Pfeifer als Stadtrat: Die Retourkutsche

Da können die weiteren Antragssteller von SPD, FDP und Junges Bayreuth noch so oft wiederholen, dass es ihnen vor allem darum gehe, Pfeifers Sachverstand noch ein paar Jahre länger für Stadtrat und Verwaltung zu sichern. Ohne die CSU wäre die Sache nicht zu machen und Fraktionssprecher Stefan Specht sagt, dass es ihm vor allem darum geht, den Stadtdirektor mit mehr Macht auszustatten. Eine einfache Verlängerung der Dienstzeit hätte die Fraktion der Christsozialen demnach nicht überzeugt. Aber warum nicht?

Der Auslöser liegt ein paar Monate zurück

Um das zu verstehen muss man ein paar Monate zurück blicken. Auf einen Vorfall im Stadtrat im Frühjahr dieses Jahres. Als ein Standort für den Möbelriesen Lutz gesucht wurde, hatte sich Pfeifer für ein Grundstück an der Dr.-Konrad-Pöhner-Straße ausgesprochen. Als für die Liegenschaften zuständiger Referent und höchster Jurist der Stadt hatte er davor gewarnt, dass dieses Filetstück für die Stadt andernfalls wohl auf lange Sicht nicht zu bekommen sein werde. Die CSU sah das damals genauso und verband mit der Grundstücksfrage nicht weniger als die Zukunft der Universität. Gelänge es, mit Hilfe des Möbelriesen an einen Teil des Grundstücks zu gelangen, sollten sich dort Unternehmen ansiedeln, die die Nähe zur Universität zu schätzen und zu nutzen wüssten. Als Pfeifer zum wiederholten Male an die Stadträte appellieren wollte, unterband die Oberbürgermeisterin die Diskussion und schritt zur Abstimmung. Das Ergebnis ist bekannt: Bauen darf der Möbelriese jetzt nur auf dem Gelände der früheren Markgrafenkaserne. Eben so, wie Merk-Erbe es gewollt hatte. Das war eine Klatsche für die CSU. Auch Uni-Präsident Stefan Leible hatte seine Hoffnungen auf die Fraktion gesetzt. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei der Causa Pfeifer daher auch um eine Retourkutsche handelt.

Merk-Erbe hätte es verhindern können

Aber noch mehr als die Tatsache, dass man ihr jetzt einen streitbaren, von allen Fraktionen wegen seine Sachverstandes geschätzten Antragssteller zur Seite setzt, dürfte die Oberbürgermeisterin ärgern, dass sie diesen Angriff nicht hat kommen sehen. Dass sie ihm nicht zuvor gekommen ist. SPD-Sprecher Bauske sagt: "Würde sich die OB genauso um die Zukunft der Verwaltung sorgen, wie wir, hätte sie das Thema ja selbst in die Hand genommen." Klar, wie in einigen anderen Fällen zuvor auch, hätte sie mit dem Referenten über eine Verlängerung seiner Dienstzeit reden können. Bis ins Jahr 2023 hätte Pfeifer der Verwaltung erhalten bleiben können, ganz ohne Antrags- und Rederecht im Stadtrat. Aber ein solches Gespräch gab es nicht. Zumindest noch nicht. Es hätte, zweieinhalb Jahre vor Pfeifers Dienstende, auch noch nicht unbedingt geführt werden müssen. Aber jetzt haben es eben andere übernommen, dem nunmehr seit 27 Jahren als Referenten der Stadt beschäftigten Pfeifer zu zeigen, dass man ihn braucht. Dass man den Generationenwechsel auf der Referentenbank nur schwer ohne seine Hilfe vollziehen kann. Und bei Pfeifer, der dem Traum vom Oberbürgermeisteramt schon einmal ganz nah war, sich nur Michael Hohl geschlagen geben musste und sich eigentlich am Ende seiner Karriere angekommen sah, stieß das natürlich auf offene Ohren.

Wer weiß, ob der Stadtdirektor auch noch für die Liebkosungen der Stadträte empfänglich gewesen wäre, wenn die Oberbürgermeisterin ihm zuvor etwas mehr Liebe entgegen gebracht hätte.

thorsten.guetling@nordbayerischer-kurier.de

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Kommentare

Die Stadt könnte doch wahrhaftig froh sein, so einen teuren Mitarbeiter von der Gehaltsliste zu bekommen, anstatt ihn noch länger in dieser Position zu halten.
Je länger die Stadt ihn beschäftigt, desto kürzer muss sie Pension zahlen.
...in der Stadt Bayreuth, namentlich Verwaltung, die Menschen, die ARBEITEN (!!!),
stimmt es doch schon lange nicht mehr! Angestellte, vielleicht auch Beamte klagen
sehr unter der "Knechtschaft" der Obrigkeit...


...und zu dieser "Obrigkeit gehört sehr wohl AUCH der werte Stadtdirektor...
...und wenn Pfeiffer dann doch mal in ein paar Jahren in den Ruhestand geht - ist Bayreuth dann verloren?
:-) so sieht's wohl aus!
"...dann??..."
BT hat doch schon lange verloren (Bahn, Industrie, Flugplatz, Behörden etc., etc.)
Ich hatte es bereits an anderer Stelle geschrieben, möchte mich aber hier gerne wiederholen: Wer Herrn Pfeifer schonmal im Stadtrat erlebt hat, kann sich nur wünschen, dass diesem Antrag stattgegeben wird. Mit Herrn Specht bin ich selten einer Meinung, aber seine Aussage im ersten Kurierbeitrag zum Thema, eine Berufung des Herrn Pfeifer wäre ein „Beitrag, der die politische Kultur und Auseinandersetzung bereichern wird“, trifft es auf den Punkt. Ein Stadtrat Pfeifer wäre nicht zuletzt aus Sicht der "einfachen Bürger" ein großer Zugewinn: Bürgernähe, Pragmatismus und die Fähigkeit, sich unideologisch mit Belangen der Stadt auseinanderzusetzen sind derzeit leider im Stadtrat fraktionsübergreifend Mangelware. Dass die Frau OBin tatsächlich überrascht zu sein scheint, werte ich als Bestätigung meiner vorhergehenden These. Generell tut dort wohl etwas Selbstreflexion not. Falls das nach Jahren im Elfenbeinturm überhaupt noch möglich ist.
Ein eigenes Rede- und Antragsrecht für einen solch erfahrenen Fachmann ist ein Gewinn für jedes und besonders für dieses Gremium.
Montag, 13. November 2017 - 11:06