Parag Shah: Ein Chef zum Anfassen

Der kumpelhafte Typ ist Maschinenbauingenieur und faktensicherer Auto-Experte. Schon 20 Jahre arbeitet er für Dr. Schneider. Stieg systematisch die Karriereleiter hoch. Projektleiter, Abteilungsleiter, Vertriebschef global und Chef der Forschung und Entwicklung. Dann kam der Ruf der beiden Damen, der Gesellschafterinnen Sylvia Schmidt und Annette Schneider, das Unternehmen zu führen. „Ich bin gefragt worden, hab‘ ja gesagt. Das war’s.“ Nun ja. Vorher dürfte es schon mächtig gegrummelt haben. Nach nur einem halben Jahr hatte Shahs Vorgänger Cornelius Weiß wegen unterschiedlicher Vorstellungen zwischen ihm und den Gesellschafterinnen über die strategische Ausrichtung des Unternehmens dieses schon wieder verlassen.

Rasantes Wachstum

Der neue Chef will das Unternehmen kontrolliert wachsen lassen. Mit fünf bis sechs Prozent mehr Umsatz jedes Jahr. „Wir wollen uns nicht selber überhitzen.“ Nicht die Zahlen allein seien entscheidend, sondern „was gesund für uns ist“. Dr. Schneider ist in den letzten Jahren stürmisch gewachsen. Von 2005 bis 2015 hat sich der Umsatz von 249 Millionen auf 490 Millionen so gut wie verdoppelt. Für dieses Jahr sind 537 Millionen angepeilt. Von den 3600 Beschäftigten arbeiten 1400 in Neuses. Produziert wird an drei Standorten in Deutschland sowie in China, Polen, Spanien und den USA. Gut möglich, dass weitere Auslandsstandorte folgen. Mexiko, Marokko oder auch asiatische Standorte sind bei Autozulieferern immer ein Thema.

Marktführer in Europa

Ausströmer (Belüftungssysteme), dekorative Anbauteile und Fensterrahmen-Verkleidungen sind die Hauptumsatzträger von Dr. Schneider, der das Auto wohnlich einrichtet. Bei Ausströmern und Fensterrahmen sind die Kronacher Marktführer in Europa. Beliefert werden so gut wie alle Hersteller, mit Ausnahme von Kia, Hyundai, Honda und chinesischen Marken. Dr. Schneider liefert einzelne Kunststoff-Bauteile, möchte künftig aber auch Systemlieferant sein. Ein erster Komplettauftrag kommt von Audi für den neuen A1, für den der Zulieferer die komplette Mittelkonsole liefern wird.

Das grüne, selbst fahrende Auto wird die Zukunft sein, sagt Shah. „Das ist der eindeutige Trend.“ Elektrifiziert und digital. Und das Interieur wird immer wichtiger, hofft Shah. „Wenn ich Kolben machen würde, hätte ich ein Problem.“

Auto-Gene aus der Heimat der Eltern

Seine Auto-Gene könnten aus Halol kommen, glaubt Shah. Denn in der kleinen Stadt in Nordwestindien gibt es ein GM-Werk, dem mittlerweile die Schließung droht. Halol ist die Heimat von Shahs Eltern, die nach Hannover auswanderten, wo Shah geboren und sein Vater Bandarbeiter bei VW wurde. Hier studierte er auch und kam über seine Diplomarbeit über Geschäftsprozessoptimierung in der Zulieferkette zur Kronacher Firma Zitzmann. Dann suchte Dr. Schneider einen Projektleiter – und Shah wechselte 1996 den Job. Er entschied sich für Kronach, obwohl er auch ein Angebot einer Firma in Übersee am Chiemsee hatte. „Das war eine absolute Bauchentscheidung.“ Mitgeholfen hat, dass ihn die Menschen hier sehr herzlich aufgenommen haben. „Ich glaub‘, ich war der einzige Inder im Landkreis.“ Und die Gegend, „die hat mir auch wirklich gefallen“.

Jeden Tag Sport

Jeden Morgen um fünf Uhr steht er auf, macht eineinhalb Stunden Sport. Laufen, Rad, Fitnessstudio. „Das ist keine Qual für mich. Ich mache das, weil es mir Spaß macht.“ Parag Shah lebt für den Moment. Er liebt und lebt den „Spaß an der Ungewissheit der Zukunft“. Klar, eine Firma muss planen, Ziele definieren. Aber für sich selbst hat er nie zu weit nach vorne gedacht. Und denkt auch nicht dauernd darüber nach, was er morgen alles machen muss. Das kennt er aus seiner Familie so. Rund 300 Köpfe zählt die Großfamilie, verstreut in alle Welt: Indien, USA, Dubai, England, Australien. Total global sozusagen. Für Parag Shah, der mit Frau und Tochter (18) in Dörfles bei Kronach wohnt, ist aber auch klar: „Ich bin ein Franke.“

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