Premiere für Sicherheitskonzept

Die Bilanz eine halbe Stunde, nachdem am Festspielhaus die Türen zur ersten Generalprobe geschlossen worden waren, fällt knapp aus: "Alles sehr gut gelaufen. Wesentlich besser als gedacht", sagt Peter Emmerich, der Pressesprecher der Festspiele. Gut eineinhalb Stunden vor der Bilanz sagt Emmerich im Gespräch mit unserer Zeitung: "Es waren schon viele angespannt vor diesem Tag. Das ist ja für alle eine Premiere. Erstens, weil überhaupt wieder Publikum hier ist. Zweitens wegen der äußerlichen Veränderungen. Man muss ja sehr aufmerksam verfolgen, wie es läuft, ob es Schwachpunkte gibt, ob man Verbesserungspotenzial hat."

Läuft alles wie gewünscht?

Die Premiere des Sicherheitskonzepts bei der Generalprobe von "Rheingold" sei die Generalprobe für den 25. Juli: Funktioniert die Kontrolle durch das Personal des externen Sicherheitsdienstleisters an den Eingängen? Gibt es Stau wegen der Kartenkontrolle? Wie läuft es mit dem Verkehr? Und vor allem: "Kommen alle rechtzeitig rein ins Haus?" Denn das ist der gravierendste Unterschied zu den vergangenen Jahren: Die Siegfried-Wagner-Allee wird zwei Stunden vor Beginn der Aufführung gesperrt. Nur akkreditierte Besucher dürfen die Allee benutzen. Am Samstag ist das: keiner. Dafür entdecken schnell Besucher der Generalprobe die neue Fußgängerfreiheit für sich, schlendern den Berg mitten auf der Straße hinauf. Oder flanieren in der verkehrsfreien Zone vor dem Festspielhaus, wo sonst im Minutentakt Taxis anrollen.

"Größtmögliche Normalität"

Was Polizeibeamte am Hügel nicht offiziell sagen dürfen, bestätigt Polizeisprecher Alexander Czech auf Anfrage unserer Zeitung: "Wir versuchen das alles mit größtmöglicher Normalität über die Bühne zu bringen." Die neue Verkehrsführung über die Tristanstraße sei die für Besucher einschneidendste Änderung, "wobei das auch schon während der Aufführungen in den vergangenen Jahren gemacht wurde, damit nach Ende der Opern der Verkehr besser abfließen kann". Jetzt ist die Sperrung eben vorher schon da. Verbunden mit der Bitte an die Gäste, genügend Zeit für die Anreise einzuplanen. Unterstützung hat die Polizei am Samstag "von Kollegen aus ganz Oberfranken", wie Czech sagt. "Am Premierentag wird noch einmal aufgestockt. Mit Bereitschaftspolizei und Kollegen aus dem Landes- und dem Bundeskriminalamt."

"Alles so entspannt"

"Tief enttäuscht" sei sie, sagt Generalprobenbesucherin Karla Fohrbeck mit einem Lächeln, "dass ich schon eineinhalb Stunden vorher da sein musste. Dabei läuft das doch alles so entspannt". Man könne sich so schön frei bewegen ohne Autos am Hügel. Auf eine große Tasche hat sie ebenso verzichtet wie auf ein Sitzkissen. "Aber fürs ,Rheingold' hält man das auch ohne aus. Fächer ist erlaubt. Und es ist auch kein Messer drin", sagt sie. Scharfe Sicherheitsvorkehrungen kennt Karla Fohrbeck (73) aus ihrer Jugendzeit, als Wolfgang Wagner streng darüber wachte, dass niemand als ungebetener Gast ins Haus kam. "Wie oft saß ich da auf der Beleuchterbühne, weil uns die Bühnentechniker reingeschmuggelt haben. Ein bisschen Spannung gehört dazu zu den Festspielen."

"Ein Grampf"

Schlicht "einen Grampf" nennt Besucher Klaus Becher die Maßnahmen. "Dadurch erreicht man doch nicht mehr Sicherheit. Absolute Sicherheit kann man sowieso nicht gewinnen. Das Flair geht flöten", sagt Becher unter Zustimmung seiner Begleitung. "Die Auffahrt gehört einfach dazu." Zudem werde es für Menschen, die schlecht zu Fuß sind, schwieriger, weil man sie nicht nahe am Festspielhaus aussteigen lassen könne.

Von Berg kontert die Kritik

Die Kritik, man könne mit Verkehrsmaßnahmen wie den beiden Absperrungen keine höhere Sicherheit erreichen, kontert der kaufmännische Geschäftsführer der Festspiele, Holger von Berg: "Man hat in Nizza gesehen, wie mit einem Alltagsgegenstand unsagbar viel Leid gebracht wurde." Genau das wolle man vermeiden. Er hoffe, "dass die abstrakte Gefährdungslage auch abstrakt bleibt. Dann kann das alles so bleiben wie es ist". Das Sicherheitskonzept "scheint zu passen und zu laufen", sagt von Berg. "Wenn man die Leute so anschaut, dann herrscht hier eine entspannte Atmosphäre."

Einzige Einschränkung: "Das Publikum bei Generalproben ist ein anderes als das bei den normalen Aufführungen", sagt Peter Emmerich. "Viele Künstler und ihre Angehörige besuchen die Generalproben, bringen vielleicht auch ein anderes Verständnis mit. Aber: Es bleibt ein guter Test für nächste Woche."  

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Montag, 13. November 2017 - 11:06