One-Woman-Stück über Katharina

Von Martin Luther sind unzählige Sprüche und Sentenzen überliefert, oft schmerzhaft ehrlich, politisch höchst unkorrekt und herrlich schlagfertig. Seine Frau steht ihm darin in nichts nach, die ungeschönt offenen und kritischen Worte, die sie ihm oft um die Ohren wirft, sind Diskussionen auf Augenhöhe. Und das in einer Zeit, in der Frauen still, gehorsam und arbeitsam zu sein hatten – oder Nonne wurden, wie Katharina.

Ihre Flucht aus dem Kloster, ermutigt von Luthers Schriften, ist einem Himmelfahrtskommando sehr ähnlich. Und auch die Hochzeit mit Luther ist „wohl die umstrittenste unserer Zeit“. Katharina von Bora ist eine Frau, der in Wittenberg von Beginn an Neid entgegenschlägt. Sie, die entlaufene Nonne, ist durch ihre klösterliche Ausbildung und ihre Lebensklugheit die starke Frau hinter dem berühmten Mann – der ohne ihr Organisationstalent wohl mehr als einmal finanziell pleite gegangen wäre. Dennoch, und das wurmt sie gewaltig, bleibt ihr Mann ihr die öffentliche Wertschätzung schuldig: „Daheim hast du mich loben können, öffentlich war ich nur die Urtica, die Brennnessel. Kein Wunder, so oft wie ich die Zähne über deine zotigen Bemerkungen zusammenbeißen musste, habe ich halt irgendwann zurück gebissen! Wie ein so kluger Denker nur so kleinkariert sein kann...“

Verwunderlich ist es nicht, dass Katharina sich diese wehrhafte und unbeugsame Haltung zu eigen macht. In all den Jahren mit Luther ist sie immer von der Angst geplagt, wie lange das gemeinsame Glück mit dem weithin verehrten und geachteten, aber auch gehassten und verfluchten Reformator wohl dauern würde.

Die vielfältigen Aufgaben der Katharina Luther

Das Gästehaus mit den bis zu 60 Personen, das sie führt, wäre allein schon eine Vollzeitbeschäftigung. Dazu kommen die sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichen, die elf Waisenkinder aus der Verwandtschaft und ein Ehemann, der in ihr einerseits eine gleichberechtigte und geliebte Partnerin sieht. Andererseits nimmt er einen Großteil ihrer Arbeit gar nicht wahr, nimmt das frische Obst und Gemüse aus ihren Gärten für selbstverständlich und gibt das von ihr hart verdiente Geld freigiebig wieder aus. „Doch wenn ich so auf mein Leben zurückschaue, dann kann ich sagen: ich bin gesegnet.“

Mit Katharina und Martin Luther hatten sich ganz offensichtlich zwei Menschen gefunden, die sich intellektuell ganz großartig austauschen konnten.

Heike Bauer-Banzhaf weckte die spontanen, bissigen, sarkastischen und schlagfertigen Sichtweisen von „Herrn Käthe“ grandios zum Leben. „Die größte Herausforderung bei diesem Stück war für mich, dass ich der historischen Figur ein passendes Geschichtsbild, ein vom Humanismus beeinflusstes Gottesbild und eine verständliche Sprache gebe. Es freut mich riesig, dass viele Besucher mich hinterher für die glaubwürdige Darstellung der Frau Luther lobten.“ Denn gerade weil Katharina von Bora dem damals bevorzugten Frauenbild so gar nicht entsprach, war sie für das Leben und Wirken von Martin Luther von entscheidender Bedeutung. „Wer weiß, was sonst aus dem Reformator geworden wäre!“

Nicht bewertet

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