Museum: Dieser Weg wird kein leichter sein

Was hat Martina Ruppert doch für einen wunderbaren Posten. Sie ist befördert worden, von der Vize zur Chefin des Historischen Museums. Es kann nur faszinierend sein, sich mit der Geschichte einer Stadt zu beschäftigen, die so viel erlebt hat wie Bayreuth. Wir gratulieren also, toller Job, Frau Ruppert, alles Gute. Der Nachteil daran: Sie wird unsere Glückwünsche dringend gebrauchen können. Martina Ruppert wird ein Museum leiten, das für seine großen Aufgaben geringe Mittel hat. Man kann es auch so sagen: Mittel, die nicht ausreichen. An drei Punkten kann man das festmachen.

Zu wenig Personal und Platz

Das historische Museum hatte bislang zwei wissenschaftliche Mitarbeiter, mit den Ausscheiden der alten Chefin Habermann und der Beförderung ihrer Stellvertreterin ist eine Stelle weggefallen. Zweitens: Das Historische Museum hat zu wenig Platz. Abhilfe wird so schnell nicht kommen. Drittens: Das Historische Museum ist für Angelegenheiten zuständig, für die es nicht zuständig sein sollte. Etwa die Wilhelm-Leuschner-Gedenkstätte in Moritzhöfen mit all ihren Fragwürdigkeiten. Warum sollte Bayreuth nur an einen Widerstandskämpfer erinnern, wo bleibt das Gedenken an all die anderen? Ruppert ist auch für das Stadtarchiv zuständig. Und dieses Problem ist sogar noch drängender. Klar ist: Dort, wo es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Wohin es soll, ist noch nicht raus. So, wie es jetzt gerade ist, kann es auch nicht bleiben. Nur so viel: Die Mitarbeiter dort sind viel, viel besser als die Umstände, unter denen sie arbeiten. Die Umstände sind – vorsintflutlich. Es wird schwierig sein, sich unter diesen Umständen auch nur auf den Kernbereich zu konzentrieren. Aktuelle Ausstellungen waren in den vergangenen Jahren selten, es gab nichts zum Ersten Weltkrieg, nichts zur Reformation. Wie aber soll sich das Museum künftig auf derlei Themen einstellen?

Ein bisserl was, mehr nicht

Das Museum ist mit all den Herausforderungen, vor denen es steht, ein Beispiel für die Bayreuther Kulturpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Förderung so lala, ein bisserl halt, und das überall hin. Ein Wildwuchs, den Fabian Kern als Kulturreferent irgendwann mal in einen Garten verwandeln wollte. Um aber so etwas Komplexes wie das Historische Museum wieder zum Blühen zu bringen, braucht es mehr als die Gartenschere. Da braucht’s auch Dünger.

michael.weiser@nordbayerischer-kurier.de

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