Nachtfrost: Sorge um die Ernte

Nach zwei frostigen Nächten fürchten Bayerns Winzer, Obst- und Spargelbauern um ihre Ernten. «Es war letzte Nacht bedenklich kalt», sagte Obstbauberaterin Karin Wudler aus Lindau. Die Region am Bodensee gilt als eines der großen Obstanbaugebiete im Freistaat.

Weil sich die Bäume jedoch in verschiedenen Entwicklungsstadien befänden, seien nicht sämtliche Bestände in Gefahr, sagte Wudler. «Je weiter die Früchte sind, desto schwieriger vertragen sie die Kälte.» Und die Nacht zum Freitag sollte noch kälter werden.

Das bereitete auch den Spargelbetrieben Sorgen. «Die Erntemengen sind extrem reduziert», sagte Spargelbauer Hans Gänger aus Niedermotzing im Landkreis Straubing-Bogen. Um zwei Drittel sei der Ertrag im Vergleich zu vor zehn Tagen zurückgegangen. Weißer Spargel, der unter der Erde wächst, sei etwas weniger gefährdet als die grüne Variante.

Große Schäden beim Steinobst

«Der Grünspargel erfriert.» Weil die Spargelernte heuer jedoch sehr früh begonnen habe, und zwar gleich mit großen Erntemengen, könne das aktuelle Defizit gut aufgefangen werden. «Das ist keine Katastrophe.»

Beim Obst sieht das anders aus: Junge Früchte überstünden bei minus 1,7 Grad etwa 30 Minuten lang unbeschadet, erklärte Karin Wudler. In der Vollblüte seien es 30 Minuten bei minus 2,3 Grad. In der Nacht zum Donnerstag sei es aber deutlich kälter gewesen. Am Morgen zeigten die Thermometer in der für die Obstbäume relevanten Höhe von zwei Metern bis knapp drei Grad unter Null.

Auch beim Steinobst wie Aprikosen, Zwetschgen und Kirschen rechnet Wudler mit großen Schäden. Einige Kirschsorten stünden aber noch in der Blüte, die dürften nicht so stark betroffen sein. Wudlers Fazit nach dem Frost: «Ich bin zuversichtlich, dass einige Anlagen doch noch Ertrag bringen werden.»

Ungünstig: Lange Dauer des Frostes

Empfindlich sind auch die Blüten der Erdbeeren. Seine Felder habe er doppelt mit Flies abgedeckt, sagte Landwirt Gänger aus Niederbayern. Zudem laufe die ganze Nacht über die Beregnungsanlage für einen zusätzlichen Frostschutz. «Das muss man sich wie einen Eispanzer vorstellen, der isoliert.»

Auch die Rebstöcke in den fränkischen Weinanbaugebieten haben aufgrund des warmen Wetters im März zehn bis zwölf Tage eher ausgetrieben als üblich. Deshalb sind sie nun deutlich empfindlicher, wenn es friert. «Die Nacht war überraschend kalt."

"Wir haben bis zu minus vier Grad Celsius in den Weinbergen gemessen», sagte Hermann Kolesch, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim über die erste Frostnacht. Ungünstig sei zudem die fast sechsstündige Dauer des Frostes gewesen.

"Panik ist noch nicht angesagt"

«Franken ist insgesamt betroffen. Es sind in allen Regionen Frostschäden da. Wir können schon jetzt davon ausgehen, dass es keine normale Ernte werden wird», sagte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes. Er und seine Kollegen hoffen darauf, dass die kommenden kalten Nächte kaum noch Frost bringen.

«Ich denke aber, wir sind bislang mit einem hellblauen Auge davon gekommen. Es war gut, dass es eine trockene Kälte war und dass die Böden an der Oberfläche durch den Regen der vergangenen Tage mit Wasser gesättigt waren», sagte Weinbau-Experte Kolesch. Dadurch sei die Wärme des Tages noch im Boden gespeichert gewesen.

Die Winzer setzen nun auf die nächsten Triebe der Rebstöcke und hoffen, dass sie genügend Frucht tragen werden. Zudem seien die Keller dank des ertragreichen Jahrgangs 2016 noch voll. «Panik ist noch nicht angesagt», so Winzerpräsident Steinmann.

dpa

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