Neun Abgänge bei den Tigers

„Ein bisschen was müssen wir ja machen, wir wollen ja keinen Stillstand“, sagt EHC-Teammanager Dietmar Habnitt. „Und leider gehört es in dem Geschäft auch dazu, dass man sich von Spielern trennen muss.“ Das „leider“ bezieht sich wohl vor allem auf die Abgänge, die die erfolgreiche Zeit des EHC Bayreuth in den vergangenen Jahren entscheidend mitprägten.

Allen voran gilt das für Christopher Kasten. Seit 2012 spielt er für die Bayreuther, feierte mit ihnen zwei Aufstiege – von der Bayernliga bis in die DEL2. „Das waren hammermäßige Erlebnisse. Vor allem die Oberliga-Halbfinalserie gegen Regensburg werde ich nie vergessen“, sagt der Verteidiger. „Ich bin allen sehr dankbar, die mir diese wahrscheinlich erfolgreichste Zeit meiner kompletten Karriere ermöglicht haben.“

Bei dieser Aussage bezieht er seine Karriere nach der Zeit in Bayreuth schon mit ein, denn die wird der 27-Jährige fortsetzen. Bayreuth wäre eine Option gewesen, Vertragsgespräche gab es, bei den Vertragskonditionen gingen die Wünsche des Vereins und die des Spielers jedoch zu weit auseinander. Dass es dann zu einer Trennung kommt, ist für beide Parteien „sehr schade, aber ein ganz normaler Vorgang im Profigeschäft“.

Kasten will in der DEL2 bleiben

Ziel Kastens ist es, weiter DEL2 zu spielen: „Dann komme ich ja nach Bayreuth zurück“, sagt der Verteidiger und fügt mit einem Lachen hinzu: „Ich muss ja den Ex-Kollegen ein paar Tore einschenken.“ Dann wird er wieder ernster: „Ich werde Bayreuth, die Mannschaft, die Fans sehr vermissen. Ich habe hier Freunde gefunden. Wenn ich in die Fankurve schaue, kenne ich ja fast jeden persönlich. “

Und die Fans schätzen ihn ebenso: Wegen seiner Emotionen auf dem Eis, wegen seiner Fannähe, wegen seiner Funktion als „Chef-Feierbiest“ – und vor allem wegen seiner Leistungen. Er steigerte sich von Jahr zu Jahr, war ein Führungsspieler. In 240 Pflichtspieleinsätze kam „Kiste“ – so sein Spitzname – auf 53 Treffer und 95 Vorlagen.

Marcus Marsall wäre gern geblieben

Eine starke Bilanz bei den Tigers kann auch Marcus Marsall vorweisen. Der Stürmer holte in den vergangenen drei Jahren in 158 Partien 111 Scorerpunkte (46 Treffer). Er überzeugte mit seiner Schnelligkeit und unermüdlichem Einsatz – gerne hätte er diese Stärken weiter für die Tigers in die Waagschale geworfen.

„Ich fühle mich sehr wohl in Bayreuth, bin ja auch immer im Sommer hier. Ich bin hier heimisch geworden“, sagt der gebürtige Nürnberger. „Ich wollte bleiben, aber ich habe kein Angebot bekommen. Damit habe ich nicht gerechnet und finde es auch sehr, sehr schade.“

Die Gründe für diese Entscheidung seien ihm genannt worden, öffentlich machen will er sie aber nicht. Er sagt nur kurz: „Ein wenig fehlt mir das Verständnis, aber der Verein plant eben anders. Das muss ich akzeptieren. Ich gehe aber in dem Wissen, dass ich in den letzten drei Jahren immer alles gegeben habe und mit vollem Herzen ein Tiger war.“

Er möchte die Zeit nicht missen, in der er Teil eines „geilen Teams“ war, vor „tollen Fans“ spielen durfte und viele Erfolge feierte. Für welchen Verein der 27-Jährige künftig auflaufen wird, ist noch offen. Oberliga will er mindestens spielen. „Mal schauen, welche Möglichkeiten sich noch auftun“, sagt Marsall.

