Neue Initiative gegen Waldzerstörung

„Vom Waldsterben zum Waldfrevel“, auf diesen Nenner bringt Eitler seine Kritik. Nach einem jahrzehntelangen zählen Kampf habe dank eines starken und energischen Bürgerbündnisses vor mehr als 30 Jahren das Waldsterben einigermaßen zum Stillstand gebracht werden können. Nun habe sich ein neuer und sehr gefährlicher Waldfeind landesweit ausgebreitet: Der Waldfrevel. Die einstmals vor dem Waldsterben bewahrten Bestände seien seit mehr als zehn Jahren zu „Holzäckern“ erklärt und mit breiten Rückegassen zerschnitten, destabilisiert und geschädigt worden. Die dabei eingesetzten schweren Holzerntemaschinen (Harvester) verdichteten die empfindlichen Waldböden und zerstörten den gesamten Naturhaushalt. Die früheren Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen hätten wegen einer grenzenlosen Gewinnsucht ihre Bedeutung verloren. Eitler: „Lebe wohl, du schöner Wald!“

Nach seiner Auffassung ist es allerhöchste Zeit für ein schnelles Umdenken sowie für eine Überprüfung der Bewirtschaftungsgrundsätze. Dies sei nur über die politische Schiene möglich. „Alle Schutzgebiete sind für den Einsatz von Harvestern zu sperren“, lautet die Forderung.

Eine Maschine ersetzt zehn Waldarbeiter

Die Bayerischen Staatsforsten ernten im Freistaat etwas mehr als die Hälfte des Holzes mit dem Harvester. 37 Prozent der Holzernte werden durch Waldarbeiter erledigt, lautet die offizielle Bilanz des Jahres 2016. Im Vergleich zu 2011 hat der Harvestereinsatz um acht Prozentpunkte zugenommen, der Einsatz von Waldarbeiten hingegen um neun Prozentpunkte abgenommen. Ein Harvester erledigt in der gleichen Zeit die Arbeit von rund zehn Waldarbeitern, schätzt Martin Hertel, der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Fichtelberg. Dort, wo der Harvester Holz erntet, das dann mit einem Rückefahrzeug abtransportiert wird, werde der Waldboden verdichtet, die Vegetation verändere sich, räumt Hertel ein. Auch in Schutzgebieten werde die Maschine eingesetzt, soweit das technisch möglich ist. In Wasserschutzgebieten arbeite die Holzerntemaschine nur dort, wo der Grundwasserleiter tiefgenug liege. Auch in FFH-Schutzgebieten komme der Harvester teilweise zum Einsatz.

Geringe Unfallgefahr

Hertel rechnet damit, dass der Harvestereinsatz im Forstbetrieb Fichtelberg künftig leicht ansteigen wird. Die Fahrspuren würden mit dicken Reisigmatten belegt, um den Druck auf den Boden zu verteilen. Als großen Vorteil sieht er die äußerst geringe Unfallgefahr mit Absägen und Verarbeiten der Bäume. Der Fahrer sei in einer Kabine mit gepanzerter Scheibe gut geschützt. Hingegen sei Waldarbeit mit der Motorsäge für den Menschen gefährlich.

Arbeitsfläche wird abgesperrt

Bei der Tourismus & Marketing GmbH Ochsenkopf in Fichtelberg ist von Urlauberbeschwerden über Schäden im Wald nach einem Harvestereinsatz nichts bekannt. „Wir arbeiten mit dem Forstbetrieb Fichtelberg gut zusammen“, sagt Geschäftsführer Andreas Munder. Bei entsprechenden Einsätzen werde das Areal großflächig mit Trassierband gesperrt, die Touristinfo, Hotels und Pensionen würden über Umleitungen der Wanderwege informiert. „Der Harvestereinsatz wird sich aus wirtschaftlicher Sicht nicht vermeiden lassen“, zeigt Munder Verständnis.

