Plädoyer für kleine Ortswehren

Dazu kommt seiner Ansicht nach der soziale Aspekt: Wenn Jugendliche aus einem Ort in der Feuerwehr zusammenarbeiten, klappt vieles besser als wenn „zusammengewürfelte“ Gruppen eine Einheit bilden müssen. „Schließlich geht es um schnelle Rettung und oft sogar um Menschenleben.“ Stiefler weiß aber auch, dass es in der Zukunft schwierig sein wird, das Konzept der kleinen Feuerwehren aufrechtzuerhalten. „Früher hatten wir bis zu 70 Jugendliche im Gemeindegebiet Pottenstein, mittlerweile sind es nur noch etwa 30.“

70 Einsatzkräfte weniger

In Oberfranken könnte sich die Zahl der Feuerwehrleute bis zum Jahr 2031 um 25 Prozent verringern. „Wir haben heute im Unterkreis etwa 70 Einsatzkräfte weniger als vor einigen Jahren“, bedauert Stiefler. Der 60-Jährige verabschiedet sich mit einer gehörigen Portion Skepsis aus seinem Amt. Aus gesundheitlichen Gründen ist Stiefler als Kreisbrandmeister zurückgetreten. Er hat das Amt 1995, also vor 23 Jahren, von Erwin Arnold und Waldemar Adelhardt übernommen. Sein Nachfolger ist Andreas Lodes aus Brünnberg (Gemeinde Ahorntal).

Kein interner Jugendwettkampf

Bei einigen Veranstaltungen wird Stiefler in den nächsten Wochen und Monaten verabschiedet werden, unter anderem von der Stadt Pottenstein und dem Landkreis Bayreuth. Zurück zur Zukunft, in der der Mann aus Weidmannsgesees beim Thema Feuerwehr nicht mehr federführend beteiligt sein wird: Stiefler bedauert unter anderem es, dass es keinen internen Jugendwettkampf im Raum Pottenstein mehr gibt. Früher hat er auch zu Zeltlagern (beispielsweise am Brombachsee) eingeladen. Auch die gibt es mangels Beteiligung nicht mehr. „Einrichtungen wie die Kinderfeuerwehr sind eine gute Sache“, sagt Stiefler.

Brand im Schullandheim

Doch es werde nicht leicht sein, den Nachwuchs „bei der Stange“ zu halten. „Bis die Kinder dann in ein Alter kommen, in dem sie aktiv bei der Wehr mitmachen können, vergeht doch eine ziemlich lange Zeit.“ Doch mit solchen Problemen wird sich die nächste Generation der Feuerwehrführung befassen müssen. Stiefler hat nun genügend Zeit, sich an zurückliegende Einsätze während seiner langen Dienstzeit zu erinnern. An erster Stelle nennt er den Brand im Pottensteiner Schullandheim im März 2002. „Glücklicherweise befanden sich die Kinder, als das Feuer ausbrach, auf einer Wanderung. Es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn sie sich im brennenden Gebäude befunden hätten.“

Feuerwehrschule in Würzburg

Zweitrangig (doch ein großes Problem für die Feuerwehr) war die Lage des Gebäudes. Es war nicht leicht, das Wasser vom Tal den steilen Hang hinauf zu pumpen. Nicht ohne Stolz sagt Stiefler: „In der Feuerwehrschule in Würzburg wurde ein Modell dieser Situation aufgebaut, um zu verdeutlichen, wie man bei einer solch schwierigen Lage vorgeht.“ 22-mal leitete der Kreisbrandmeister den Einsatz der Wehren der Umgebung an Dreikönig bei der Lichterprozession in Pottenstein. „Einmal war ich krank. Doch damals gab es Blitzeis. Meine Kollegen berichteten mir, dass viel weniger Zuschauer als in den anderen Jahren gekommen waren.“

Wohnhaus von Dr. Franz Macht brannte

Ein weiterer bemerkenswerter Fall ereignete sich im Sommer 1999. In Kühlenfels brannte das noch nicht bezogene neue Wohnhaus von Franz Macht. Nachdem das Feuer in den Morgenstunden gelöscht war, befand sich den Tag über eine Brandwache vor Ort. Damals wurde auch die erste Wärmebildkamera des Landkreises eingesetzt, die keine weiteren Gefahrenherde erkannte. Doch in den Abendstunden entzündete sich das Feuer erneut. Stiefler erinnert sich: „Selbst die Brandfahnder, die tagsüber vor Ort waren, hatten nichts gemerkt.“

Autofahrer prallte auf ein Pferd

Der 60-Jährige kann viel erzählen: Von einem Unfall bei Hohenmirsberg, bei dem ein Autofahrer mit einem Pferd (das von einer Koppel ausgerissen war) zusammenstieß; von einer Serie von Brandstiftungen im Bereich Haßlach Anfang der 80er Jahre oder von einem Tanklastzug, der die Absperrung am Langen Berg durchbrochen hatte und ins Tal stürzte. Tragisch endete die Suche nach einem Vermissten 2007 bei Regenthal.

Große Suchaktion

Der tote Mann wurde schließlich bei einer großen Suchaktion im Wasser eines kleinen Hüllweihers gefunden. Auf die Frage, wie sich ein Feuerwehrmann in solch einer Situation fühlt, antwortet Stiefler: „Natürlich ist in solch einen Fall, oder bei Unfällen, der Adrenalinspiegel hoch. Doch man ist voll darauf konzentriert, seine Arbeit zu erledigen. Dafür bekommt man im Lauf der Jahre die entsprechende Routine. Ich selbst hatte das Glück, dass ich nie mit einem Opfer konfrontiert wurde, das ich vorher gekannte habe. In solchen Fällen, habe ich gehört, ist es furchtbar.“

4 (1 vote)

Anzeige