Ohne Mundschutz geht hier gar nichts

Der Begriff Archiv ist Bürgermeister Stefan Frühbeißer fast zu hoch angesiedelt. „Eigentlich ist es eher eine Registratur.“ Also ein Archiv der Stadtverwaltung. Und damit ein Ort, an dem Papiere aufbewahrt werden, die man nicht so einfach entsorgen darf. Kassenberichte, Bestelllisten, Abrechnungen des Tourismusbüros mit Reiseveranstaltern. In der Art. „Für viele Schriftstücke gibt es gesetzlich vorgeschriebene Fristen, wie lange man sie aufheben muss“, sagt Frühbeißer. Letztlich handle es sich um eine Dokumentation der Verwaltungsarbeit.

Es war einmal ein Museum...

Also nicht unbedingt um eine Fundgrube für Historiker. Ganz abgesehen davon, „dass die Stadt hier eh niemand einfach stöbern lassen könnte, das sind vertrauliche Unterlagen.“ Das, was man normalerweise unter einem Stadtarchiv versteht, war einst im Heimatmuseum im Dachgeschoss des alten Hallenbades untergebracht. Als dann das Erlebnisbad Juramar gebaut wurde, wanderten sämtlich geschichtlich wertvollen Papiere ins Fränkische-Schweiz-Museum nach Tüchersfeld.

Wenn Ordner aneinander kleben...

Der Rest und somit auch das Verwaltungsarchiv wanderten Anfang der 1980er Jahr in damals neugebaute Mehrzweckgebäude in der Hauptstraße. Und dort lagert das ganze immer noch. Im Lauf der Jahre wuchs der Bestand. Frühbeißer: „Waren Ordner voll, wanderten sie dorthin.“ Das ging über Jahre hinweg gut. Doch irgendwann war das durchaus professionell aufgebaute Schranksystem voll. Ordner klebte an Ordner. Und: in diesem Keller ist eine vernünftige Belüftung nicht möglich, sagt Frühbeißer. Dazu gesellte sich der recht hohe Feuchtigkeitsgehalt. Wie er in Kellerräumen oft anzutreffen ist. Feuchtigkeit, die Akten, die jedes Papier aufsaugen. Die logische Konsequenz: Irgendwann kam der Schimmel. Und der ist heute noch da. Die Stadt schaltete Experten, schaltete den Kreisarchivpfleger ein. Die prüften - und entschieden: Hier läuft ohne Schutzbekleidung nichts mehr. Das war 2014.

Ab in die Magerscheune

Was blieb, war die Suche nach einem neuen Standort für dieses Archiv. Der ist gefunden, sagt Frühbeißer: „Wir wollen damit in die Magerscheune.“ Die soll bekanntlich für mehrere Zwecke genutzt werden.Jenes Gebäude also, das eine Art Dokumentationszentrum zur Pottensteiner Vergangenheit werden soll. In dem auch an die Erschließung der Teufelshöhle durch Professor Hans Brand und dessen unrühmliche Rolle mit Blick auf das KZ-Außenlager Flossenbürg erinnert werden soll. Ein idealer Ort für ein Archiv.

Wo kommen die Schienen hin?

Dazu bedurfte es erst einmal einer Bedarfsvermessung der Immobilie. Um genau wissen, wo kann das Archiv hin, braucht es einen Bodenausgleich - „da könnte unser Bauhof tätig werden“ -, können die Schienen für das Rollsystem der Schränke in den Boden integriert oder müssen sie auf diesem Boden verlegt werden.

Trocknen - ud dann weg mit dem Schimmel

All das liegt nun vor. Es existieren auch Pläne, wo genau das Archiv platziert wird. Damit Schimmelbildung in Zukunft kein Thema mehr ist, soll es in einer „Klimakammer „ eingerichtet werden. Sie garantiert eine Temperatur zwischen 14 und 18 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 30 bis maximal 50 Prozent - und damit ideale Bedingungen für so eine Dokumentensammelstelle.

Klimakammer kostet 35,000 Euro

Im Rathaus hat man Kostenvoranschläge auf dem Tisch. Rund 35000 Euro für die Klimakammer, weitere 15000 für neue Schränke. „Da kommt dann noch die Mehrwertsteuer dazu“, sagt Bürgermeister Frühbeißer. Er hofft, dass es noch 2017 losgeht. Wenigstens mit den Bauhofarbeiten, um den Boden für die Klimakammer vorzubereiten. Und wie bekommt man den Schimmel weg? Da hilft nur eins, so Frühbeißer: „Auslagern, trocknen und dann mit Anti-Schimmelmittel behandeln.“ Auch das sei in der Magerscheune denkbar.

Helfer dringend gesucht

Und dann wäre da noch der letzte Schritt: Das Material muss gesichtet werden. Von einem, der Ahnung hat, von einem, der sich dem Innenleben einer Verwaltung auskennt. „Wir haben da schon ehemalige Mitarbeiter angesprochen“, sagt Frühbeißer. Die Resonanz hält sich in Grenzen. Dieses Problem ist noch ungelöst. Und: „Dieser enorme Personalaufwand ist in den Kosten natürlich nicht eingerechnet...“

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