Pegnitz: Leerstand, der nächste

Vier Jahre lang hat die 57-Jährige in der Hauptstraße Kinderbekleidung und -accessoires verkauft, jetzt mag sie nicht mehr. "Ich hatte in dieser Zeit nicht einmal eine zusammenhängende Woche Urlaub ", sagt sie. Der Einzelhandel sei ja eh schon ein alles andere als leichtes Metier, aber in Pegnitz schon noch ein wenig problematischer.

Um vom Geschäft leben zu können, müsste sie weiterhin so viel oder noch mehr Aufwand und Energie investieren, "das will ich mir nicht mehr antun". Zumal ja auch dann der Erfolg nicht garantiert sei.

30 Jahre in Nürnberg gelebt und gearbeitet

Brigitte Brendel ist Pegnitzin, hat aber 30 Jahre in Nürnberg gelebt und gearbeitet. Vor ihrem Schritt in die Selbstständigkeit war sie Filialleiterin in einem Damenmodengeschäft. "Ein toller Job", sagt sie. Sie betreute andere Filialen mit, war auch als Ausbilderin tätig. Den Schritt in die alte Heimat zurück machte sie ihren Eltern zuliebe, um die sich zunehmend kümmern musste.

Erst Euphorie, dann eher Trauerspiel

Was am Anfang mit einer guten Prise Euphorie gewürzt war, entwickelte sich im Lauf der Zeit eher zu einem Trauerspiel. Klar, die Innenstadt leide natürlich unter den beiden großen Einkaufszentren an der Bundesstraße.

Aber das sei nicht der einzige Grund für fehlende Resonanz: "Pegnitz ist an sich eine schöne Stadt, aber hier in der Mitte fehlt es einfach an Angeboten, die Menschen dazu animieren, sich hier aufzuhalten", sagt Brigitte Brendel.

Unattraktiver geht es kaum

Und sie legt mit deutlicher Wortwahl nach: "Ich kenne kaum eine Stadt, die im Zentrum so unattraktiv ist wie Pegnitz." Man müsse gar nicht weit fahren, um zu sehen, dass es auch ganz anders geht. Nach Auerbach etwa. Oder nach Lauf.

Dort ist sie regelmäßig und staunt, was auch in kleineren Städten so alles möglich ist. "In Lauf wirst du kaum einen Leerstand finden, wenn ein Geschäft aufhört, zieht sofort ein anderes ein." Das habe auch mit dem Ambiente zu tun. Jede Menge Gastronomie mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung, mit ganz unterschiedlicher Bestuhlung. Und eben auch im Außenbereich.

Das fehle in dieser Vielfalt in Pegnitz an allen Ecken und Enden. Gut, da gebe es die Eisdiele als Magnet, auch der Ratsstube schaue es jetzt besser aus. Aber das sei insgesamt zu wenig.

Kaum Autos, kaum Menschen

Und so sei beim Blick aus dem Schaufenster ein tristes Bild an der Tagesordnung: "Leere Parkplätze und kaum ein Passant." Das sei noch schlimmer geworden, nachdem gegenüber die Bäckerei Herzog geschlossen hat. Das bedeute nicht, dass in der Innenstadt keine Fahrzeuge zu finden sind: "Autos haben wir genug, aber die fahren halt nur durch."

Überzeugt: Noch andere werden scheitern

Brigitte Brendel ist überzeugt: Sie wird nicht die letzte sein, die an diesen schlechten Rahmenbedingungen scheitert. Und das könne auch niemand mehr schön reden. Besserung sei nur zu erwarten, wenn auch im Rathaus endlich kreativ gehandelt werden. Das übrigens sei optisch auch nicht gerade ein Hingucker, der zum Verweilen einlädt.

An der Miete lag es nicht

Und was sie selbst jetzt? "Ich gehe zurück ins Angestelltenverhältnis bei einem Unternehmen in der Region. Bei einer Firma, die nichts mit dem Thema Handel zu tun habe. Pegnitz als Wohnort will sie aber treu bleiben.

Der Räumungsverkauf startet dann nächste Woche. Dabei helfen ihr "gute Freunde". Wie schon bisher in den vergangenen vier Jahren. Das hat ihr geholfen. Denn Personal konnte sie nicht einstellen, "das wäre schlichtweg zu teuer gewesen". Apropos teuer: An einer überhöhten Ladenmiete lag es nicht, dass Brigitte Brendel nun die Reißleine zieht: "Das war absolut in Ordnung, mit meinen Vermietern hatte ich ein prima Verhältnis."

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