Plankenfels: Kritik am Einsatz der Polizei

„So ein Aufmarsch“, schimpft eine alte Frau. Sie wohnt im Erdgeschoss des Hauses, in dessen Obergeschoss sich der am Freitag noch Tatverdächtige aufgehalten hat. Während die Frau ihrem Unmut Luft macht, zittern ihre Hände. Sie ist die Großtante des 44 Jahre alten Mannes, den die Polizei festgenommen hat.

Nach dem Beamte des Sondereinsatzkommandos (SEK) zugegriffen hatten, lag der 44-Jährige vor dem Haus auf dem Bauch auf der Straße. Ihr Kommentar dazu: „Eine Erniedrigung – ob das sein musste?“ Dass es soweit kam, kann die alte Frau offenbar nicht verstehen. „Alles wegen eines einzigen Anrufs“, schüttelt sie den Kopf.

Tatsächlich ging bei der Polizei ein Notruf ein. In der Folge rückte die Polizei mit Streifenwagen, Zivilfahrzeugen und dem SEK an. Wie ein Nachbar schildert, stand die Polizei bereits am Morgen vor dem Haus. In der Mittagszeit sei auch ein Krankenwagen vorgefahren. Dann sei erneut Polizei vorgefahren und am späten Nachmittag das SEK.

Urlauber waren gut drauf

Im Gasthaus Goldenes Lamm befanden sich am Freitagnachmittag 15 Gäste. „Urlauber aus Sachsen und München“, berichtet Johanna Schreyer. „Die waren gut drauf“, sagt sie und ist froh, dass sie zu der Zeit keine Hochzeitsgesellschaft bewirten musste. Die Urlauber befanden sich zunächst im Gastraum. Der liegt auf der dem Einsatzgeschehen zugewandten Seite des Gebäudes. Auf Anraten von Beamten zogen die Gäste wenig später in den Dorfkeller um.

Als der Einsatz des SEK bevorstand, musste der ganze Gasthof – die Gäste und die Mitarbeiter – aus Sicherheitsgründen geräumt werden. „Wir sind dann alle ins Rathaus und haben im Sitzungssaal gewartet“, schildert die Wirtin. Sie fragt sich, warum der Einsatz so lange dauern musste.

Warum ging das nicht schneller?

Wie berichtet, ging der Notruf gegen 14 Uhr ein. Um 18.40 Uhr gab die Polizei Entwarnung. Für Stunden war das Dorf abgeriegelt. Völlig unklar ist den meisten Nachbarn, warum sich der 44-Jährige solange weigerte, das Haus zu verlassen. Unklar ist den Anwohnern auch, warum die Polizei nicht schneller in das Haus eindrang. Ihnen stellen sich Fragen über Fragen.

Dass der Tatverdächtige schon am Samstagvormittag wieder auf freiem Fuß war, erstaunt die Anwohner zudem. Sie mutmaßen über kriminelle Machenschaften. Drogen, Zigeuner, Frauen – in dieser Reihenfolge fallen die Stichworte immer wieder. „Die Kleinen fängt man, die Großen lässt man laufen“, so eine Frau. „Was ist denn das für ein Rechtsstaat?“, fragt sie vorwurfsvoll.

Auf Fragen zum Stand der Ermittlungen hält sich die Polizei bedeckt. „Die Ermittlungen zu den Abläufen in dem Wohnanwesen in Plankenfels, die zu einem größeren Polizeieinsatz führten, dauern an“, so die Begründung.

Die Polizei mauert

Auskünfte gibt es auch auch nicht darüber, welche Erkenntnisse den Polizeieinsatz ausgelöst haben, so die Pressestelle des Präsidiums. Eine klare Stellungnahme gibt die Polizei allerdings zum Spezialeinsatzkommando ab. Dessen Einsatz sei notwendig gewesen, weil der 44-Jährige als Jäger Zugriff auf Waffen hatte, so die Pressestelle.

