Nach Rauswurf: "Bayreuth hätte Meese nicht beauftragen sollen"

„Wenn man in Bayreuth nicht mit Jonathan Messe arbeiten möchte, und nur darum scheint es zu gehen, dann hätte man ihn einfach nicht beauftragen sollen“, sagt Meeses Sprecher. „Damit hätte Bayreuth sich viele Diskussionen erspart.“

Am Freitag hatten die Bayreuther Festspiele Kurier-Recherchen bestätigt, wonach Meeses Engagement als „Parsifal“-Regisseur 2016 beendet sei. Zur Begründung hieß es, Meeses Entwürfe sprengten den Kostenrahmen erheblich. Der Verwaltungsrat sei nicht bereit, dies mitzutragen; in diesem Gremium ist auch die Mäzenatenvereinigung „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ vertreten, die ihre Skepsis gegenüber Meese wiederholt zum Ausdruck brachte.

Das Kosten-Argument sei nicht richtig, erklärt jetzt Meeses Büro. Nach Meeses Kalkulation hätte er das Budget unterschritten. „Auf seine Bitte an Bayreuth, ihm transparent zu machen, auf Grundlage welcher Kalkulationen Bayreuth zu einem anderen Ergebnis kommt, hat man ihm keine Zahlen vorlegen können, sondern lediglich pauschal und adhoc behauptet, das Ganze werde zu teuer.“ In diesem Stadium wäre es „der normale Weg in einer Partnerschaft gewesen, dass man im Detail über die Kostenkalkulation spricht, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Zu solchen Gesprächen war Bayreuth nicht bereit“. Tatsächlich gehe es um ein ganz anderes Thema , das man Jonathan Meese gegenüber nicht benennen möchte.

Um welche Summe Meeses Realisierung das Budget gesprengt hätte, dazu wollte Sense auf Anfrage keine Angaben machen. Teuer seien vor allem „sehr viele Kleinigkeiten“ geworden, sagte er dem Kurier. „Sie haben eine große Bühne und ein langes Werk – das eröffnet viele Möglichkeiten, vieles auf die Bühne zu stellen.“

Sense kündigte an, die Etats für künftige Produktionen senken zu wollen. „Was man auf der Bühne sieht, muss künftig günstiger sein als bisher.“ Damit lägen die Festspiele im internationalen Vergleich immer noch im oberen Drittel, was die Höhe der Produktionsbudgets betrifft.

Um seine Arbeit an der Inszenierung fortsetzen zu können, habe Meese in einem Gespräch mit Herrn Sense angeboten, etwahige Mehrkosten selbst zu tragen. „Auch dieses Angebot wurde sofort abgelehnt, obwohl es eine Lösung gewesen wäre, die Bayreuth von jedem Risiko in diesem Punkt freigestellt hätte und mit der man keine Zeit bei der weiteren Vorbereitung der Inszenierung verloren hätte.“

Meese selbst veröffentlichte eine Erklärung im „Spiegel“. Darin heißt es: „Wer Meese einlädt, bekommt auch Meese, fertig. Sich bei Meese zu spät zu wundern, was kommt, ist provinziell.“ Meese sei nicht an Wagner gescheitert, sondern Bayreuth an Meese. Er habe leider nie die wahren Chefs getroffen. „Die sichtbaren Personen sind nur Marionetten und nicht entscheidungsfähig.“

Am Montag erklärte Festspiele-Sprecher Peter Emmerich, dass die Festspiele nun schnellstmöglich einen neuen Regisseur für den "Parsifal" 2016 anwerben werden.

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Kommentare

So einem Vollidioten braucht man nichts nachweinen. Der sollte einmal die Irrenanstalt aufsuchen. Und überhaupt, das Konzept dieses Herren war alles andere als überzeugend. Von Musikkunst versteht er auch nichts.
So oder ähnlich haben sie auch über Picasso, Einstein, Kopernikus, Galilei geredet – supi weiter so!
Egal, wie man dazu steht: Meese mit diesen Herren zu vergleichen, ist schon etwas daneben...
Über Kunst und den Kunstbegriff kann man natürlich streiten, nur kann ich als Wagnerianer light nicht mehr nachvollziehen, warum Inszenierungen zuweilen nur um der Provokation willen entstehen. Kann man Bayreuth denn nur so in den Schlagzeilen halten? Aber das müssen sich die Verantwortlichen fragen, ich bin nur Zuschauer/Zuhörer.