Platzangst im dunklen Bahntunnel

Das Ganze fing eher harmlos an. Zwischen zwei der zahlreichen Tunnels in diesem Streckenabschnitt kam der Pendolino das erste Mal zum Stehen. "Es klang irgendwie so, als ob der Zugführer den Motor abgewürgt hätte." Das wiederholte sich dann noch zweimal - bis der Zug in einem Tunnel endgültig stoppte, nach einem ziemlich heftigen Abbremsmanöver. Das Licht ging aus, wenig später dann wieder an.

Zwischen Würzburg und Pegnitz unterwegs

Noch dachte sich die junge Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, nichts Schlimmes. Sie ist oft zwischen ihrem Studienort Würzburg und Pegnitz unterwegs, hat schon so manche kleine Panne erlebt. Nach einer Viertelstunde ging der Zugbegleiter durch die Sitzreihen, sagte, die Fahrgäste sollte ihre Handys als Taschenlampe bereithalten, weil die Stromversorgung wohl bald erschöpft sei. Über eine Durchsage erhielten die Reisenden die Auskunft, es liege eine technische Störung am Bordcomputer vor, man versuche, den Zug in Richtung Süden wieder aus dem Tunnel zu befördern.

Zielbahnhof Hof

Das Licht war inzwischen ganz ausgegangen. Nur im ersten Zugteil, in dem sie saß: "Das war der mit Zielbahnhof Hof, in den beiden anderen Abteilen Richtung Bayreuth und Cheb funktionierte das Licht noch, wir spürten auch das Vibrieren der Motoren, die Störung war nur bei uns." Zu diesem Zeitpunkt hatte die 24-Jährige ihre Platzangstgefühle noch halbwegs im Griff.

Doch als dann der Zugbegleiter erneut vorbeikam und mitteilte, dass der gesamte Zug evakuiert werden müsse, spitzte sich ihre Lage zu. "Wenn der Mann das ruhig mit klaren Worten gesagt, wäre das noch gegangen, aber er war total nervös, fast schon aufgelöst." Die Konsequenz: Die junge Pegnitzerin bekam eine Panikattacke, "ich kippte mehrfach weg, konnte nicht mehr laufen". Was wohl auch an der Hitze und der schlechten Luft lag, die inzwischen in dem Abteil herrschte, weil durch den Wegfall der Stromversorgung auch die Klimaanlage versagte. "Es wurde zwar ein Fenster geöffnet, aber da strömten eigentlich nur Dieselabgase ins Innere."

Dieselabgase strömten ins Innere

An das, was danach kam, kann sich die 24-Jährige nur noch bruchstückhaft erinnern. Sanitäter kamen, trugen sie einem Tuch zur Tür, transportierten sie dann mittels eines fahrbaren Gleisaufsatzes aus dem Tunnel zum Rettungswagen, wo sie ärztlich versorgt wurden. "Da ging es mir dann rasch besser." Aber es waren halt inzwischen mehr als zwei Stunden vergangen. Was ihre Eltern, die sie dann in Velden abholten, nicht so recht nachvollziehen können. "Mich würde der Rettungsplan für solche Fälle interessieren", so ihr Vater im Kurier-Gespräch. Und: "Existiert da überhaupt einer?" Gebe es da kein Notstromaggregat? Und wenigstens eine Grundausstattung mit Getränken?

Rettungskräfte von ASB und Feuerwehr

Was seine Tochter auch wundert: Wie sie Gesprächen unter den Rettungskräften von ASB und Feuerwehr entnommen hat, wussten diese gar nichts davon, dass eine technische Störung der Grund für den Einsatz war - "die dachten, dass ich der Auslöser für die ganze Aktion war".

Übrigens: Nicht nur die Studentin hatte gesundheitliche Probleme. Ein Abteil weiter kämpfte eine Frau, die sich erst vor zwei Wochen einer Lungen-OP unterziehen musste, mit massiven Atemproblemen - "aber sie hatte eine Notfallausstattung für diesen Zweck dabei, konnte sich selbst helfen." Ansonsten sei die Stimmung im Zug lange Zeit durchaus gelassen gewesen. Sie drohte allerdings "so langsam zu kippen", als der Hinweis mit der Evakuierung kam". Die junge Pegnitzerin hat das Erlebnis inzwischen gut verarbeitet, will auch weiterhin mit der Bahn unterwegs sein - "denn eigentlich bin ich eine leidenschaftliche Zugfahrerin".

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