NGG: Arbeitskampf zahlt sich aus

Die Gewerkschaft habe in Oberfranken nicht nur den höchsten Mitgliederzuwachs innerhalb der NGG in Bayern, sie habe auch gigantische Aktionen auf die Beine gestellt, ohne die es nicht zu einem derart positiven Sozialplan nach dem „Supergau“ bei der BAT gekommen wäre.

Derzeit würden die geplanten Maßnahmen umgesetzt, berichtete der BAT-Betriebsratsvorsitzende Paul Walberer. Rund 300 Mitarbeiter von den geplanten 950 hätten das Unternehmen bereits verlassen. Ein Teil habe selbst gekündigt, viele hätten Vorruhestandsregelungen in Anspruch genommen, der Rest sei in die Transfergesellschaft gewechselt. Trotz des Kahlschlags gelte Bayreuth noch immer als eines der produktivsten Werke überhaupt, sagte Walberer. Es habe sogar eine Anfrage gegeben, an den kommenden Feiertagen zu arbeiten.

Der in einem Zeitraum von 84 Tagen verhandelte Sozialplan sei vor allem deshalb gelungen, weil er wirklich das Wort sozial zum Inhalt habe, betonte der Betriebsratsvorsitzende. „Wirklich glücklich macht mich das freilich nicht“, sagte Walberer weiter. Auch wenn 400 Mitarbeiter in den Abteilungen Forschung und Entwicklung sowie im europäischen Engineering am Standort Bayreuth bleiben sollen, sei die Produktion als Herzstück des Werkes definitiv verloren.

Zunahme um fast zwölf Prozent

„Solidarität ist das Geheimnis erfolgreicher Gewerkschaftsarbeit“, sagte NGG-Bezirksgeschäftsführer Michael Grundl. Er bezeichnete die Gewerkschaft als erfolgreiche Gemeinschaft, als kleine aber erfolgreiche Truppe, bei der sich vor allem die Mitgliederentwicklung während der zurückliegenden Jahre sehen lassen könne. Die NGG Oberfranken habe binnen Jahresfrist um 4,4 Prozent auf aktuell 4105 Mitglieder, davon über drei Viertel Erwerbstätige, zugelegt.

Mit Blick auf die zurückliegenden zehn Jahre zeige sich sogar eine Zunahme um fast zwölf Prozent, was exakt 435 Mitglieder mehr bedeutet als im Jahr 2006. Durch die Entwicklung bei der BAT in Bayreuth rechnet der Geschäftsführer allerdings im kommenden Jahr mit einem Knick in dieser positiven Bilanz. Viele Mitglieder werden in andere Branchen wechseln, andere in Rente gehen.

Auch der Rechtsruck in Teilen der Gesellschaft war ein Thema der Delegiertenversammlung: Spürbare Umverteilungen, die auch Benachteiligte wieder an die Gerechtigkeit des Staatswesens glauben lässt, forderte Manfred Böhm von der katholischen Betriebsseelsorge in Bamberg. Nur so könne man auch die Populisten wieder zurückdrängen, sagte er. Es könne nicht angehen, dass die schwarze Null des Staates von den Niedriglöhnern der Republik bezahlt werde.

"Wir müssen uns als Mehrheit sichtbar machen"

Wenn es dem Land statistisch gut gehe, bedeute dies noch lange nicht, dass es allen gut geht. Viele Menschen seien unzufrieden, sähen sich als Verlierer und hätten Angst vor der Zukunft, weil es für die einen extrem nach oben, für die anderen ziemlich schnell nach unten geht. Mehr Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt, das ist auch für Mathias Eckardt, den oberfränkischen DGB-Regionsgeschäftsführer, das Rezept gegen Populisten, Nationalisten und Lügner, als deren Jahr 2016 in die Geschichte eingehen werde.

Auch wenn es den Anschein habe, dass alte politische Denkmuster, Werte und Wahrheiten plötzlich nicht mehr zählten, lohne es sich, für die Demokratie einzustehen. Dazu gehöre auch das Zurückdrängen befristeter Arbeitsverhältnisse, von Leiharbeit, Werkverträgen und unbezahlten Praktika.

Derartige subtile Ängste aufgegriffen und rassistisch begründet, das habe die AfD ziemlich schnell erfolgreich geschafft, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Tina Krause. Sie rief alle NGG-Mitglieder auf, dagegenzuhalten. Die Ziele der AfD seien ein Angriff auf unser soziales System. Ziel dieser Partei sei es, demokratische Grundwerte abzuschaffen und das politische System vollständig umzukrempeln. „Wir müssen uns als Mehrheit sichtbar machen und zeigen, dass wir das nicht tolerieren“, forderte sie.

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