Neue Milchkönigin schaut daheim vorbei

Sonja Wagner war ein wenig aufgeregt, meistert ihre Rede in Wonsees jedoch mit viel Charme. Sie habe sich spontan beworben und dann sei alles ganz schnell gegangen, verrät die 21-Jährige, die Lebensmittelmanagement an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf studiert. Ihre Freunde wüssten, wie hoch ihre Identifikation mit bayerischen Produkten sei. Eine Genießerin, schlagfertig und ausdauernd nennt sie sich selbst. Und ist gespannt, was sie in den nächsten zwei Jahren alles erleben wird.  „Das war nicht eingeplant, aber besser hätte es nicht kommen können.“ 

Was hat sich in Ihrem Leben geändert, seit Sie die Königskrone tragen?

Sonja Wagner: Ich bin auf alle Fälle schon ganz schön herum gekommen und ich habe jetzt auch an den Wochenenden mehr zu tun. Viele haben mich nach der Wahl beglückwünscht, besonders aus meiner Heimatgemeinde Wonsees. Ich habe durch die vielen Glückwünsche gespürt, dass die Menschen stolz auf mich sind. Ich freue mich wahnsinnig, dass ich Milchkönigin sein darf und kann es noch immer kaum glauben.

Lassen Sie Ihr Studium ruhen, so lange Sie Milchkönigin sind?

Wagner: Nein, ich mache weiter wie bisher und versuche, beides miteinander zu vereinbaren. Wenn ich während des Semesters mal unter der Woche einen Termin habe so wie heute und ich einmal eine Vorlesung ausfallen lassen muss, ist das nicht so schlimm. In den Semesterferien ist das dann sowieso kein Problem.

Tragen Sie zu offiziellen Anlässen immer Dirndl und Krone?

Wagner: Ich durfte mir zwei verschiedene Stoffe für Dirndl aussuchen. Heute trage ich zum ersten Mal das Grüne. So habe ich immer eines zur Auswahl. Die Krone ist übrigens aus Silber und nicht aus Gold - und gar nicht so schwer.

Wie fühlen Sie sich in der Rolle als Milchkönigin?

Wagner: Gut, ich bringe fundiertes Fachwissen mit und kann Menschen über Milchprodukte informieren. Manches muss ich mir aber auch noch anlesen, so zum Beispiel welcher Käse zu welchem Wein passt. Natürlich will ich dazu beitragen, die Wertschätzung für bayerische Milchprodukte zu steigern.Vielleicht kann ich die Konsumenten mit meiner Leidenschaft für Milch anstecken und gewisse Irrtümer ausräumen.

Zum Beispiel, das nichts gegen eine Lactose-Intoleranz hilft?

Wagner: Es gibt ja Lactose freie Milch und beim Käse ist Hart- und Schnittkäse aufgrund seines niedrigen Restlactosegehalts von zirka 0,1 Prozent zu empfehlen. Auf jedem Produkt steht darauf, wie es verarbeitet wurde. Der Milchzucker lässt sich durch die Zugabe des Enzyms Lactase aufspalten und ist somit gut verträglich. Lactose freie Milch schmeckt deshalb süßer, weil der Milchzucker in Glukose und Galaktose aufgespalten wurde und dies Zuckerarten eine höhere Süßkraft haben.

Sie haben schon ganz schön viel Wissen über ihr Reich.

Wagner: Das eine ist die Welt der maschinellen Produktion, damit muss ich mich befassen. Das andere ist die Tierhaltung an sich. Neben der Milchviehhaltung geht es auch um die Verarbeitung der Milch und die Qualitätsparameter für Milchprodukte. Meine Eltern und mein Bruder haben einen Milchviehbetrieb und ich habe drei Praktika in Molkereien gemacht. Milch ist tatsächlich eine Leidenschaft von mir.

Das muss bei einer Milchkönigin wohl so sein. Hat die Milch aus Bayern nicht sowieso schon einen guten Ruf?

Wagner: Ja, aber ich kann vielleicht über Bayern hinaus wirken. Die Auswahl an Milch in Supermärkten ist groß. Seit 30 Jahren besteht die Tradition der Milchkönigin im Milchland Bayern. Die Milchwirtschaft ist die größte Sparte der Ernährungsindustrie. Mich fasziniert es, dass es allein 400 Käsesorten in Bayern gibt. Wer mich kennt, weiß, dass Essen in meinem Leben fest verankert ist und man es als mein Hobby bezeichnen könnte.

Wie oft trinken Sie denn privat Milch?

Wagner: Ich mag Milch wirklich gerne, meistens trinke ich sie zum Frühstück. Natürlich esse ich Joghurt und Käse, die nimmt ja fast jeder täglich zu sich. Ich ziehe Vollmilch vor, ich mag Magermilch nicht so. Bei mir darf Milch ruhig so fett wie möglich sein.

Wenn Sie auf dem Bauernhof aufgewachsen sind, haben Sie bestimmt auch schon Rohmilch getrunken, oder?

Wagner: Ja, mit vier Prozent Fett, schätze ich. Rohmilch schmeckt einfach anders. Als Kind habe ich nur diese Milch gemocht.Grundsätzlich wird das Abkochen empfohlen. Wegen der bakteriellen Flora kann es sonst zu Unverträglichkeiten kommen.

Helfen Sie denn auf dem Hof Ihrer Eltern noch selbst mit?

Wagner: Klar, wenn die Ernte ansteht, ist jede helfende Hand willkommen. Ich habe eben nur an den Wochenenden Zeit. Aber ich bin gerne im Stall bei den Kälbern und arbeite dort gerne mit.

Hintergrund:

Der Vorsitzende der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft (LVBM) Felßner sagte in Wonsees, Milch sei ein wichtiger Exportartikel, stehe für Heimat und Nahrungsmittel aus Bayern. Über 30.000 Milch erzeugende Betriebe sind in Bayern ansässig und produzierten 2016 rund 8,8 Millionen Tonnen Milch. Der Wonseeser Bürgermeister Andreas Pöhner erzählte die Ankedote, dass die zehnjährige Sonja unbedingt zum Viehmarkt nach Bayreuth wollte, um sich dort umzusehen. Es sei also nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sie zur "Botschafterin der Milchwirtschaft" gekürt werden würde. Kreisbäuerin Beate Opel kennt die Eltern Gabriele und Herbert Wagner gut und bescheinigte der Tochter:„Sie kommt aus einem guten Stall.“ Freundinnen kamen als „Milchmadla“ und ernannten Sonja Wagners Freund Peter Schnabel zum „Milchbuben“.

 

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