Pharell Williams' Happy Ode

Darf man das: sich „Queens of Piano“ nennen? Ja – wenn der Plural auf „z“, nicht auf „s“ endet. Denn die Endung sagt ja schon, wohin es geht: in die Regionen der Ironie. Dabei müssen die beiden Damen, die im Europasaal des „Zentrums“ für die Musica und ein Heer von begeisterten Zuhörern auftreten, ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Erstklassige Pianistinnen

Anne Folger und Jennifer Rüth sind, um es akademisch auszudrücken, zwei erstklassige Pianistinnen und gute Komponistinnen einer unterhaltsamen Musik. Sie passen glänzend hinein in das Programmschema der Musica, die seit einigen Jahren Altes mit Neuem so souverän mischt, dass die Begegnung der Kulturen nicht zu einem Clash, sondern zu einer neuen Kunstform führt, die erst in jener Epoche möglich wurde, in der die Musik der Vergangenheit zu einem selbstverständlichen Teil der musikalischen Gegenwart, somit in den vielfältigsten Formen adaptiert wurde.

In diesem Sinne sind die beiden hochbegabten, charmanten und also bezaubernden Grenzgängerinnen der einzig guten Musik, die Nachfolgerinnen noch eines James Last. Nur, dass sie nicht „Classic a go go“ machen, sondern neue Musik kreieren: von der g-Moll-Symphonie Mozarts über eine Bachsche Fugenversion eines Kurt-Cobain-Songs (mit Hard-Rock-Coda) zu einer Swing-Variation des Türkischen Marschs.

Con Agressione!

Die Musik der Alten und der Jüngeren ist ihnen das rechte Improvisationsmaterial für durchaus ernsthafte Tastenspiele, die in die Beine fahren und das pianistische Genie der beiden Interpretinnen der Klassiker bezeugen. Wo der Walkürenritt zum Exempel des Gefühlsausdrucks „Noch mehr Aggression“ herausgehauen wird und der Türkische Marsch zu einer sekundenkurzen, im Dunkeln gespielten „Vollsparversion“ mutiert, schimmert die Güte der Originale noch in der blöd-sinnigen Parodie durch.

Wo die „Ode an die Freude“ mit Pharrell Williams „Happy“ gekreuzt wird, entsteht eine witzige und doch vollgültige Neukomposition mit Hintersinn - denn man sollte, verkünden die „Queenz“ denen, die es nicht wissen, jeden Tag ausgiebig lachen. Außerdem: „Es gibt keinen musikalischen Aufnahmestopp und keine musikalische Obergrenze.“

Musikalische Zirkusclowns

Elmar Bernsteins Titelmelodie aus den „Magnificent Seven“, ein bewegender Song namens „Lauf, Mädchen, lauf“, der über den Läufen von Chopins Etüde op. 25/12 herausgesungen wird, „Minnie the Moucher“, isländisches Kollektivklatschen, ein verträumtes wie robustes Lied über das Fliegen, Boogie Woogie und Samba: dafür reichen die Klaviere nicht aus.

Die Damen werden auf höchstem Niveau zu musikalischen Zirkusclowns, die das Klavier von allen Seiten und mit allen Mitteln traktieren, den Holzkörper als Schlaginstrument benutzen, die Saiten zupfen und mit einem erstaunliche Töne erzeugenden Becken ausstatten, das Teremin, die Concertina und das Milchrührgerät als Seelen- und Saitenschwinger in Einsatz bringen. Der Schluss aber ist so schön, wie er nur sein kann, weil er an die Quelle der Musik führt: an die Lieder, den die Mütter seit je für ihre Kinder sangen.

Echt königlich? Echt königlich.

Hojotoho! Der Trailer zu "Fuck you Wagner", Video von Christoph Hagel/via Youtube

INFO: Als nächste Veranstaltung steht bei der Musica Bayreuth am Dienstag, 30. Mai, "Fuck You Wagner" auf dem Programm, Beginn in der Oberfrankenhalle ist um 19.30 Uhr.

Nicht bewertet

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