Opernsänger Endrik Wottrich ist tot

Den Tod des Sängers meldete gestern die Wiener Volksoper auf ihrer Homepage. An der Volksoper sang Endrik Wottrich zuletzt die männliche Hauptrolle in Alfredo Catalanis Oper „La Wally“. Peter Emmerich, Sprecher der Bayreuther Festspiele, zeigte sich „betroffen durch sein viel zu frühes Ableben“. Die Hochschule für Musik in Würzburg, wo Wottrich eine Professur für Gesang innegehabt hatte, äußerte ihre Trauer „um einen großen Sänger, verdienten Dozenten und angesehenen Kollegen“ und bezeichnete Wottrich als „streitbaren Geist der Opernszene“.

Nazi-Streit mit Schlingensief

Den Ruf der Streitbarkeit hatte sich Wottrich nicht zuletzt in Bayreuth erworben, wo er 2004 mit „Parsifal“-Regisseur Christoph Schlingensief aneinandergeriet. Wottrich warf Schlingensief in einem Interview mit dem Nordbayerischen Kurier vor, ein „Rassist“ und „Nazi“ zu sein. Außerdem bescheinigte Wottrich dem Regisseur Ahnungslosigkeit. Schlingensief hatte zuvor Wottrich schwer kritisiert. Der Sänger habe einen „Reinheitsbegriff von Deutschland, den ich nicht teilen kann“.

Zahlreiche Rollen

Wottrich wurde in Celle geboren. Er studierte Gesang und Violine in Würzburg und an der New Yorker Juilliard School. 1992 gab er sein Operndebüt als Cassio in „Otello“ am Staatstheater Wiesbaden. Anschließend war von 1993 bis 1999 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden engagiert. Gastspiele führten ihn unter anderem an die Opernhäuser von Dresden, Stuttgart, Amsterdam, Chicago, New York, Mailand, Madrid, Wien und Paris sowie zu den Festspielen in Salzburg und Wien. Wottrich eignete sich ein vielseitiges Repertoire an, das Partien wie Tamino in der „Zauberflöte“, Alfredo in „La traviata“ und Erik im „Holländer“ umfasste.

In Bayreuth zuletzt als Sigmund

Mehr als ein halbes Dutzend Rollen verkörperte Wottrich in Bayreuth 1996 debütierte Endrik Wottrich bei den Festspielen in Wolfgang Wagners Neuinszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ als David. 2001 und 2002 sang er in dieser Inszenierung den Walther von Stolzing. Nachdem er in Jürgen Flimms „Ring“ von 2000 bis 2004 den Froh im „Rheingold“ gesungen hatte, trat Wottrich, damals Lebensgefährte von Katharina Wagner, ab 2006 in Tankred Dorsts „Ring“ auf – als Siegmund in der „Walküre“. Er war 2003 Erik in Claus Guths Neuinszenierung des „Holländer“ und verkörperte 2004 in Schlingensiefs Inszenierung den Parsifal. Zuletzt wirkte er 2009 als Siegmund bei den Festspielen mit.

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Kommentare

"Schlingensief stellte den Tenor ebenso unter Rassimusverdacht." Das ist ja wie in der Ukraine. Da beschimpfen sich die Konfliktparteien gegenseitig als "Nazis"!