"Parsifal": Laufenberg hält Wort

Wo zwei oder drei in irgend jemands Namen versammelt sind - da kann sich auch schon das Böse in Gestalt eines Attentäters unter sie gemischt haben. Man kann nach Bayreuth blicken oder sich in der Welt umtun – die Erkenntnis bleibt die gleiche: Es braucht keinen „Parsifal“, um Anschläge zu provozieren. Es braucht nur Menschen, die zusammenkommen. Und einen, der darin eine Einladung zum Massenmord sieht.

Und: Nach allem, was Zaungäste nach den Proben zum  „Parsifal“ berichtet haben, ist nichts zu sehen noch zu hören, was Muslime beleidigen könnte. „Dieser ,Parsifal‘ ist nicht islamkritisch“, hatte Regisseur Uwe Eric Laufenberg in den vergangenen Wochen fast schon gebetsmühlenartig wiederholt. Man darf schon vor der Premiere am Montag sagen: Laufenberg hat zutreffende Auskunft gegeben.

Blumenmädchen im Hamam

Was man sehen wird: einen Klingsor, der in Fragen des Glaubens offenbar die Orientierung verloren hat. Eine Kirche, einen Hamam, also ein orientalisches Bad. Eine Gruppe Blumenmädchen in ungewohnten Gewändern, die aber keine Burkas sind, sondern Nikab genannt werden. Die Frauen aber, auch so viel war auch schon in den vergangenen Wochen zu erfahren, sind nicht nackt.

Nackte tauchen zwar im dritten Aufzug auf, als Zeichen der versöhnten Natur, so sagte es Laufenberg auch schon vor Wochen; aber sie sind nach Berichten von Augenzeugen eben auch nicht wesentlich deutlicher zu erkennen als die Nackten auf dem Kinoplakaten. Und Klaus Florian Vogt verstößt als Parsifal gegen die Dienstvorschriften so ziemlich jeder Armee dieser Welt, indem er sich als Soldat Waffe und Teile seiner Ausrüstung abnehmen lässt. Dabei sollte er seit seinem Abenteuer in der Kantine doch wissen, wie schnell einen Flecktarnkleidung in Schwierigkeiten bringen kann. Wir erinnern uns: Vogt wurde ziemlich zu Beginn der Probenphase von Sicherheitsleuten aus der Kantine abgeführt, weil man ihm nicht glaubte, dass eine olivgrüne Uniform ein Bühnenkostüm darstellen könne.

Entspannter als sonst?

Wer zuvor Proben des „Rings“ besuchte, konnte ebenfalls von entspannter Atmosphäre berichten. Ein Personalausweis wäre nicht nötig gewesen, auch die Frist von Ankunft zu Beginn einer Dreiviertelstunde – auf den Karten ist sogar von eineinhalb Stunden die Rede – war übervorsichtig bemessen. Jedenfalls: Die Wartezeiten vor den Eingangstüren waren nicht länger als in den vergangenen Jahren.

 

 

Das Warten gestaltet sich entspannter, weil aufgrund der neuen Sicherheitsvorschriften Autos die Auffahrtsallee nicht mehr befahren dürfen. Dafür sieht man mehr Fußgänger und Radfahrer den Hügel erklimmen. Die meisten Besucher äußerten sich auch in den Pausen zu den „Parsifal“-Generalproben positiv über diese Neuerung. Einen Nachteil bringt diese Verkehrsberuhigung für Behinderte, die nicht mehr bis kurz vor die Eingänge gebracht werden können. Doch daran werde gearbeitet, so war zu hören.

Beamte auch in Zivil

Die Polizei ist stark vor Ort, viele Beamte haben sich offenbar in Zivil unter die Besucher gemischt, die am Abend der "Parsifal"-Generalprobe weit überwiegend aus Mitarbeitern des Hauses sowie Freunden und Verwandten von Darstellern und Regie-Team besteht. Die Polizisten aber sprechen auch bei den „Parsifal“-Proben nicht von einer erhöhten Gefahr, sondern vielmehr von einer allgemeinen Lage. Wenn die sich verschärfe – dann zögen auch die Kontrollen an. Insofern: Vielleicht ganz gut, dass das Promi-Aufkommen ohne Kanzlerin am Montag heuer nicht so groß ist, dass sich die Augen der Welt unbedingt und in ihrer Gesamtheit auf den Grünen Hügel richten müssten.


Mehr dazu:

Laufenberg: "Nur noch Feinarbeit"

Laufenberg schimpft über Security

Haenchen und Parsifal, das passt

Hartmut Haenchen neuer "Parsifal"-Regisseur

"Parsifal"-Dirigent Nelsons schmeißt hin

Streit über Hochsicherheitsfestspiele

Laufenberg spricht über Parsifal

Keine Zuschüsse für Sicherheitskonzept

Sicherheit am Hügel

Terrorgefahr: Festspielhaus macht dicht

Security umstellt Festspielhaus

 

 

 

 

 

5 (1 vote)

Anzeige

Montag, 13. November 2017 - 11:06