Noch ein Nein gegen Umsprengelung

Nach einem Bürgerbegehren im April vergangenen Jahres hatte sich eine knappe Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Haager Grund- und Mittelschüler künftig in Bayreuth zur Schule gehen. Daraufhin hatte der Gemeinderat Haag den entsprechenden Antrag an die Regierung von Oberfranken gestellt (wir berichteten). Diese fordert nun alle Beteiligten zu einer Stellungnahme auf. Die Stadt Creußen, die Gemeinden Schnabelwaid und Prebitz sowie die Verwaltungsgemeinschaft Creußen hatten sich schon gegen die Umsprengelung ausgesprochen. Am morgigen Freitag ist Stichtag für alle Stellungnahmen, danach will die Regierung entscheiden, ob der Bürgerentscheid umgesetzt werden kann.

In der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft hatte Haags Bürgermeister Rudolf Pensel von einem Gespräch mit Andrea Weustink von der Regierung berichtet. Dort hatte er die Auskunft erhalten, dass der Beschluss nicht umgesetzt werden könne, sollte es Widersprüche gegen die geplante Umsprengelung geben. Im Schulverband listete Dannhäußer noch einmal die Punkte auf, die gegen einen Wechsel der Haager Schulkinder von Creußen nach Bayreuth sprechen.

Fixkosten: Die täglich anfallenden Kosten für Heizung und Reinigung entstehen weiter, ebenso wie die für Hort und Turnhalle. Diese müssten nach dem Ausscheiden von Haag von den beiden anderen Schulverbandsgemeinden Creußen und Prebitz getragen werden. „Das ist besonders schwierig, da Creußen eine Konsolidierungsgemeinde ist“, so Dannhäußer.

Investitionskosten: In den kommenden Jahren stehen hohe Investitionskosten für beispielsweise die Sanierung der Dreifachturnhalle an. Außerdem ist die dringend notwendige energetische Sanierung des gesamten Gebäudes geplant. Auch diese Kosten müssten Creußen und Prebitz allein tragen und die Schulverbandsumlage würde somit steigen.

Vermögensauseinandersetzung: Haag ist Miteigentümer der Robert-Kragler-Schule. Sollte Haag aus dem Schulverband nun aussteigen, ist mit einer hohen Auszahlung zu rechnen.

Ländlicher Raum: Sollte Haag aus dem Schulverband aussteigen, können künftig keine Mittelschulklassen in Creußen mehr gebildet werden. „Die Dreizügigkeit der Grundschule steht in Frage“, so Dannhäußer. Diese würde aber gut tun, da so kleinere Klassen gebildet werden könnten. Die Regierung stelle die Dreizügigkeit aber negativ dar. „Das widerspricht jedem pädagogischen Konzept“, kritisierte der Bürgermeister. Der ländliche Raum werde somit geschwächt und der Schulstandort sei in Gefahr.

Beförderung: Bei einer Umsprengelung müsste die Schülerbeförderung neu organisiert werden. Hier entstehen durch einen hohen Verwaltungsaufwand hohe Kosten.

Hort und Mittagsbetreuung: Durch den Wegfall der Haager Kinder würde in diesen beiden Einrichtungen ein finanzielles Defizit entstehen, da die Personal-, Raum- und Sachkosten bestehen bleiben.

Räume: Durch den Wegfall der Haager Schüler in Creußen, würden in der Robert-Kragler-Schule Räume leer stehen. In Bayreuth hingegen fehlen Räumlichkeiten.

Anmeldung: Die Umsprengelung wäre ab dem Schuljahr 2018/19 möglich. Die Anmeldungen für das kommende Schuljahr fanden bereits statt, auch die für Hort und Mittagsbetreuung. Für die Eltern würde ein hoher Aufwand durch Ummeldungen entstehen.

Klassenbildung: „Könnte es als Druckmittel eingesetzt werden, dass in Pegnitz eine eigene Mittelschulklasse mit Kindern aus Creußen, Haag und Prebitz gebildet wird?“, fragte der Prebitzer Bürgermeister Hans Freiberger an. Dies sei nicht möglich, da von den gegenwärtig 16 Kindern in der Christian-Sammet-Schule fünf in der Ganztagsschule sind. Sollten die Haager Kinder auch noch wegfallen, seien es zu wenig für eine Klassenbildung. Es würden auch keine Schüler im Rahmen des Schulverbundes von Pegnitz nach Creußen wechseln, so Rektor Richard Deinzer, da das Angebot in Pegnitz größer sei als in Creußen. „Die zusätzlichen Stunden können in Creußen nicht geleistet werden, weil wir weniger Lehrerstunden haben“, erklärte er.

Wirtschaft: Sollte die Mittelschule in Creußen auf Dauer wegfallen, so Dannhäußer, habe das auch negative Konsequenzen für die Wirtschaft. „Wenn die Kinder nur in Pegnitz und Bayreuth zur Mittelschule gehen, suchen sie auch dort gleich eine Lehrstelle“, sagte er. Die Mittelschule sei ein wichtiger Faktor für den Nachwuchs in der Wirtschaft.

Bei der Abstimmung sprach sich das Gremium mehrheitlich gegen eine Umsprengelung der Haager Schüler aus. Stefan Heidenreich (Haag) stimmte dafür. „Ich muss mich dem demokratischen Akt, dem Bürgerentscheid, beugen“, sagte er. Deshalb müsse er als Gemeinderat für die Umsetzung stimmen.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel Ist Bürgerentscheid vom Tisch?

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