Neuer Lohnverzicht bei Loewe?

Am Dienstag fand dazu eine Mitarbeiterversammlung in Kronach statt. Es gehe der IG Metall erst einmal darum, sich das Votum der Mitglieder und der Belegschaft zu sichern, sagte Apfel. Dann werde man sehen, ob man überhaupt in Verhandlungen gehe. Es gebe ja schon einen Ergänzungstarifvertrag vom Dezember, der bis Ende 2018 laufe und mit dem die Beschäftigten jährlich 2,5 bis drei Millionen Euro einbringen würden. Das Unternehmen habe den Umsatz zuletzt um 20 Prozent gesteigert. Man werde sich die genauen Zahlen vorlegen und extern überprüfen lassen.

Loewe bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass es „um die Senkung der Personalkosten“ geht. „Die Umsätze sind wirklich klasse, die Marktanteilsentwicklung ist sehr gut.“ Aber Loewe schreibt keine Gewinne und leidet unter dem hohen Dollarkurs. Viele Zukäufe werden in Dollar abgerechnet. „Aber wir verkaufen überhaupt nicht im Dollar-Raum.“

Problem ist der starke Dollar

Hüsges hatte erst kürzlich im Interview mit dieser Zeitung auf die Risiken hingewiesen. „Der Dollarkurs ist ein Risiko für unser Geschäft, das wir aber proaktiv managen.“ Der Dollar habe erheblichen Einfluss auf die Profitabilität von Loewe. Jetzt ergänzte der Unternehmenschef, der Dollar habe bei der Übernahme von Loewe bei einem Kurs von 1,37 gestanden. Heute müssten nur noch rund 1,05 Dollar für einen Euro gezahlt werden. Rund 70 Prozent der Materialkosten von Loewe würden auf Dollarbasis abgerechnet.

Gespräche in früher Phase

Bei den Gesprächen mit der IG Metall gehe es "nicht nur um Lohnverzicht". Es gebe eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen, mit denen Loewe seine Kosten senken wolle. Hüsges stellt sich eine Bezahlung der Mitarbeiter "in Abhängigkeit zum Unternehmenserfolg" vor. Man sei darüber "in einer Frühphasendiskussion" mit der IG Metall. Es gehe nicht um Beschäftigungsabbau oder Kurzarbeit. "Die Mitarbeiter sind extrem stark ausgelastet." Auch die Gewerkschaft bestätigte, dass es bei den Gesprächen nicht um Personalabbau geht.

Loewe beschäftigt rund 500 Mitarbeiter, davon 400 in Kronach. Wegen der guten Umsatzentwicklung denkt Hüsges sogar daran, die Zahl der Mitarbeiter weiter aufzustocken. Sein Problem: Loewe steigert die Verkäufe, macht aber keinen Gewinn. 2015 gab es sogar noch einen operativen Verlust (Ebit) von 8,4 Millionen Euro. Für 2016 peilte das Unternehmen ein ausgeglichenes Ergebnis an. Hüsges versucht nun, das Unternehmen mit günstigeren Personalkosten in die Gewinnzone zu schieben. Ob Belegschaft und Gewerkschaft mitziehen, ist noch nicht ausgemacht.

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