Nach tollem Start: Medi-Team besiegt Bonn

Damit festigten die Bayreuther ihre Position in den Playoff-Plätzen, denn sie bauten den Abstand zu einem direkten Konkurrenten auf stattliche acht Punkte aus. Ihr zu Saisonbeginn nicht für möglich gehaltener Platz unter den vier besten Mannschaften ist nun ohne jeden Zweifel verdient, denn sie haben lediglich gegen die drei anderen Spitzenteams verloren – zweimal sogar erst nach Verlängerung (Ulm und Bamberg) und nur in München innerhalb der regulären Spielzeit.

Ein Markenzeichen des Medi-Teams während der gesamten Vorrunde war auch gestern der entscheidende Faktor: Die Bayreuther starteten mit einer mitreißenden Energie, die den Gegner anfangs regelrecht überrollte. Sie investierten maximales Engagement nicht nur in die Verteidigung, sondern auch beim Rebound und in jedem anderen Kampf um den Ball an jeder Stelle des Feldes. So standen nach dem ersten Viertel neben einem Reboundvorteil von 9:6 vor allem schon fünf Ballgewinne für die Gastgeber zu Buche und gar sieben Ballverluste für Bonn.

Diese Erfolge in der Defensive wurden konsequent in sehr hohes Tempo umgesetzt, dass aber nicht hektisch wirkte, sondern mit Bedacht und Übersicht abgeschlossen wurde. Den größten Anteil an der klaren 28:11-Führung nach zehn Minuten hatte Trey Lewis mit elf Punkten (3/3 Dreier).

40:18-Führung nach 15 Minuten

Als die Bonner auch im zweiten Viertel kein Gegenmittel fanden, schien sich beim 40:18-Zwischenstand nach 15 Minuten bereits eine Vorentscheidung abzuzeichnen. Dann verbesserten zwei Dreier von Josh Mayo zwar die dürftige Trefferquote der Gäste aus der Distanz (4/15 bei Halbzeit) und verkürzten auf 44:32, doch in den verbleibenden 70 Sekunden bis zur Pause antwortete das Medi-Team souverän: Der Alleingang von Kyan Anderson zum 46:32 war wichtig, um keine Unsicherheit aufkommen zu lassen, und Lewis ließ seinen vierten fehlerfreien Dreier zum 49:32 folgen.

In der zweiten Hälfte wurde es dann doch noch einmal spannend und das sogar ziemlich schnell. Vier Dreier der Bonner durch Ryan Thompson (2), Mayo und Ojars Silins sowie auf Bayreuther Seite ein paar Ballverluste von Anderson, der es in dieser Phase mit der Eigeninitiative ein wenig übertrieb, waren die wesentlichen Faktoren für 6:22 Punkte innerhalb von fünf Minuten, die den Abstand auf 55:54 schmelzen ließen.

Obwohl die Gäste zu diesem Zeitpunkt durch den Ausfall von Thompson geschwächt wurden, der ohne gegnerische Einwirkung umgeknickt war, hielten sie den Anschluss bis zum 62:61 und verkürzten auch im letzten Viertel noch einmal vom 74:65 (34.) auf 74:71 (37.), doch der Ausgleich gelang ihnen nie. Vorentscheidend war zweieinhalb Minuten vor dem Ende der Dreier von Nate Linhart zum 77:71, nachdem 20 Sekunden zuvor Mayo bei zwei Freiwürfen die Chance für die Gäste vergeben hatte, noch einmal auf einen Punkt heran zu kommen. Ein Dreier des Ex-Bayreuthers Ken Horton verkürzte zwar 64 Sekunden vor Schluss nochmals auf 79:76, aber Anderson und Assem Marei schlossen die letzten Bayreuther Angriffe erfolgreich ab.

Einzelkritik (von Florian Kirchner)

KYAN ANDERSON (22 Punkte / 30:05 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -6): Extrem giftig in der Defensive. Nahm Bonns Spielmacher Josh Mayo vor dem Seitenwechsel mehrmals den Ball aus den Händen. Übernahm nach dem Seitenwechsel viel Verantwortung bei der Korbjagd, als bei seinen Nebenleuten zeitweise nichts gelingen wollte. Topscorer mit 22 Punkten sowie je drei Assists und Ballgewinnen.

NATE LINHART (13 / 29:11 / 5): Der Routinier versenkte den ersten Dreier der Partie zum 7:4 (3.), gab tolle Anspiele, und leistete unermüdliche Defensivarbeit, insbesondere gegen Bonns Topscorer Thompson. Kam am Ende auf 13 Punkte und 5 Rebounds.

Bastian Doreth (0 / 16:21 / 9): Der Kapitän blieb diesmal ohne Punkte und beschränkte sich auf seine Rolle als Ballschlepper und ergatterte sich beachtliche sechs Rebounds.

ANDREAS SEIFERTH (2 / 18:08 / 0): Bereitete mit einem Zuckerpass auf Lewis das 16:9 (6.) vor und zwang Bonns Trainer zur ersten Auszeit. Danach kamen vom Bayreuther Centerspieler aber kaum noch Impulse; zwei Punkte und kein Rebound.

TREY LEWIS (18 / 31:36 / 4): Der Medi-Topscorer drehte vom Start weg auf und hatte nach zehn Minuten bereits 11 Punkte (3 Dreier) auf dem Konto. Hatte danach gegen Bonns Besten, Yorman Polas Bartolo, einen schweren Stand; 3 Rebounds, 2 Assists.

