"Parsifal": Laufenbergs Kritikerfalle

In der neuen Inszenierung des „Parsifal“ von Uwe Eric Laufenberg gibt es einen, der spielt eigentlich nicht mit; zumindest bewegt er sich nicht, singen wird er vermutlich auch nicht. Don Giovannis steinerner Gast folgt bekanntlich am Ende einer Einladung zum Festmahl. Der hier: tut nichts, sitzt nur rum, starr, dem Publikum den Rücken zugewandt.

Aber er hat schon Diskussionen ausgelöst. „Ist er Gott, Jesus, ist er Thielemann?“, fragte kürzlich jemand bei der Versammlung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, und der pflichtschuldig anwesende Regisseur Uwe Eric Laufenberg tat, was Regisseure in solchen Situationen zu tun pflegen: Er sagte etwas, aber längst nicht alles. „Er ist jemand, zu dem die Menschen aufblicken“, sagte Laufenberg. Und feixte.

Ist Uwe Eric Laufenberg Atheist?

Christian Thielemann kann es nicht sein (die Figur ganz oben hat eine Glatze), also bleibt Gott im Kreis der Verdächtigen. Schließlich blickt man zu Gott auf. Es irritiert freilich, dass sich seine Figur dann so ungerührt zeigt von dem, was einige Meter unter ihm passiert. Und dass er sich abgewendet hat. Ist Laufenberg Atheist?

Er ist nicht mehr in der Kirche. Ausgetreten sei er, sagte er, wegen einiger Vorkommnisse im Bistum Köln. Aber das hat nichts zu sagen. Schließlich sitzt da bei genauerem Hinsehen nur eine bekleidete Schaufensterpuppe; etwas Kunststoffliches, ein menschgemachter Gott also. Nehmen wir an, dass sich lediglich ein Götze abwendet. Und dass nach Laufenbergs Lesart das höchste Wesen nicht angedeutet noch beschrieben werden kann. Dann wäre die Puppe ganz oben als ganz allgemeine Religionskritik zu betrachten: Wir schauen zu etwas auf, was wir selbst geschaffen haben.

Und stützen uns auf Zeichen, man kann in diesem Falle auch sagen: Äußerlichkeiten. So wie Klingsor mit seinem Kreuzes-Kammerl. Wie Bühnenbilder Gisbert Jäkel erklärte, ist es eins zu eins einer Vitrine im Museumsdorf Bayerischer Wald nachgebildet. Die Botschaft: Mehr Kreuze machen keinen besseren Menschen.   

Test für die Kritiker

Oder läuft das mit Gott total in die falsche Richtung? „Vielleicht ist es eine Kritikerfalle“, deutete Laufenberg noch an. Eine Kritikerfalle ist ein Detail in einer Inszenierung, deren Erwähnung oder Nichterwähnung erkennen lässt, ob der Rezensent genau hingesehen hat. Es kann aber auch das Detail sein, das von allem anderen ablenken soll. Wir, also Sie und ich, haben uns gerade sechs Absätze lang damit beschäftigt. Scheint also zu klappen.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06