Pilotprojekt: Knopfdruck statt Kelle

Das Bild auf dem Laptop ist gestochen scharf: Der Name der Spedition ist gut erkennbar, ebenso das Kennzeichen. Über Funk gibt Bernhard Möckel seinen Kollegen präzise Informationen, die er am Bildschirm sekundengenau ablesen kann. "Ein Fahrzeug Iveco wird ausgeleitet. Kommt in zirka 80 Sekunden", sagt Möckel. 80 Sekunden später biegt der weiße Sattelzug in den Parkplatz Sophienberg ein. Der Fahrer hat auf der großen Anzeigetafel, die knapp 700 Meter vor dem Parkplatz Sophienberg fest installiert ist, sein Kennzeichen gesehen, verbunden mit dem Pfeil nach rechts und dem Wort "Kontrolle".

Raus nach dem Zufallsprinzip

Möckel hatte in seinem Dienst-Bus den Lastwagen schon knapp eineinhalb Kilometer vorher auf dem Schirm: Kurz nach der Anschlussstelle Bayreuth-Süd in Richtung Nürnberg - etwa 2,2 Kilometer vor dem Rastplatz - ist eine erste Kamera installiert, über die die Kontrolleure des BAG den Verkehr und die Fahrzeuge im Blick haben. "Herausgeholt wird nach dem Zufallsprinzip", sagt Möckel. "Geprüft wird nach dem Güterkraftverkehrsgesetz." Die Maße und Gewichte des Lastwagens oder des Busses gehören ebenso zur Kontrolle wie die Überprüfung der Lenk- und Ruhezeiten, der Zustand des Fahrzeugs und die Sicherung der Ladung. "Wenn die Kollegen von der Maut dabei sind, dann wird auch geprüft, ob die Autobahngebühr entrichtet wird." 20 Minuten mindestens müsse ein Lastwagenfahrer einplanen. "Bei Beanstandungen können es aber auch zwei Stunden werden", sagt Möckel.

600.000 Kontrollen pro Jahr

Rund 600.000 Lastwagen und Busse werden bundesweit pro Jahr bei den Kontrollen des BAG überprüft. Und vorher herausgewunken. Jede Kontrolle eine potenzielle Gefahrenquelle. "Es gab schon Unfälle", sagt Möckel, der seit 1990 beim BAG ist. "Zum Glück keine, bei denen Kollegen verletzt oder getötet wurden. Aber es gab beispielsweise Auffahrunfälle beim Ausleiten." Das Problem: "Die Schutzeinrichtungen an den Rastplätzen werden immer weiter ausgebaut. Das bedeutet, dass die Fluchtwege für die Kontrolleure weniger werden", sagt Jörg Stricker, der Leiter der Autobahmeisterei Trockau, die für den Abschnitt mit dem Pilotprojekt zuständig ist und die Baumaßnahme umgesetzt hat.

Rund 400.000 Euro pro Pilotanlage

Die Baumaßnahmen für die Pilot-Anlage waren im vergangenen Jahr ausgeschrieben worden, sagt Katja Ziegler, bei der Autobahndirektion Nordbayern die Projektleiterin für das Ausleit-System, im Gespräch mit unserer Zeitung am Freitag. Rund 400.000 Euro kostet die Installation der Technik auf der Autobahn und am Parkplatz Sophienberg, "vier weitere Standorte werden 2018 ausgebaut", sagt Ziegler. Einer in Hessen an der A3, einer in Nordrhein-Westfalen an der A2, einer an der A10 in Brandenburg und einer an der A1 in Schleswig-Holstein. Macht zwei Millionen Euro, die für das Pilotprojekt ausgegeben werden, das der bayerische Innenstaatssekretät Gerhard Eck am Freitag in der Autobahnmeisterei Fischbach vorstellte.

An der A9 lag schon das Lichwellenleiter-Netz

Der Parkplatz Sophienberg war laut Eck nicht zuletzt deshalb als Pilotstandort ausgewählt worden, weil "entlang der Autobahn bereits ein leistungsfähiges Lichtwellenleiter-Netz vorhanden war". Deshalb habe das System mit Kameras und Beschilderung "unkompliziert und mit hoher Bandbreite eine sichere und schnelle Datenübertragung aufgebaut werden".

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Kommentare

Es ist halt die Frage, ob Fahrer, die weder Überholverbots- noch Geschwindigkeitsschilder lesen können, ausgerechnet diese LED-Anzeige beachten.
Die Anzeigetafel sollte vielleicht mit einer radargesteuerten Schnellfeuerwaffe als Aufmerksamkeitsverstärker ausgerüstet werden.
Vor allem müssten die dinger erst mal bekannt sein. Ich bin diese Woche an dem Teil vorbeigefahren und hätte nicht gewusst, was ich da machen soll. Aber ich fahre auch keinen LKW.
Müssen LKW-Fahrer (oder gilt das auch für PKW?) ihr Kennzeichen wissen? Gerade bei Miet-LKWs oder wenn man täglich einen anderen fährt halte ich das nicht für gegeben. Oder ist das vielleicht Pflicht?
Montag, 13. November 2017 - 11:06