Ostergeschichte: Ein Kreuz für jedes Kind

Die Weidenberger Kindertageseinrichtung ist unter kommunaler Trägerschaft. Christliche Werte und die Geschichte des christlichen Glaubens werden trotzdem vermittelt. „Wir orientieren uns am bayerischen Erziehungs- und Bildungsplan“, erklärt Carmen Wirth, Erzieherin und Leiterin des Kindergartens. Feste anderer Religionen werden nicht gefeiert. „Wir sind hier im ländlichen Raum, alles andere betrifft nicht die Lebenswelt unserer Kinder.“ Wie genau das Osterspiel abläuft, unterscheide sich von Gruppe zu Gruppe. Auf folgende Weise haben die Kinder die Geschichte in Wirths Gruppe nachgestellt:

Einzug nach Jerusalem

Die Kinder bauen die Stadt Jerusalem mit Bausteinen nach. Jesus wird durch eine große Kerze symbolisiert. Die Erzieherin erzählt die Geschichte, die Kinder winken mit Palmwedeln (in diesem Fall mit Buchszweigen), die brennende Kerze zieht ein in die Stadt.

Das Abendmahl

Auf dem Boden ausgebreitet liegt eine große Papiertischdecke. Die Kinder schmücken diese Tafel. Sie teilen Fladenbrot, trinken Traubensaft. Die Kerze hat natürlich einen eigenen Platz, während die Erzieherin davon erzählt, dass Jesus‘ den Verrat durch einen seiner Jünger ankündigt.

Gethsemane

Grüne Tücher liegen auf dem Boden, mit viel Sorgfalt legen die Kinder Blumenformen darauf aus. Die Kerze steht in diesem Garten. Aus der Erzählung über Jesus‘ Zwiesprache mit Gott wird ein Gespräch mit den Kindern: An welchen Orten fühlt ihr euch besonders wohl? Wohin zieht ihr euch zurück, wenn ihr traurig seid? Wofür seid ihr dankbar? Zwei Flüchtlingskinder sind in der Gruppe – sie verstehen noch nicht viel, sind aber dankbar, hier zu sein. „So verknüpft sich die Geschichte mit Aktuellem“, sagt Wirth.

Kreuzigung

Mit der Festnahme Jesus‘ decken die Kinder schwarze Tücher über die grüne Wiese. Die Erzieherin erzählt vom Verrat durch Judas, die Verurteilung durch Pontius Pilatus. Jedes Kind darf ein Kreuz auslegen, die Kerze erlischt. Verrat, Todesurteil, ans Kreuz genagelt – die Erzählung der Erzieher lässt nichts aus. „Aber wir zeigen keine Bilder. Wenn Kinder etwas erzählt bekommen, malen sie es sich in ihrer Phantasie nur so weit aus, wie sie es auch verarbeiten können“, erklärt Wirth. Kinder und Erzieher bauen aus Holzbausteinen eine Grabkammer für die Kerze, die von einem großen, schweren Stein verschlossen wird.

Auferstehung

Am letzten Erzähltag ist der Stein wie durch ein Wunder weg. „Viele Kinder wissen schon aus dem Kindergottesdienst, dass in der Grabkammer ein Engel wartet“, erzählt Wirt. Als Symbol für die Auferstehung dient das helle Licht, die Sonne: Über die schwarzen Tücher kommen gelbe und jedes Kind legt einen sorgsam verzierten Lichtstrahl darauf. Die Kerze in der Mitte brennt wieder. Die Erzieherin erzählt und die Kinder lauschen – ganz ruhig.

„Es ist immer wieder bemerkenswert, wie ruhig und mit welcher Ausdauer die Kinder zuhören – auch die Kinder, die sonst eher zappelig sind“, sagt Wirth. Je nach Station dauere die Geschichte zwischen einer halben und eineinhalb Stunden. Sie prägt in der Woche vor den Osterferien den Tagesablauf im Kindergarten und biete Anknüpfungspunkte für viele Themen aus dem Alltag der Kinder. „Eine Gruppe hat dieses Jahr die Helfer auf dem Kreuzweg besonders in den Mittelpunkt gestellt: Der Mann, der ihm ein Stück weit das Kreuz trägt, die Frau, die ihm den Schweiß von der Stirn wirft. Wem helft ihr, wer hilft euch, wie fühlt sich das an? Darüber kann man mit Kindern viel reden“, berichtet Wirth.

Ostereier gibt es auch, im Weidenberger Kindergarten. Und natürlich wird erzählt, dass der Osterhase sie vorbeigebracht habe. Aber diese Geschichte steht nicht im Mittelpunkt.

Nicht bewertet

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