Protest am Kreuz

„Ich weiß von zwei Soldaten, einem Mann und einer Frau, die 1945 dort beigesetzt wurden“, sagt er. Sie wurden wohl von den Amerikanern damals erschossen. Und es waren keine Ortseinwohner, sondern Auswärtige. Die Frau war aus Nürnberg, wurde damals anhand eines Bildes von ihrer Mutter identifiziert. 1951 wurden sie umgebettet, wohin das weiß Eckert nicht.

Die Zahlen schwanken

Aber die Zahlen schwanken. Sein Nachbar Rüdiger Goller, Vorsitzender der Schnabelwaider Soldatenkameradschaft, weiß auch von zwei Personen, die dort oben gelegen haben sollen. Doch in manchen Artikeln ist von sechs oder acht Leuten die Rede. Auf der Messingtafel, die an dem jetzt aufgestellten Kreuz angebracht ist, steht: „Sieben blutjunge deutsche Soldaten, die im festen Glauben ihr Leben für das Vaterland opfern. Sie befanden sich im Abwehrkampf gegen die vorrückende 7. US-Armee unter General Paton“.

„Man hat nie genau herausgefunden, wer das war“, sagt Goller. Aus den Erzählungen seiner Oma, die Vorarbeiterin im Forst war und im Kitschenrain Bäume pflanzte, weiß er, dass der Platz verpönt war. Auch später noch. „Kinder und Waldarbeiter haben den Platz immer gemieden“, sagt er. Trotzdem war die Stelle immer gegenwärtig, zum Beispiel als sie in den 60er Jahren dort zum Pilzesammeln waren.

Gut recherchiert

„Heute sterben wieder deutsche Soldaten auf zwei entfernten Kontinenten, ebenfalls missbraucht von korrupten Politikern und der sie steuernden Elite. Bürger dieses Landes, wacht auf und lernt aus der Geschichte“ – heißt es auf der Tafel weiter. „Da hat jemand gut recherchiert“, sagen Eckert und Goller. Sie glauben, dass ein Nachfahre das Kreuz mit der Tafel aufgestellt hat. „Mir geht das nicht recht ein“, sagt Eckert, er glaubt, dass es eher ein junger Mensch war. „Da weiß jemand zu viele Details, als dass es einfach ein planlos hingestellter Protest ist“, sagt Goller. Und die Person war schon mal vor Ort, weiß von den Gegebenheiten am Kitschenrain, ist Eckert überzeugt. Der Helm, der oben auf das Kreuz gesteckt wurde, ist aber nicht von damals, sagen die beiden Männer. „Die Soldatenhelme waren früher am Rand mehr eingekerbt“, sagt Eckert. Goller vermutet, dass es ein ausgedienter Feuerwehrhelm ist. „Die verlängerte Nackenschürze ist typisch dafür“, sagt er.

Kein Zusammenhang zwischen Soldaten und Zivilisten

Andere Daten hat Robert Fischer, Geschäftsführer des oberfränkischen Bezirksverbandes Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Bayreuth zu den Soldatengräbern. „Auf dem Kitschenrain war ein Soldat beigesetzt“, sagt er. Die Leiche war verbrannt und wurde 1951 exhumiert und auf dem Friedhof in St. Georgen Bayreuth beigesetzt. Bei der Frau aus Nürnberg hat es sich nach seinen Unterlagen um eine Zivilistin gehandelt. Sie wurde aber zusammen mit fünf Soldaten am Waldrand bei Ruspen vergraben. „Diese sechs Toten haben alle Kopfschüsse aufgewiesen“, sagt Fischer. Einen Zusammenhang zwischen der Zivilistin und den Soldaten kann er aber nicht nennen.

Inzwischen wurde das Kreuz samt Tafel und Helm entfernt. „Es steht ja auf Grund der Bayerischen Staatsforsten“, sagt Förster Michael Berngruber. Es soll alles der Gemeinde übergeben und dort verwahrt werden, sagt er.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06