Potsdamer Professor will Präsident werden

Mit den Einladungen für eine hochschulöffentliche Vorstellungsrunde am Vorabend der Wahl wurde gestern der lange geheim gehaltene Name des einzigen externen Bewerbers publik. Robert Seckler ist seit 1998 Professor an der Universität Potsdam. Vier Jahre lang hatte er seither das Amt eines Dekans inne,. drei Jahre lang war er Senatsvorsitzender. Seit 2011 ist der Biochemiker Vizepräsident, zuständig für die Forschung an der Potsdamer Hochschule.

In Bayreuth nimmt Seckler zum dritten mal Anlauf, ganz an die Spitze einer Universität zurück. Im Jahr 2010 hatte er sich um die Präsidentschaft in Potsdam, 2012 um den Posten des Rektors an der Universität Greifswald beworben. Veränderungsdruck, so Seckler im Kurier-Gespräch, verspüre er nicht. „Ich fühle mich in Potsdam sehr wohl". Aber sowohl in Greifswald als auch jetzt Bayreuth sehe er „zwei sehr starke Universitäten. Das reizt mich." Ihr wissenschaftliches Profil und vor allem die ausgeprägte Zusammenarbeit ihrer Disziplinen mache die Universität Bayreuth besonders. „Und dass Bayreuth eine Campus-Universität ist, ist natürlich toll. Das macht das interdisziplinäre Arbeiten noch ein Stück effektiver."

Seckler hat das alles nicht nur vom Hörensagen – er hatte und hat Beziehungen an die Universität Bayreuth. Bevor der Naturwissenschaftler an die Universität Potsdam wechselte, arbeitete er an der Universität Regensburg, wo er sich auch habilitierte. „In den frühen 90er Jahren hatten wir eine Forschergruppe, die von Bayreuth aus koordiniert wurde", berichtet Seckler. „Aus dieser Zeit habe ich noch Verbindungen." Und: Der Potsdamer Professor gehört als Akkreditierungsrat der in Bayreuth ansässigen Akkreditierungsagentur Acquin an, die die Qualität von Lehre und Studium an zahlreichen Universitäten zertifiziert und damit die Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen fördert. Auch die Universität Bayreuth lässt ihre Studiengänge von Acquin akkreditieren.

Ob bei seiner Entscheidung über eine Bayreuth-Bewerbung die Plagiats-Affäre um die Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg eine Rolle gespielt hat? „Das war doch einfach Pech", antwortet Seckler. Nach wie vor sei Abschreiben bei Doktorarbeiten eben nicht die Regel, Plagiatsfälle seien Ausnahmefälle. Und: Eine Affäre wie diese könne auch anderen Universitäten passieren, sei ja auch anderen Universitäten passiert. „Ich habe den Eindruck, dass gerade die Universität Bayreuth mit dieser Angelegenheit sehr weise umgegangen ist", so Seckler im Kurier-Gespräch. „Es hat sich auch einiges innerhalb der Qualitätssicherung bewegt."

Nicht nur fachlich, auch persönlich käme eine Präsidentschaft an der Universität Bayreuth für den Professor der Biochemie genau richtig. „Ich habe die entsprechende Erfahrung, um eine solche Aufgabe übernehmen zu können", sagt Robert Seckler. Und er habe die Motivation: Seckler ist Vater von fünf Kindern, die sind inzwischen alle flügge sind. „Das ist ein guter Zeitpunkt, um durchzustarten."

Nicht bewertet

Anzeige