Pflege: Den Schmerz im Fokus

Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) mit Sitz in Osnabrück entwickelte zum Umgang mit Schmerz sogenannte Expertenstandards. In Neudrossenfeld haben sich jetzt zum ersten Mal in Oberfranken Mitarbeiter aus Kliniken, der ambulanten und stationären Altenpflege, aus Reha-Kliniken und Behinderten-Einrichtungen zu Schmerzexperten weitergebildet. Die Teilnehmer kamen unter anderem aus Kulmbach, Bayreuth, Bad Steben, Neudrossenfeld, Marktleugast und Stadtsteinach.

Die Heimleiterin im Haus Rotmaintal Ulrike Schramm sagte, Schmerzpatienten stellten Pflegekräfte vor eine besondere Herausforderung. Zum einen sei das Schmerzempfinden individuell verschieden, zum anderen könne sich nicht jeder Bewohner ausreichend artikulieren. Bei Menschen, die aufgrund von Demenz sprachlos sind, Schmerzen zu erkennen, sei nicht leicht. "Deshalb ist es wichtig, im Haus einen kompetenten Ansprechpartner zu haben, auf den wir uns verlassen können und der mit den Hausärzten nach der besten Lösung für die Betroffenen sucht."

Für Schmerzen sensibilisieren

Im Haus Rotmaintal wird Eva-Maria Fichtel die erste Schmerzfachfrau für die 60 Bewohner sein. Ihr geht es vor allem darum, dass sich die unter chronischen Schmerzen leidenden pflegebedürftigen Menschen ernst genommen fühlen. "Wenn wir ihre Schmerzen lindern können, erhöht das erheblich ihre Lebensqualität." Die Schmerzexperten wollen auch ihre Kollegen, Ärzte und Familienangehörige sensibilisieren.

Schmerzen können physische oder psychische Ursachen haben. Sie zu erkennen und angemessen zu behandeln, sind die Hauptaufgaben der Schmerzfachkräfte. Dabei seien Medikamente nicht die einzige Lösung, weiß die frisch qualifizierte Schmerztherapeutin Andrea Friedrich. Den Bewohnern Zuwendung zu geben und Angebote wie Physiotherapie zu machen, sei mindestens genauso wichtig.

Unerträgliche Qual

Wenn das Sitzen, Liegen oder Gehen schmerzt, kann das für Betroffene zu einem unerträglichen Zustand werden. Menschen mit Schmerzen befinden sich nicht selten in Lebenskrisen und leiden unter starken Ängsten. Das Leiden an chronischen Schmerzen kann unbehandelt sogar lebensgefährlich werden.

Soweit muss es jedoch nicht kommen. "Alt werden muss nicht weh tun", ist Dozentin Annett Günzel vom Zentrum für Kompetenz Entwicklung aus Germering überzeugt. Doch die steigende Zahl der Pflegebedürftigen stelle die Gesellschaft vor neue Aufgaben. Chronische Schmerzen seien erst in jüngster Zeit in den Fokus der Medizin gerückt. "Die Diagnose ist zwar uralt, aber erst in den letzten zwei, drei Jahren wird sie richtig erforscht." Wer sich zur Schmerzfachkraft in der Pflege weiterbilde, sei auf dem neuesten wissenschaftlichen Standard. Auch im ländlichen Raum müssten sich Pflegebedürftige keine Sorge machen. "Wir kümmern uns um qualifiziertes Fachpersonal."

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