Ochsenkopf: Auftakt im Kunstschnee

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch: strahlende Sonne, bestens präparierte Kunstschneepiste, und das allerbeste: kaum Skifahrer. Der große Parkplatz an der Ochsenkopf-Talstation Nord, der an guten Skitagen überquillt, halbleer. Diejenigen, die sich dem Vorweihnachtsstress verweigern, genießen den Pistenspaß in vollen Zügen. Eingebettet zwischen dem umgebenden Grün, bei Temperaturen, dass man eher an Frühlingserwachen und Ostern denkt als an Winter, zieht sich das weiße Band der Nordabfahrt den Hang hinauf. Sorgsam präpariert, flankiert von Schneekanonen in kurzen Abständen, wird dem Skifahrer zum Auftakt Genuss pur präsentiert. Andreas Schreyer, Betriebsleiter der Seilbahnen ist zufrieden mit der Entscheidung, eine Woche vor dem ursprünglich geplanten Termin zu beginnen. Auch noch am Sonntag, als Nieselregen und weiter steigende Temperaturen den Spaß am Skifahren verleiden. Schreyer: „Am Samstag haben wir 255 Karten verkauft, darunter zwölf Saisonkarten." Es habe sich angeboten, die beständige Kälteperiode nach dem 28. November auszunutzen. Auf diese Weise sei eine gute Basis geschaffen, wenn es denn dann wirklich schneit. 

Die Fangemeinde

Dass kein Flöckchen echter Schnee liegt, macht passionierten Skifahrern wie Hermann Grasser aus Stadelhofen nichts aus. Vor einigen Jahren war er schon mal derjenige, der die meisten Pistenkilometer in einer Saison geschafft hatte. Er lobt die Nordabfahrt über den grünen Klee: „Das ist eine sehr sichere Piste, weil sie schmal ist und niemand von der Seite reinfahren kann.“ Und auch mit dem Kunstschnee ist er mehr als zufrieden. „Kunstschnee ist sogar besser als echter Schnee. Er lässt sich schneller fahren und schiebt sich nicht so zusammen.“ Überzeugt ist er auch davon, dass es seitdem viel weniger Unfälle gibt als vorher. „Ohne Beschneiung geht praktisch gar nichts mehr. Jetzt können wir vier Monate hier fahren.“ Hoffentlich, schiebt er noch nach. Ingrid Rießbeck aus Hof nickt. Auch sie zieht es auf die Piste, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Sohn im Alter von 35 Jahren das Skifahren gelernt hatte. Heute ist sie Rentnerin. Ihr Alter mag sie nicht verraten. „Bis 65 hab ich es immer gesagt“, meint sie lachend. Ausdauer zeigt sie trotzdem. Seit frühmorgens um 8.30 Uhr ist sie hier, „und dann fahren wir acht Stunden lang.“ Dabei trifft sie immer wieder auch auf Alfred Arnold aus Marktschorgast, der einzige der drei, der mit seinem Alter kein Problem hat. 72 Jahre ist er alt und er kennt den Ochsenkopf wie seine Westentasche. Und plaudert für sein Leben gern. Damals, als Junge sei  er noch mit dem Zug bis Bischofsgrün gefahren und dann raufgelaufen. Die Skier auf den Schultern. „Dann gab es eine Abfahrt und dann ging es wieder zurück zum Zug. Das war eine Tagestour damals.“

Kein Vergleich mit dem heutigen Luxus. Das Auto steht auf dem Parkplatz nur wenige Meter unterhalb. Alle drei sind bestens ausgerüstet mit leicht gleitenden Carving-Skiern. Trotzdem haben sie auch schon Lehrgeld zahlen müssen. Vor ein paar Jahren hat sich Alfred Arnold Schien- und Wadenbein gebrochen. „Das lag halt an der Bindung,“ lästert Hermann Grasser. „Ab einem gewissen Alter sollte man die nicht mehr so hart einstellen.“ Arnold winkt ab und dreht ab Richtung Lift. Das sei nicht schuld gewesen.

Der Außenseiter

Ganz am Rand der Piste macht sich in der Zwischenzeit Matthias Feulner aus Helmbrechts bereit zum Aufstieg. Er braucht dazu keinen Lift. Unter seine Tourenski schnallt er sich Felle aus Mohair und Nylon. Der 53-Jährige genießt es, abseits unterwegs zu sein. „Das hat sich im Laufe der Jahre so ergeben,“ sagt er. Die Ochsenkopf Nordabfahrt zu nutzen, sei jetzt halt eine Notlösung, so lange noch kein richtiger Schnee liegt. Am liebsten ist er im Fichtelgebirge unterwegs. „Je älter man wird, umso weniger braucht man Sölden und Ischgl und das ganze Gschrei,“ sagt er.

Die Jüngsten

Ideal für Snowboarder sei die Nordabfahrt, davon ist Martin Rehlein aus Ebermannstadt überzeugt. Das Snowboarden hat sich der 38-Jährige selbst beigebracht. „Die Südabfahrt ist zu flach, das gibt  zu wenig Schwung.“ Schwungvoll unterwegs sind an diesem Morgen auch die erst zehnjährige Emma Lex aus Bayreuth und ihr kleiner Bruder Franz mit vier Jahren. Emma mag am liebsten Buckelpisten fahren. „Und da bin ich auch schneller als Mama. Aber nicht so schnell wie Papa.“

Der Gastronom

Nebenan in der Pension Wiesengrund hat Wirt Stephan Engelbrecht früher aufgesperrt. Extra wegen der Saisoneröffnung. Eigentlich hat er nur abends geöffnet. Jetzt hofft er auf Mittagsgäste. Doch da tut sich nicht viel. Zwei ältere Damen lassen sich Leckers aus seiner Wildkräuterküche schmecken. Das ist alles. „Es hat sich nicht gelohnt,“ sagt Engelbrecht. „Ich bin schon ein bisschen enttäuscht.“

1 (2 Stimmen)

Anzeige

Kommentare

...bei Plusgraden und Regen!