Im Übrigen gehöre die weiträumige Absperrung der Gemeinde zur Gefahrenabwehr, eine Aufgabe der Polizei. Die rechtliche Befugnis ergebe sich aus dem Polizeiaufgabengesetz. Wie das Präsidium weiter mitteilte, ist das SEK Teil der Polizeiinspektion Spezialeinheiten Nordbayern des Polizeipräsidiums Mittelfranken.

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Kommentare

Ist ja schön, daß Plankenfels bundes- wenn nicht weltweit im Gespräch war. Mir erschließt sich allerdings auch nicht, was das für ein Aufmarsch war. Man kann ja jeden Jäger verdächtigen, der muß allerdings einen verschließbaren Waffenschrank haben. Was waren eigentlich die Fakten für diesen Großeinsatz?
Si tacuisses, philosophus mansisses!
Hinterher sind wieder alle gescheiter. Was wäre wenn der polizeilich bekannte jemanden weggeballert hätte. Dann hätte die Polizei wieder die Arschkarte, wenn keine Vorsorge getroffen wäre.
Sollen sich doch diese Superschlauen erst mal hinstellen, die Gefahrenlage erkennen und lösen.
stimmt, Kritik hinterher ist immer leicht .........
Und die Meinung der Tante des "Jemand" zu veröffentlichen hätte man sich auch sparen können
In der heutigen Zeit geht die Sicherheit vor, vor allem derjenigen , die in solchen Fällen ihr Leben riskieren!
Immer wieder erstaunlich, dass Leute mit NULL Hintergrundwissen und NULL Ahnung von Polizeitaktik und den gegebenen Umständen, meinen, sich hier öffentlich äußern zu müssen. Auch traurig, dass der Kurier solchen Leuten eine Plattform bietet bzw. mit entsprechenden Fragen versucht, die Diskussion künstlich anzuheizen. In meinen Augen unter dem Niveau, dass der Kurier sonst (meistens) bietet...
Zustimmung. Entspricht aber leider dem allgemeinen Trend vieler Leserbriefschreiber und Kommentatoren, bei allem auch ohne differenzierte Sachkenntnis alles besser zu wissen und dies völlig ungeniert kundzutun ...
Fürchterlich, wie im Nachgang wieder mal ein erfolgreicher Polizeieinsatz "niedergebügelt" wird von manchen Schlaubayern. Man stelle sich vor, es wäre zu keinem solch großen Einsatz gekommen und irgen jemand wäre dann auch noch verletzt worden?!? Dann wäre das Geschrei noch viel größer gewesen. Schließlich ist es auch so, dass ein Heranziehen von SEK und Verhandlungsgruppe, solche Spinner, wie diesen 44 - Jährigen, vielleicht davon abhalten, noch mehr dummes zu tun. Abschreckung hilft nämlich in solchen Fällen oft viel mehr. Also. Was soll diese elende Nachkarterei. Es ist alles nochmal glimpflich ausgegangen in Plankenfels und es wurde niemand weiter verletzt. Ist doch alles gut. Oder? Und dem Auslöser dieses Einsatzes, der ja immerhin bereits polizeilich bekannt war, ist vielleicht auch jetzt bewusst, dass Bedrohung, Waffengewalt oder sonst was kein Kavaliersdelikt sind, sondern vom Staat nicht tolleriert werden! Und das ist gut so!
Nachdem ja nicht so genau verraten wird, um was es eigentlich ging .....
bleibt zu hoffen, das das Dokument / Privileg "Jagdschein" für den Mann erledigt ist
und damit auch die Waffen bereits "abgenommen" wurden.
Nachdem ja nicht so genau verraten wird, um was es eigentlich ging .....
bleibt zu hoffen, das das Dokument / Privileg "Jagdschein" für den Mann erledigt ist
und damit auch die Waffen bereits "abgenommen" wurden.