Parkplatz am Klinikum: Salami-Taktik

Da erklärte der Klinikchef, er könne seine Mitarbeiter nicht zum Busfahren zwingen. Woraufhin es von Seiten der Stadtwerke hieß, Gespräche über Job-Tickets lägen Jahre zurück und seien eher aufs eigene Betreiben hin zustande gekommen. Dann wurde ein Öltank als Ausschlusskriterium für ein Parkdeck ins Spiel gebracht. Unmöglich, wandte man später ein, sei der Bau deshalb aber nicht. Baureferentin Urte Kelm nannte hingegen den Hubschrauberlandeplatz als Hindernis, was der Klinikchef wiederum relativierte. Und dass der Radweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Zuge eines Parkplatzbaus verlegt werden sollte, blieb so lange unerwähnt, dass sich die Bürger aus Oberpreuschwitz lange genug Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder machen und der Stadtrat darüber diskutieren konnte, wer die künftigen Unfallopfer zu verantworten habe.

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Später gab der Klinikchef auf Nachfrage zu, ein Parkdeck auch trotz neuem Parkplatz nicht ausschließen zu können. Womit seine Argumentation, ein Parkdeck sei ein wirtschaftliches Risiko und für Patienten völlig ungeeignet, endgültig in sich zusammenbrach. Und schließlich musste auch die Stadtbaureferentin auf Nachfrage zugeben, dass kein Gesamtkonzept vorliege, das die künftigen Anbauten des Klinikums – Stationen, Apotheke und Medizin-Campus – einbezieht.

Spätestens da musste auch dem Aufsichtsrat klar werden, dass nicht nur die Bürger eine schnelle Entscheidung einer ordentlichen Planung vorzogen, sondern auch das Klinikum. Dass eher beiläufig heraus kam, dass andere Flächen auf dem Klinikgelände bereits geprüft und für ungeeignet befunden wurden, ändert daran nichts mehr. Schon gar nicht, wo jetzt doch wieder eine dieser Flächen vorgeschlagen wurde, um die Parkplatznot am Klinikum zu lindern.

Jetzt soll der Parkplatz bewirtschaftet werden. In Verbindung mit einem Gesamtkonzept wird sich also bald zum ersten Mal zeigen, wieviele Parkplätze das Klinikum wirklich braucht. Diese Erkenntnis ist ein Verdienst der Bürger. Für sie sollte der Fall Ansporn sein, sich auch künftig zu engagieren. Und für die Politik eine Mahnung zu mehr Transparenz.

thorsten.guetling@nordbayerischer-kurier.de

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Kommentare

Es ist nicht die Bewirtschaftung, die zeigt, wieviele Parkplätze das Klinikum wirklich braucht - die Idee, Menschen für Besuche bei kranken Familienmitgliedern und Freunden auch noch zahlen zu lassen, widerstrebt mir. Es ist vor allem die lausige Anbindung des Klinikums an den ÖPNV, die den Parkplatz "notwendig" macht!