Steve Wachalski (0 / 12:20 / 8): Offensiv derzeit ohne „Touch“, in der Defensive gegen den starken Letten Ojars Silins mit großen Problemen; 0/2 Würfe, 3 Rebounds.

Robin Amaize (7 / 12:47 / 3): Führte sich nach seiner Einwechslung mit einem Dreier gut ein, legte noch zweimal aus der Mitteldistanz nach. Nach dem Seitenwechsel unauffällig; 7 Punkte, 1 Rebound, 3 Assists.

DE’MON BROOKS (8 / 27:40 / -3): Zeigte sich von seiner Handverletzung unbeeindruckt, markierte die ersten vier Punkte der Partie, darunter ein krachender Dunking, und ging danach keinem Körperkontakt aus dem Weg. Knapper Sieger im Duell mit seinem Vorgänger Horton; 2 Rebounds.

Assem Marei (13 / 21:52 / 5): Physisch stark und einsatzfreudig, aber auch mit einigen unglücklichen Aktionen. „Big Points“ in kritischen Phasen zum 62:56 (27.), zum 79:71 (39.) und per Tipp-In zum 83:78-Endstand. Sieger im teaminternen Centerduell mit Seiferth mit 13 Punkten, 8 Rebounds.

Statistik

Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 29/56 (52 Prozent), davon 9/21 Dreier (43 Prozent): Lewis (4/6), Linhart (3/4), Amaize (1/3), Anderson (1/5); Freiwürfe: 16/17 (94 Prozent); Rebounds: 24 defensiv, 7 offensiv (Marei 6/2); Ballgewinne: 9; Ballverluste: 20 (Anderson 5, Marei 5); Assists: 16; Effektivität: 91 (Linhart 18, Lewis 16, Anderson 16, Marei 15, Amaize 10).

TB Bonn: SILINS (15 Punkte / 28:09 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 7), Barovic (6 / 21:35 / -6), THOMPSON (10 / 19:31 / 3), Richter (0 / 05:08 / -2), GAMBLE (6 / 18:25 / 1), DiLeo (0/ 10:29 / -8), Koch (5 /13:18 / -6), Bartolo (15/ 29:25 / 2), MAYO (14 / 35:12 / -3), HORTON (7 / 18:48 / -13); Feldwurfquote: 28/64 (44 Prozent), davon 11/31 Dreier (35 Prozent): Mayo (4/12), Silins (3/4), Thompson (2/3), Koch (1/4), Horton (1/4); Freiwürfe: 11/17 (65 Prozent); Rebounds: 21 defensiv, 12 offensiv (Bartolo 3/5); Ballgewinne: 11; Ballverluste: 18; Assists: 15; Effektivität: 79 ( (Bartolo 19).

SR: Reiter, Simonov, Mutapcic; Zuschauer: 3300 (ausverkauft).

Stationen: 9:9 (5.), 28:11 (1. Viertel), 40:18 (15.), 44:32 (19.), 49:34 (Halbzeit), 55:54 (26.), 62:61 (28.), 68:63 (3. Viertel), 74:65 (34.), 74:71 (37.), 79:71 (39.), 79:76 (39.), 83:78 (Ende).

Trainerstimmen

Predrag Krunic (Bonn): „Gratulation zum verdienten Sieg! Ich denke, das war ein gutes Basketballspiel. Beide Mannschaften haben bis zum Ende gekämpft. Wir haben den Start verpasst, haben viele einfache Fastbreaks und Würfe zugelassen. Aber wir haben gut gekämpft und sind im letzten Viertel bis auf einen Punkt herangekommen. Wir hatten die Chance zu gewinnen, haben am Ende aber die Würfe nicht getroffen. Bayreuth hat getroffen, das hat im Endeffekt den Ausschlag gegeben. Um in Bayreuth zu gewinnen, muss eine Mannschaft noch ein Stück besser spielen.“

Raoul Korner (Bayreuth): „Wir haben ein sehr interessantes Spiel gesehen. Aus unserer Sicht war es für zehn Minuten ein emotionales Spiel. Wir sind mit einer derartigen Explosion und Energie gestartet und wussten, dass wir das nicht halten können. Dann waren wir gezwungen, vom emotionalen Basketball zum rationalen Basketball umzustellen. Wir haben es nicht mehr geschafft, diese Energie aufs Parkett zu bringen. Wenn einem das nicht mehr gelingt, muss man simpel spielen, sehr strukturiert. Diesen Switch haben wir nicht geschafft. Das war dem enormen Energieaufwand der Bonner geschuldet, die sich das natürlich nicht gefallen lassen, hier so in Rückstand zu geraten. Sie haben eine gute Teamchemie und stecken nicht auf. Zudem sind sie eine gut gecoachte Mannschaft, und es war klar, dass sie eine Antwort finden würden.

Der Grund, warum wir letztendlich doch gewonnen haben, waren Kleinigkeiten; der eine oder andere Rebound. Wir haben den Ball nicht weggeworfen als es wichtig war, und 20 Turnover sind für uns auch untypisch. Zum Schluss haben wir die die wichtigen Aktionen gemacht. Wir können sehr stolz auf die Hinrunde sein, mit einer 13:3-Bilanz. Darüber können wir uns sehr freuen, aber nicht darauf ausruhen.“

5 (2 Stimmen)

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