Drei Youngster und ein Torwart gehen

Einen neuen Verein wird sich auch Johannes Wiedemann suchen. Der Torhüter, der nicht an der klaren Nummer eins Tomas Vosvrda vorbei kam, wird mit Oberligist EV Weiden in Verbindung gebracht. „Johannes ist ein klasse Torhüter, der eigentlich nur das Pech hatte, dass er einen noch besseren Goalie vor sich hatte. Er braucht vor allem Spiele, um sich weiter zu entwickeln. Und das können wir ihm nicht garantieren“, sagt EHC-Teammanager Habnitt.

Gleiches gelte auch für die Youngster Michael Kuhn, Patrik Rypar und Lukas Fröhlich, die die Bayreuther ebenfalls verlassen. „Sie haben bei einem Oberligisten bessere Entwicklungschancen, da sie dort wesentlich mehr Eiszeit bekommen als bei uns“, sagt Habnitt.

Der 58-Jährige ist nun auf der Suche nach anderen aufstrebenden Talenten, denn die Tigers wollen weiter auf Nachwuchsspieler setzen. Dabei kommt den Bayreuthern auch die erfolgreiche zurückliegende Saison zu gute. Habnitt sagt: „Wir kommen jetzt an Spieler ran, die vor der vergangenen Saison nicht mit uns geredet hätten.“

Die Verpflichtung von Junioren-Nationalspieler Yannick Drews sei dafür ein gutes Beispiel. „Die Jungs haben eben gesehen, welch wichtige Rolle Valentin Busch zuletzt bei uns gespielt hat. Wer Leistung bringt, auf den bauen wir auch“, sagt Habnitt.

Bayreuther künftig ohne Wohlberg

Nicht mehr bauen die Tigers auf den von Gönnern des Vereins finanzierten und nachverpflichteten Kanadier Nathan Robinson. Wohl auch weil sich die Bayreuther von dem zweifachen deutschen Meister mehr erhofft hatten als 13 Scorerpunkte in 19 Spielen.

Auch Kontingentspieler David Wohlberg geht. Mitte der Saison schien sich der Amerikaner – er sammelte 44 Punkte in 56 Spielen – zum unumstrittenen Leistungsträger zu entwickeln, doch dann erlitt er – wie Habnitt es nennt – „einen nicht erklärbaren Leistungsabfall“. Deshalb habe man sich gegen eine Vertragsverlängerung entschieden.

Als Abgang steht aktuell auch der Tscheche David Kuchejda fest, allerdings könnte er wieder zur Option werden, wenn er einen deutschen Pass bekommt. „Dafür gibt es aber keinen festen Zeitrahmen, so dass wir in erster Linie ohne ihn planen müssen“, sagt Habnitt.

Kooperation mit Nürnberg Ice Tigers weiter ausbauen

Damit ist klar, dass zwei Kontingentpositionen bei den Tigers neu vergeben werden. Aktuell favorisiert Habnitt, diese einem Verteidiger und einem Stürmer zu geben. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass zusätzlich ein starker, deutscher Offensivspieler gefunden wird. Mit einigen anderen möglichen Neuzugängen sei man in „guten Gesprächen“.

Wichtig ist für Habnitt auch der Ausbau der Kooperation mit DEL-Verein Nürnberg Ice Tigers und Oberligist EV Weiden. „Davon können alle drei Vereine profitieren“, erklärt der 58-Jährige. So haben die Tigers schon frühzeitig Planungssicherheit auf der Torhüterposition. Stammkeeper Tomas Vosvrda werden nach Aussagen Habnitts wohl Friedrich Hartung und Nürnbergs Förderlizenzspieler Philip Lehr bei Bedarf vertreten.

Info:Laufende Verträge haben bei den Bayreuth Tigers Torwart Tomas Vosvrda, Verteidiger Martin Heider sowie die Stürmer Michal Bartosch, Yannick Drews und Ivan Kolozvary.

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