Musisches Talent mit Technikverstand

„Ich bin ein typischer Einzelgänger“, sagt Pongratz im Gespräch mit dem Nordbayerischen Kurier. Was man ihm nicht so recht glauben mag, denn der Mann hat etwas zu erzählen. Viel zu erzählen. „Tage“ würde das dauern, wenn er zu seinem 90. alles erzählen würde, was in seinem Leben wichtig war, was er alles erlebt hat. Sein Leben war und ist geprägt einerseits von einem musischen Talent, andererseits von einem Verständnis für Technik und Feinmechanik, das ihn rund 30 Patente anmelden ließ.

Gebürtiger Nürnberger

Was er selbst nicht tun würde, tun andere: Menschen in seinem Umfeld bezeichnen ihn gerne als „Genie“. Schon im Kindesalter fing die außergewöhnliche Karriere des gebürtigen Nürnbergers an. Mit acht Jahren schmetterte er Opernarien. Die markante Stimme brachte ihn später zu einem Musikstudium. Zuvor gründete Pongratz im Alter von 18 Jahren in Nürnberg ein Uhrengeschäft. Die Facharbeiterprüfung zum Uhrmacher legte er im Nachhinein spielend leicht ab. Seit 1950 (das Uhrengeschäft gab es nicht mehr) widmete sich Pongratz dem Entwickeln technischer Patente, war in verschiedenen Firmen des deutschen Wirtschaftswunders angestellt. Sein Erfindergeist und seine innovativen Problemlösungen waren begehrt.

Medizinische Einmalartikel

1970 gründete er die Firma Alpo-Technik in Gunzendorf, die zunächst Spielzeug und dann medizinische Einmalartikel herstellte – mit selbst entwickelten Maschinen. 1998 hat er die Firma verkauft, die im Auerbacher Industriegebiet, wo die Stadt auch eine Straße nach ihm benannte, weiter produziert. „Ich wollte einfach wieder kreativ arbeiten“, erzählt Pongratz. Dafür ging er in das spanische Baskenland, wo er wieder sein technisches Verständnis und sein fotografisches Gedächtnis arbeiten lassen konnte.

Viele Höhen und Tiefen

Vor zwei Jahren ist Alfred Pongratz wieder nach Gunzendorf zurückgekehrt, wo er vielleicht seine Memoiren schreiben wird. Es wird eine Lebensgeschichte mit vielen Höhen und Tiefen, glücklichen und unglücklichen Umständen. „Ich merke manchmal schon die 90 Jahre“, sagt er, was ihn nicht daran hindert, sich seinen Kopf über Politik, Philosophie, Ethik und letztendlich über technische Verbesserungen zu zerbrechen: „Geld war für mich überhaupt nicht wichtig, das ist von alleine gekommen – mich hat immer nur die Sache interessiert.“

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Montag, 13. November 2017 - 11:06