Nach der großen Flüchtlingswelle

Am Marktplatz in Bad Berneck steht ein Haus, das schon äußerlich besonders ist. Seine durchgehenden filigranen Balkongeländer aus Schmiedeeisen bringen exotisches Flair in die Kur-stadt. Die einen erinnert es an Italien, andere an das legendäre French Quarter von New Orleans. Für bis zu 100 Menschen in Bad Berneck ist das Haus Anlaufstelle für Hilfe auf dem komplizierten Weg durch das Leben in Deutschland. Das Haus gehört Jörg und Kerstin Schröder. Sie sind zwei von aktuell gut einem Dutzend Menschen in Bad Berneck, die sich in ihrer Freizeit um die Neubürger kümmern.

Ansprechpartner für alles

Vor knapp zwei Jahren, als eine Notunterkunft in Bad Berneck öffnete, als die Angst umging, dass möglicherweise bis zu 400 Flüchtlinge und Migranten die Kurstadt überfordern könnten, hatten sich rund 70 Menschen gefunden, die die Herausforderung annehmen wollten. Mit der Zahl der Migranten ist auch die der Helfer wieder zurückgegangen. Aber die Arbeit ist geblieben. Sie ist jetzt nur anders.

„Damals ging es darum, der erste Ansprechpartner für alles zu sein“, blickt Kerstin Schröder zurück. „Und wir wollten die Menschen wenigstens für einen halben Tag aus ihrer Unterkunft holen, ihnen was anderes zeigen, was mit ihnen unternehmen.“ Menschen, die in der Regel nach wenigen Wochen schon wieder weg waren aus Bad Berneck. „Das hat manchem Helfer zu schaffen gemacht, damit kam nicht jeder klar“, sagt Schröder.

Die Aufgaben sind klar verteilt

Heute ist das anders. Viele der aktuellen Klienten der Bernecker Flüchtlingshelfer sind Menschen, die als Flüchtlinge anerkannt sind und zumindest für einige Jahre eine Perspektive in Deutschland haben. Sie brauchen Hilfe bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen, beim Ausfüllen von Formularen und bei der Erläuterung, was in amtlichen Schreiben steht, die sie bekommen.

Anders als früher sind die Aufgaben klar verteilt: Einer kümmert sich um die Kleiderkammer, jemand anderes macht Hausaufgabenbetreuung (zweimal die Woche). Wieder andere sind inzwischen zu echten Fachleuten beim Thema Asylrecht geworden. „Früher mussten wir alles erst googlen“, sagt Doris Hofmann.

37 anerkannte Flüchtlinge leben in Bad Berneck

Das Thema Asylrecht können Mahmood und Mahbubeh erst mal abhaken. Das Paar aus Iran und ihr Sohn dürfen bleiben. Mahmood hatte eine Elektrofirma mit vielen Angestellten, führte Aufträge der Regierung aus. Doch die blieb ihm das Geld dafür schuldig. Als Mahmood nachhakte, gab es statt Geld Gefängnis, erzählt er. Er und seine Frau gehen in die „Schule“ (Integrationskurs), lernen Deutsch. Leute wie Kerstin Schröder und Doris Hofmann helfen ihnen beim Ausfüllen von Formularen und ihrem Sohn bei den Hausaufgaben.

Die Familie aus dem Iran gehört zu den inzwischen 37 anerkannten Flüchtlingen, die in Bad Berneck eine Wohnung gefunden haben, viele davon in der von Leerstand geplagten Oberstadt. Im Haus von Jörg und Kerstin Schröder, in dem im Erdgeschoss die Begegnungsstätte ist, wohnt eine syrische Witwe mit ihren sieben Kindern. „Wir bekommen die Rückmeldung, dass die Leute nach ihrer Anerkennung in Bad Berneck bleiben wollen, weil sie hier Unterstützung bekommen“, so Kerstin Schröder.

Manche vermieten an Flüchtlinge, andere nicht

Sie räumt aber auch ein, dass die in Bayern geltende Wohnsitzauflage eine Rolle spielt, bei dem im konkreten Fall anerkannte Flüchtlinge auf den Landkreis Bayreuth festgelegt sind. Bei der Wohnungssuche gebe es Vermieter, die umstandslos an Flüchtlinge vermieten. Und solche, die es unter keinen Umständen tun, „aber das ist bei weitem die Minderheit“, so Schröder.

Und dann gibt es Menschen wie Zainiddin. In seiner nordafghanischen Heimat hatte er ein Restaurant gehabt. Und nun lernt er Koch in einem Bad Bernecker Wirtshaus, nachdem er dort bei einem Praktikum einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Die Ausländerbehörde habe der Wirtin abgeraten, weil sein Asylantrag abgelehnt werden könnte und er die Lehre dann abbrechen müsste. Die Wirtin habe gesagt, „das kann mir mit einem deutschen Lehrling auch passieren, dass er abbricht“ und habe ihn eingestellt, erzählt Kerstin Schröder.

Zainiddins Antrag wurde abgelehnt, begründet auf 13 Seiten. Einige Bundesländer haben Abschiebungen nach Afghanistan ausgesetzt. Bayern gehört nicht dazu. Nun unterstützen ihn die Helfer auf dem Rechtsweg. Zainiddin wirkt trotz seiner prekären Lage gefasst. Er ist dankbar und sagt: „Die Menschen in Deutschland haben mir immer geholfen.“

Kontakt zum Helferkreis

Der Flüchtlingshelferkreis ist noch offen für weitere Helfer. Kontakt: Kerstin Schröder, 0 92 73/50 27 15, Doris Hofmann 0 92 73/71 03, E-Mail: post@fluebb.de oder auf Facebook „Flüchtlingshilfe Bad Berneck“.

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