber bei keinem der Hörlasreuther eine solche Einladung vor.

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