2012 Proteste am Schneeberg

Im Februar 2012 hatte es massive Beschwerden über den Harvestereinsatz im Wald am Schneeberg gegeben. Der Fichtelgebirgsverein hatte sich entsetzt über mehr als 40 Rückegassen gezeigt, die im Abstand von 30 Metern in den Wald geschlagen wurden, um das Holz abzutransportieren. Der Verein wies darauf hin, dass die Bayerischen Staatsforsten laut Gesetz zur naturnahen und schonenden Bewirtschaftung des Waldes verpflichtet seien. Das Schneebergareal ist als FFH-Schutzgebiet von europäischem Rang besonders geschützt, dort leben seltene Arten wie Schwarzstorch, Auerwild und Luchs. Nach damaligen Angaben hatten sich rund zwei Dutzend Urlauber schriftlich an den Fichtelgebirgsverein gewandt und gegen die massiven Eingriffe protestiert. Heute ist beim Fichtelgebirgsverein über große Schäden beim Harvestereinsatz nichts bekannt, betont Hauptvorsitzende Monika Saalfrank aus Schwarzenbach an der Saale. Die Bayerischen Staatsforsten seien darauf bedacht, die Holzernte so schonend wie möglich durchzuführen. „Wird ein Weg kaputt gefahren, wird er in ein paar Wochen wieder repariert“, weiß Saalfrank aus Erfahrung.

Bundesweiter Dachverband

Die neue bayerische Bürgerinitiative "Gegen die Waldzerstörung" gehört zum bundesweiten Dachverband der Initiative Waldschutz. Dieser hatte sich Anfang Juli 2017 in Darmstadt gegründet. Nach Ansicht der Bundesinitiative ist die "holzfabrikmäßige" Nutzung der Wälder in den Vordergrund gerückt. Ausdruck dieser Entwicklung sei ein stark verdichtetes System von Holzrückegassen und Forststraßen. Die dabei eingesetzten Erntemaschinen würden die empfindlichen Waldböden irreparabel verdichten. Die gesetzlich festgeschriebenen Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes hätten dabei stark an Bedeutung verloren. Ansprechpartner für die bayerische Initiative "Gegen die Waldzerstörung" ist unter anderem der frühere Bayreuther Stadtförster Gotthard Eitler. Weitere Infos: www.bi-gegen-die-waldzerstoerung.org

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Kommentare

Narürlich beschweren sich Gäste! Vielleicht nicht in Fichtelberg, bei Herrn Munder! Ist er Ansprechpartner für den zerstören Wald? Vielleicht war Herr Munder auch nicht im Haus...
Vielleicht braucht Herr Munder noch etwas Nachhilfe in Naturschutz und in Staatskunde. Der Wald ist nicht primär Nutzfläche für die Holzgewinnung, wie das Maisfeld für die Silage.
Ja, ja und ihr fahrt wohl noch mit der Pferdekutsche. Schon mal dran gedacht wie viele Arbeitsplätze direkt und indirekt in der Region am Wald hängen?? Ganz zu schweigen von den Gemeinwohlleistungen die ohne die Bayerischen Staatsforsten überhaupt nicht möglich wären (Moorrenaturierung, Erlebnisberg Ochsenkopf, ...).
...in anderen Regionen wird im schwierigen Gelände mit Pferden gerückt...
Wenn man weiß, wie existentiell wichtig auch unser Wald (nicht nur der Urwald in den Tropen!) für unsere eigene Umwelt ist, müsste man viel sorgfältiger mit ihm umgehen. Unsere Vorfahren konnten es nicht wissen, wie die Zusammenhänge zwischen Naturräumen und Klima sind, sie konnten auch nicht wissen, dass die Menschheit inzwischen unsere Erde bis an die Grenzen ausbeutet und belastet. Deshalb pflanzten sie Fichtenwälder als Brotbaum und zerstörten damit den organischen Aufbau des Bodens und das biologische Gleichgewicht.
Aber heute weiß man, dass das langfristig ein Fehler war. Deshalb sollte man eine ganz neue Forstwirtschaft betreiben, die dem Gemeinwohl zu Gute kommt, nicht nur dem Forst.
Ja, es werden inzwischen auch Projekte wie Moorrenaturierungen und Mischwaldanpflanzungen durchgeführt, die dann gut öffentlich vermittelt werden. Aber der große Schritt zu einem Umdenken ist damit nicht getan. Ich finde, allen Forstbeamten sollte das Buch von Peter Wohlleben "Das geheime Leben der Bäume" eine Pflichtlektüre sein. Der Erfolg dieses Buches zeigt doch, dass viele Bürger inzwischen schon weiter sind in ihrer Erkenntnis um den Wald als so manche Forstbeamte.