Pentagon zahlt auch an Uni Bayreuth

Thomas Scheibel erforscht, wie man Spinnseide im Labor herstellen kann. Und er erklärt: „Medizinische Grundlagenforschung." Der „Focus" hatte 2008 dazu geschrieben: Schusssichere Westen, leicht wie T-Shirts. Scheibel sagt, er habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er Geld von der US Army nimmt. Für „die grundlegende Untersuchung neuer medizintechnisch einsetzbarer Materialien." So schreibt das die Pressestelle der Uni. Und außerdem: Drittmittelprojekte mit militärischer Komponente gehörten nicht zum Alltag in Bayreuth. Das sei nur im Einzelfall möglich und würde geprüft.

Ein Freibrief?

Der rechtliche Rahmen: Gentechnikgesetze oder Kriegswaffenkontrollgesetz. Sonst herrscht in Deutschland Forschungsfreiheit. Und die ist im Grundgesetz garantiert. Artikel 5. Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Ein Freibrief?

Nein, sagt Reiner Braun, Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler. Und er sagt: „Es gibt keine Forschungsfreiheit, wenn es um völkerrechtswidrige Kriege geht." Wer nur in die Nähe komme, dürfe sich nicht mehr auf das Grundgesetz berufen.

Thomas Scheibel schreibt, das ARO, das Army Research Office, habe nie Einfluss auf seine Forschung genommen. Scheibel hatte den Förderantrag gestellt, darf Ergebnisse publizieren. Forschungsgegenstand? Grundlagenforschung im medizinischen Bereich. Anteil an den Gesamtmitteln des Lehrstuhls? 1,6 Prozent. Ethische Bedenken? „Am Lehrstuhl Biomaterialien werden medizintechnische Fragestellungen bearbeitet, die dazu dienen allen Menschen zu helfen", schreibt die Uni.

Das Bayerische Wissenschaftsministerium begrüßt es, wenn Unis Drittmittel einwerben. Sprecher Ludwig Unger sagt: „Drittmittel sind ein Signal für die Attraktivität einer Hochschule." Und: Niemand kontrolliere, woher die Mittel  kommen. Dann rechnet er. Haushaltsansatz 2012: 3,7 Milliarden Euro für die Hochschulen, davon sind 843 Millionen Euro Drittmittel. Der Sprecher sagt: „Wir fordern nicht, dass Universitäten Forschungsgelder aus Verteidigungsministerien oder Rüstungsindustrie erhalten."

Ulrike Gote (Grüne) sagt: „Für mich wurde eine Grenze überschritten." Gote ist Vizepräsidentin des Bayerischen Landtages, war lange Hochschulpolitische Sprecherin der Grünen. Für sie laute die erste Forderung: Transparenz. Woher kommt das Geld. Und zweitens: eine Zivilklausel, die militärische Forschung verbietet. „Hochschulen müssen offen diskutieren, von wem sie Geld nehmen." Das sagt auch Rainer Braun. Er fordert, die Debatte um eine Zivilklausel zu beleben. Die haben erst vier Universitäten: Frankfurt, Darmstadt, Ilmenau und Bremen. Aber auch die nahmen Militärgeld. „Es kann nicht sein, dass Hochschulen in ihrer Armut alles verkaufen", sagt er.

An der Uni Bayreuth gibt es keinen Verhaltenskodex bei Forschungsgeldern. 2012 und 2013 kam ebenfalls Geld aus dem Pentagon. 2102 Euro, 18 Cent. Auch das deutsche Verteidigungsministerium bezahlt Bayreuther Forscher. „Entsprechend der Verträge ist darüber Stillschweigen vereinbart worden", schreibt die Uni.

US-Militär finanziert deutsche Forscher

Deutsche Universitäten bekommen Finanzspritzen vom US-Verteidigungsministerium. Das haben Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des Norddeutschen Rundfunks ergeben. Seit dem Jahr 2000 haben mindestens 22 Universitäten und Forschungseinrichtungen Geld aus dem Pentagon-Haushalt bekommen. Von zehn Millionen US-Dollar ist die Rede. Einige Projekte sollen Grundlagenforschung gewesen sein, andere Rüstungsprojekte. Die Ludwig-Maximilian-Universität München erhielt 470.000 Dollar um Sprengstoff zu verbessern, die Fraunhofer-Gesellschaft experimentierte mit Panzerglas und die Uni Marburg arbeitete an zielgelenkter Munition.

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