Nazi-Parolen an Kaminkehrer-Schule

„Eigentlich sind wir Glücksbringer“, sagt Richard Herbst, Innungsmeister der Kaminkehrer aus Ebermannstadt. Aber jetzt muss sich der Innungsmeister mit einem Kollegen beschäftigen, der mit seinen Schülern Naziparolen gegrölt hat. Er ist aus Oberfranken.

Ins Aus- und Fortbildungszentrum für Kaminkehrer in Mühlbach bei Dietfurt werden alle hingeschickt, die Kaminkehrer werden wollen. Das Alter der Schüler geht bei 16 los, es geht bis Mitte zwanzig zurzeit. Es hat nie Probleme gegeben, nicht solche jedenfalls. Nur die üblichen Probleme, „viele, wenn halt die Schüler zusammen sind“, sagt Richard Herbst. Aber Naziparolen hat es nicht gegeben. Bis jetzt.

Von den aktuellen Vorfällen gibt es offenbar ein Video, das dem Bayerischen Rundfunk zugespielt worden ist. Was genau darauf zu sehen ist - «dazu können wir noch nichts sagen», sagte der Polizeisprecher. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang. Laut Kurier-Informationen soll der Ausbilder aus dem Landkreis Hof stammen.

"Sieg Heil" und Horst-Wessel-Lied

Der BR hat mittlerweile Ausschnitte aus dem Video veröffentlicht. Die Szenen sollen sich vor drei Wochen abgespielt haben. Es ist zu sehen und zu hören, wie jemand "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" und mehrfach die Nazi-Parole "Sieg Heil" brüllt. Bilder und Stimmen sind verfremdet. Doch laut BR-Informationen sollen die Schulleiter im Video den Kaminkehrermeister identifiziert haben. Sie zeigen sich entsetzt.

Auch das Horst-Wessel-Lied, die verbotene Parteihymne der NSDAP, soll der Ausbilder mit seinen Schülern angestimmt haben. Auch sei zu sehen, wie der Schornsteinfegermeister antisemitische und homophobe Witze erzählt. Wer mit den Parolen und Liedern angefangen hat, ist unklar. Aber auch wenn der 49-jährige Lehrer nicht Initiator war, „ist uns wurscht“, sagt Herbst. „Er hätte es verhindern müssen.“

Ausbilder vom Dienst suspendiert

Zugetragen hat sich der Vorfall im Aus- und Fortbildungszentrum im Kaminkehrerhandwerk in Dietfurt an der Altmühl (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz). Wie Schulleiter Peter Wilhelm sagte, wurde der Kaminkehrermeister vom Dienst suspendiert und es wurde Strafanzeige gegen ihn erstattet. Zudem habe die Schule dem Ausbilder ein Hausverbot erteilt. Wilhelm zeigte sich entsetzt und verurteilte die Geschehnisse scharf. Die Lehrlinge und deren Eltern informierte er in einem Rundschreiben über den Vorfall von Mitte Januar.

Der Ausbilder wollte sich auf Anfrage des BR nicht äußern. Er ließ durch seinen Anwalt erklären, dass er sich von dem Vorfall distanziere und keine Sympathien für rechtsorientiertes Gedankengut hege. Der Kaminkehrer-Lehrer aus dem Landkreis Hof stand auch unserer Zeitung für ein Gespräch nicht zur Verfügung. Er hat nur seinen Anrufbeantworter an.

Der Anwalt des Kaminkehrers sagte dem Kurier: „Mein Mandant distanziert sich vollends von einer rechtsradikalen Gesinnung. Weitere Angaben werden derzeit nicht gemacht wegen des laufenden Verfahrens.“ Der Staatsschutz ermittelt.

dpa/ott

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Kommentare

Bitte die Passage mit dem angeblichen "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" (00:18) nochmal anhören, und Lügenpressejägern keine Steilvorlage liefern. Ich höre da etwas anderes ...
Hallo Raptor, ich danke für den Hinweis. Ich habe mir den entsprechenden Abschnitt jetzt mehrfach angehört und mich ernsthaft damit auseinander gesetzt. Bei der Videopassage "Ein Volk, ein Reich..." ist jeweils bei "ein" ein Klacken zu hören, sodass sich "ein" fast wie "kein" anhört. Aber ich denke, dass ist eher ein Nebengeräusch, möglicherweise schlägt jemand mit einem Gegenstand oder der Hand auf den Tisch oder eine andere Oberfläche beim Brüllen. Ich denke, dass das Zitat aus dem Video korrekt wiedergegeben ist. Falls ich etwas anderes überhört habe, bitte ich um einen Hinweis.

Mit freundlichen Grüßen,
Moritz Kircher
Hallo MoritzKircher, das wäre eine Erklärung! Kombiniert mit der Verfremdung hört es sich so an. Oder doch ein verfremdetes "k" wie ein Klacken?
Egal ... vielen Dank, dass Sie sich meiner Anfrage gewidmet haben!
...was ist denn da zu hören?
Ich habe es absichtlich nicht geschrieben, um nicht das Anhören zu manipulieren.
Vielleicht bin ich der einzige, der zweimal das Gegenteil hört.
Ich hörte: "Kein Volk, kein Reich, ein Führer." Wie ist denn das zu interpretieren?
Was hat denn das mit der Ausbildung zum Kaminkehrer zu tun?
Warum sollte denn dieser eine Ausspruch so bedeutsam sein, ob jetzt mit "k" oder ohne. "Ein Führer" dürfte doch deutlich zu hören gewesen sein. Schließlich war ja noch viel mehr aufgenommen worden. Sollte das wieder einmal ein Versuch sein, etwas zu relativieren oder gar in Frage zu stellen?

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