Nach Starkregen Kulmbach unter Wasser

„Um 16.20 Uhr ging die erste Unwetterwarnung ein. Um 16.24 Uhr kam der erste Notruf“, sagte Harald Sass, Schichtführer bei der Integrierten Leitstelle Bayreuth-Kulmbach. Der Anrufer sei aus Mangersreuth gewesen.

Der Starkregen am Samstag zwischen 16.30 und 17.15 Uhr in und um Kulmbach setzte zahlreiche Straßen und Keller unter Wasser. „Baumgeröll wurde über die Fahrbahnen gespült. Gullideckel durchs Wasser hochgedrückt. Über die Dächer lief teilweise Wasser in  die Häuser“, sagte Sass. Der sintflutartige Regenfall traf große Teile der Bierstadt. „Im Grund erhielten wir Anrufe aus dem gesamten Stadtgebiet, von der Wolfskehle bis nach Mangersreuth“, schildert der Schichtleiter.

Schlammlawine

„Kurze Zeit später kamen die Anrufe dann aus dem Umland, zum Beispiel aus Untersteinach, Ludwigschorgast, Guttenberg und Kupferberg“, berichtete Sass. Zwischen Kauerndorf und Kauernburg ging eine Schlammlawine vom Hang ab. Die B289 musste daher etwa eine Stunde gesperrt werden, genau wie die B85. Zahlreiche Straßen im Umland waren ebenso geflutet.

Sass zufolge überschwemmte das Unwetter auch viele Fahrbahnen in und um Ludwigschorgast. In rund 180 Einsätzen waren das Technische  Hilfswerk (THW), das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und die Freiwilligen Feuerwehren vor Ort, um zu helfen.

Fast alle Wehren im Einsatz

„Es gab nur ganz wenige Feuerwehren aus dem Landkreis, die nicht im Einsatz waren“, verdeutlichte der Mitarbeiter der Integrierten  Leitstelle. Gegen 19 Uhr habe sich die Lage dann zunehmend entspannt. „Zwischen 20 und 23 Uhr haben wir vor allem Anrufe von Menschen bekommen, die nachmittags unterwegs waren und erst am Abend zu Hause die Schäden gesehen haben.“

Feuerwehr, THW und BRK seien bis um 2.30 Uhr im Einsatz gewesen. Im Kulmbacher Feuerwehrzentrum richtete man laut Sass das Kreiseinsatzzentrum ein, um die Einsätze der Rettungskräfte zu koordinieren. „Wir haben einen Notruf entgegengenommen, ihn dann an das Kreiseinsatzzentrum weitergegeben, das dann die einzelne Feuerwehren alarmiert hat“, schilderte Sass das Vorgehen.

Laut Einsatzprotokoll sei durch das Unwetter niemand verletzt worden, erläuterte Sass. Er betont aber: „Es gingen am Samstag ja auch andere Notrufe bei uns ein. In manchen Fällen ist es schwierig nachzuvollziehen, wie ein Unfall genau zustande kam.“

Plötzlich Vollgas geben

Sass schilderte, wie es am Samstagnachmittag in der Integrierten Leitstelle zuging: „Es war eigentlich ein sehr ruhiger Nachmittag. Sozusagen von fast null auf hundert mussten wir loslegen, Vollgas geben. Innerhalb von zwei, drei Minuten gingen 20 bis 30 Notrufe ein.“ Über Rufbereitschaft habe man zusätzliche Mitarbeiter zur Verstärkung in die Leitstelle gerufen. „An einem normalen Samstag arbeiten bei uns vier Leute, am Samstag waren wir 15“, erklärte Sass.

Infolge der Notrufe müsse man nicht nur die Einsatzkräfte alarmieren. „Am Samstag haben wir auch zum Beispiel mit Energie-Versorgungsunternehmen telefoniert, deren Mitarbeiter dann vor Ort den Strom abgestellt haben, weil das Wasser zu hoch im Keller stand.“ Laut Polizeihauptkommissar  Sigurd Karg von der Polizeiinspektion Kulmbach war die Polizei vor allem bei den Straßensperrungen im Einsatz.

Die größten Schäden seien wahrscheinlich in zwei Hotels und einem Bekleidungshaus zu verzeichnen. Zu den Schäden in Privathäusern kann die Polizei Kulmbach keine Angaben machen.

Einsatz auch noch am Sonntag

Auch die Einsatzliste der Polizeiinspektion Stadtsteinach war am Samstag sehr stark vom Unwetter geprägt: ein Blitzeinschlag in Marktleugast, ein Baum auf der Fahrbahn im Neuenmarkter Ortsteil Raasen,  eine überflutete Straße in Trebgast, eine mit Schlamm überzogene Fahrbahn nahe der Kosermühle bei Marktleugast, noch ein umgestürzter Baum zwischen Guttenberg und Untersteinach, Geröll auf der Straße zwischen Kupferberg und Ludwigschorgast. Dorthin wurde die Polizei Stadtsteinach wegen des Starkregens selbst noch am Sonntag gerufen.

Nicht bewertet

Anzeige