Professoren boykottieren "Handelsblatt"-Ranking

Einer von ihnen ist Claas Christian Germelmann, der den Lehrstuhl Marketing an der Uni Bayreuth innehat. Er kritisiert: „Das ,Handelsblatt‘-Ranking ist eindimensional und bewertet nur einen kleinen Ausschnitt aus der Leistung von Professorinnen und Professoren.“ Mit dieser Kritik steht er nicht alleine da. In dem Boykottbrief, den über 300 Wissenschaftler unterzeichnet haben, steht: „Personenrankings, die ausschließlich auf die Publikationsleistungen abstellen, blenden aus, dass es noch weitere Tätigkeiten gibt, die darüber entscheiden, wie gut Professoren ihrer Aufgabe insgesamt gerecht werden. Diese umfasst neben der Forschung unter anderem Lehre, Betreuung von Studierenden, Mitwirkung in der Selbstverwaltung, Vermittlung von Forschungsergebnissen in die Praxis.“

Alles Dinge, die das „Handelsblatt“-Ranking nicht berücksichtigen würde. Denn die neue Ausgabe der Bestenliste, die am Montag veröffentlicht werden soll, basiert auf der Anzahl der Aufsätze, die die Wissenschaftler in Zeitschriften publiziert haben. Für die Professoren ein Unding. Die Qualität der Beiträge werde nicht wiedergegeben.

"Handelsblatt" hält am Ranking fest

Ein weiterer Kritikpunkt: Das Ranking setze falsche Anreize zum Schaden der Wissenschaft. „Rankings veranlassen Wissenschaftler, nicht mehr das zu erforschen, was sie interessiert und was für den Fortschritt der Wissenschaft wichtig ist, sondern das, was Ranking-Punkte bringt“, schreiben die Professoren, die in dem „Handelsblatt“-Ranking nicht erfasst werden wollen.

Trotz der Kritik hält das „Handelsblatt“ an der Veröffentlichung des Rankings fest und hat in seinem eigenen Blog auf die Vorwürfe der Wissenschaftler reagiert. Darin steht: „Wir nehmen diese Kritik sehr ernst. Festzuhalten ist aber, dass die Methode, die wir anwenden, eine in den Wirtschaftswissenschaften international gängige Vorgehensweise zur Evaluierung von Forschungsleistung ist.“

Foto: pa


Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Montags-Ausgabe (10. September) des Nordbayerischen Kuriers.

Nicht bewertet

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Kommentare

Das Problem ist glaube ich schon, dass viele Leser sich nicht bewusst sind, dass das, was das "Handelsblatt" bewertet, nur ein Teil dessen ist, was einen guten Professor ausmacht. Während das Blatt mit der Aussage, diese Methode sei zur Beurteilung der Forschungsleistung geeignet, gar nicht grundfalsch liegt, weist Germelmann ja sehr zu Recht darauf hin, dass das Aufgabengebiet von Professoren weit mehr umfasst.

Grundsätzlich sollte hinterfragt werden, inwieweit solche Rankings der deutschen Hochschullandschaft überhaupt nützen. Mittlerweile gibt es ja auch Institute, die aus dem "CHE"-Ranking ggf. wieder aussteigen wollen bzw. schon ausgestiegen sind.