Problem auf der langen Bank?

Hartes Wasser: Wie in Gegenden mit vorwiegend Sand- und Kalkstein üblich, ist das Wasser aus den Tiefbrunnen der Benker Gruppe hart. „An uns wurde sehr oft der Wunsch nach weicherem Wasser herangetragen“, sagt Peter Popp, Gemeinderat aus Goldkronach und Verbandsrat des Wasserzweckverbandes. Zurzeit werden Goldkronach-West, Nemmersdorf, Pollersdorf und Reuth von der Benker Gruppe mit Wasser versorgt. Mehrere Räte beantragten deshalb bereits im Oktober 2014, zu prüfen, ob der Härtegrad gesenkt werden könne. Damals noch mit der Idee die Wasserenthärtungsanlage gemeinsam mit der benötigten Uranfilteranlage zu bauen. Die Uranfilteranlage ist seit Herbst 2015 in Betrieb, der Antrag aus dem Oktober 2014 schaffte es bei der Verbandssitzung im Juli 2017 immerhin erneut auf die Tagesordnung, da nach der Sanierung eines der beiden Tiefbrunnen aktuelle Zahlen zur Wasserhärte vorliegen. Diese beträgt 20,5 Grad deutsche Härte (dH). Wasser gilt von 14 bis 21,3 Grad deutsche Härte als hart, darüber als sehr hart. „Wasserkocher und Kaffeemaschinen gehen ständig kaputt, sagt Klaus Bauer, genau wie Popp Gemeinderat in Goldkronach und Verbandsrat.

In diesem Thema bewegt sich etwas: Laut Protokoll „nach längerer Diskussion“ entschied die Versammlung, ein Fachbüro zu beauftragen, das eine grobe Kostenschätzung für verschiedene Möglichkeiten Wasser zu enthärten, abgeben soll. „Wenn wir mehr über die Kosten wissen, könnten die Wasserabnehmer befragt werden, ob sie solch eine Wasserenthärtungsanlage wollen“, sagt Popp. Denn die  Kosten würden umgelegt. Popps Ansicht nach würde sich die Investition für die meisten rentieren. Denn wenn sich der Preis zum Beispiel um 40 Cent pro Kubikmeter erhöhe, würde sich die Wasserrechnung bei einem Verbrauch von im Schnitt zwei Kubikmetern pro Person und Monat um 80 Cent erhöhen. „Die spare ich mir wieder ein, wenn ich weniger Reinigungsaufwand, Reparaturkosten und Putzmittel brauche“, schätzt Popp. Die Kosten pro Kubikmeter hängen letztlich davon ab, wie weich das Wasser werden soll. „Je mehr man raus nimmt, desto höher die Kosten“, sagt Popp. Problematisch sei allerdings, dass inzwischen immer mehr Haushalte in weniger effektive private Filteranlagen investieren. Die würden vermutlich gegen den Einbau einer Anlage für alle stimmen, schließlich haben sie schon investiert. Lichtblick: Das Gebäude für die Uranfilteranlage wurde so groß gebaut, dass die Wasserenthärtung darin ebenfalls Platz hätte, Baukosten würden nicht mehr anfallen.

Verbandsübergreifende Wasserstudie: In einer Wasserstudie wird berechnet, wieviel Wasser eine Kommune aktuell verbraucht, wie sich der Wasserverbrauch künftig entwickeln wird und wie die Wasserversorgung möglich wäre. Die Stadt Goldkronach hat solch eine Wasserstudie erstellen lassen. Einige Vorschläge der Autoren dieser Studie betreffen auch den Wasserversorger Benker Gruppe. So tauchten die Fragen auf, ob die Benker Gruppe das ganze Stadtgebiet versorgen könnte – Goldkronach würde in diesem Falle die Vollmitgliedschaft im Zweckverband anstreben, der zusätzliche Wasserbedarf würde etwa 76 000 Kubikmeter betragen. Oder, ob zumindest die Notversorgung im Bereich Brandholz-Goldkronach möglich sei. Der Goldkronacher Bürgermeister Holger Bär bat in einem Schreiben aus dem Mai 2017 die Benker Gruppe um eine Stellungnahme bis Ende Juli 2017. Laut Protokoll „nach kurzer Diskussion“ wurde nun beschlossen, dass geprüft werden soll, ob eine gemeinsame Wasserstudie im Rahmen eines ILE-Projektes möglich sei. Die Idee stammt vom Bad Bernecker Bürgermeister Jürgen Zinnert. Der eine Studie über zukünftig mögliche Alternativen einer gemeinsamen Wasserversorgung grundsätzlich für sinnvoll hält – es sei aber nicht die Aufgabe des Zweckverbands, solch eine Studie in Auftrag zu geben. Dies müsse Aufgabe aller Kommunen sein, die an einer nachhaltigen Sicherung ihrer Wasserversorgung echtes Interesse zeigen und zwar über den Kreis der aktuellen Zweckverbandsmitglieder und Wassergäste hinaus, sagt Zinnert.

Neue Strukturen für den Zweckverband? Der Goldkronacher Verbandsrat Klaus Bauer beantragte am im Juli 2016 zu prüfen, ob es grundsätzlich möglich sei, die Wasserversorgungen der Städte Bad Berneck, Goldkronach, der Gemeinde Bindlach sowie von allen Mitgliedern der Benker Gruppe technisch und rechtlich zusammenzuführen. Die gemeinsame Wasserstudie sollte der erste Schritt dafür sein. Denn dass solch ein Schritt langer Planung bedarf, ist Bauer klar. „Was mich aber ärgert, ist dass nun ein Jahr lang gar nichts geschehen ist. Mir geht es um Zukunftsträchtigkeit. In Kleinteiligkeit kann man nicht überleben, denn die Anforderungen an Wasserversorger werden immer größer, die Vorgaben und Regelwerke umfangreicher. Wasser ist das Top-Lebensmittel: Da muss ich schauen, dass ich mich groß genug und schlagkräftig aufstelle.“ In der Sitzung des Zweckverbands fand dieser Vorstoß keine Mehrheit, berichtet Popp. Vor allem die Bestandsmitglieder sähen keinen Grund etwas zu ändern. Die Städte Goldkronach und Bad Berneck, in denen Arbeiten an der Wasserinfrastruktur anstehen und die mit Gemeindeteilen im Verband sind, mit anderen aber nicht, wüssten hingegen gerne, in welche Richtungen sie in Zukunft denken und handeln können. Letztlich fiel auf der Juli-Sitzung auch für dieses Thema die Entscheidung, die Diskussion in einem anderen Gremium weiterzuführen. Die ILE Markgrafen-Bischofsland soll es richten. „Das Problem auf die lange Bank schieben“, sagen Bauer und Popp dazu. Der Goldkronacher Bürgermeister Holger Bär, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Wasserzweckverbandes zeigt sich etwas diplomatischer: „Die ILE bietet sehr gute Möglichkeiten.“ So könne auf diesem Weg noch weiter über den Tellerrand hinausgeschaut werden, zum Beispiel Himmelkron mit eingebunden werden. Der Bindlacher Bürgermeister Gerald Kolb, Vorsitzender des Zweckverbandes, wollte sich zu dem Thema über das Protokoll hinaus nicht äußern.

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