Patenboot: Einschneidende Veränderungen

Nicht wenige der gut 30 Teilnehmer befürchteten, dies könne einer der letzten offiziellen Besuche in der seit 1965 währenden Patenschaft zwischen der Stadt und dem Minensucher „Pegnitz“ sein, ist doch das Schwesterboot „Auerbach“ längst außer Dienst gestellt. Doch schon bei der Begrüßung verflogen diese Bedenken, sprach doch Kapitänleutnant Tanja Merkl von einem prall gefüllten Terminkalender mit bislang schon fünf Seemonaten allein in diesem ersten Halbjahr, die das Überstundenkontingent der Mannschaft mächtig haben anschwellen lassen.

Ursula von der Leyen vor Ort

Merkl, die kürzlich auch die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei ihrem Besuch in Kiel über die Bedeutung der Marineverbände aufklären durfte, berichtete von zahlreichen internationalen Übungen, bei denen die Pegnitz hervorragend abgeschnitten habe, genauso wie bei der technischen Überprüfung des inzwischen vom 5. in das 3. Minensuchgeschwader übergebenen Hohlstab-Lenkboots.

Im Verband nach London

Bei der Übung SquadEx ging es im Verband nach London, um alle möglichen Bereiche von der Navigation über Feuer- und Leckbekämpfung, Schleppen, Längsseitsgehen, Schießen, Fernmelde- und Fahrübungen bis zur Abwehr von Flugzeugangriffen zu üben. Bei den zweiwöchigen Baltic Operations der Nato im polnischen Stettin war die Pegnitz eines von mehr als 50 Kriegsschiffen aus 14 Ländern, die unter amerikanischer Regie gemeinsam die Bewegung, Unterstützung und Versorgung von Truppen über Küstenlinien hinweg probten.

Bild der maritimen Waffensysteme

Flotex diente zur Vorbereitung auf das internationale Manöver Northern Coasts, bei dem der Fokus für die Hohlstab-Lenkboote „Siegburg“ und „Pegnitz“ vor allem auf dem Umgang mit Seeminen lag. Gleichzeitig sollte dabei Stabsoffizieren anderer Teilstreitkräfte ein authentisches Bild der maritimen Waffensysteme vermittelt werden.

Erst vergangene Woche vertrat das Patenboot als einziger deutscher Teilnehmer die Marine bei einer Übung in Litauen. Schließlich blendete die erste Wachoffizierin noch zurück auf Auslandseinsätze bei der Mittelmeer-Mission der EU „Sophia“ zur Flüchtlingsrettung und zur Bekämpfung des Menschenschmuggels sowie zur Überwachung des Seeverkehrs vor der Küste Libanons im Rahmen des Unifil-Programms. Mit Freude wurden die Zukunftsperspektiven zur Kenntnis genommen.

Schulungszwecke

So soll die Pegnitz 2019 bei einem Werftaufenthalt grundlegend für eine neue Ausgabe umgerüstet werden, ehe sie voraussichtlich mindestens zehn Jahre lang in der Nachwuchswerbung und zu Schulungszwecken eingesetzt wird. Dabei soll sie mit reduzierter Mannschaft bei allen großen Seefahrtsveranstaltungen wie dem „Hamburger Hafengeburtstag“ oder der „Kieler Woche“ einlaufen. Wie sehr sich der Stützpunkt Kiel im Wandel befindet, wurde bei einer Ausfahrt mit der Pegnitz deutlich.

Mit modernster Technik ausgestattet

Während das Marine-Arsenal einen eher trostlosen Anblick bot, weil dort unzählige Schiffe wie auch die Auerbach, die Ersatzteile für die Pegnitz liefern soll, auf das Ausschlachten warten, zog in Sichtweise des Patenboots die neueste Fregatte „Baden-Württemberg“ die Blicke auf sich, die, mit modernster Technik ausgestattet, rund 850 Millionen Euro kostet, genauso viel wie die Hamburger Elbphilharmonie. Sie ist Teil eines Milliarden-Ausbauprogramms für die Marine mit dem Ziel, rund 1000 zusätzliche Dienstposten zu gewinnen.

Neue Arbeitszeitverordnung

Auch Kommandant Thorsten Grabsch wies auf einschneidende Veränderungen hin. So muss etwa die Besatzung wegen der neuen Arbeitszeitverordnung jeden Abend um 20 Uhr das Boot räumen, ehe es an allen Ein- und Ausgängen versiegelt von einem Wachdienst übernommen wird. Das mitunter nächtelange gemütliche Beisammensein an Bord bei früheren Besuchen gehört der Vergangenheit an.

Trotzdem gelang es der Besatzung unter Regie von Philipp Henkel, ein prall gefülltes Besuchsprogramm anzubieten, mit Besuchen bei den Ehrenmalen Laboe und Möltenort, einer halbtägigen Ausfahrt in die Kieler Förde und den Stadthafen, in dem nicht weniger als vier Kreuzfahrtschiffe lagen, Mitfahrgelegenheit auf einem Speed-Boot und einem Grillabend.

Nicht bewertet

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