Müllsammler finden Babyleiche in Tüte

Müllsammler haben in Niedersachsen die Leiche eines Babys in einer Supermarkt-Plastiktüte gefunden. Der kleine Junge wurde auf einer illegalen Müllhalde südlich der Ortschaft Knesebeck im Kreis Gifhorn entdeckt. Wie das Kind zu Tode kam, konnte bei einer ersten Obduktion nicht geklärt werden.

Der Verwesungszustand des Körpers sei schon zu weit fortgeschritten gewesen, sagte Polizeisprecher Thomas Reuter. Nun soll eine komplexe Gewebeuntersuchung dabei helfen, Todesursache und Todeszeitpunkt zu klären. Die Auswertung dieser Untersuchung könne mehrere Wochen dauern.

«Der Rechtsmediziner hat uns keine großen Hoffnungen gemacht, dass wir noch rauskriegen, wie das Kind gestorben ist. Wir versuchen es, vielleicht haben wir ja Glück», sagte Reuter. Theoretisch könnte das Baby auch tot zur Welt gekommen sein. Hinweise auf die Eltern des Kindes gebe es bisher nicht.

"Erst beim zweiten Hinsehen wurde klar, dass es sich um ein totes Baby handeln könnte"

Entdeckt wurde die Babyleiche bei einer großen Müllsammelaktion, zu der der Landkreis Gifhorn am Samstagvormittag alle Einwohner aufgerufen hatte. 63 Ortschaften in der Region beteiligten sich, auch Vereine, die Kreisjugendfeuerwehr und ganze Schulklassen machten mit.

Südlich der 2500-Einwohner-Ortschaft Knesebeck, einem Stadtteil von Wittingen, machte eine Gruppe von Männern dann gegen 11.30 Uhr die grausige Entdeckung: In einer Plastiktüte wurde die verweste Leiche gefunden. «Erst beim zweiten Hinsehen wurde klar, dass es sich um ein totes Baby handeln könnte», sagte Polizeisprecher Reuter.

Die Männer räumten eine wilde Müllkippe vor einem kleinen Waldstück auf. «Da wird immer mal wieder illegal entsorgt. Manchmal stehen alte Fernseher da, manchmal werden alte Autoreifen abgeladen», sagte der Polizeisprecher. Diesmal fanden die Männer auf dem Platz direkt an einem Feldweg die Supermarkt-Plastiktüte mit dem grausigen Inhalt. «Was für eine Tüte das genau war, sagen wir aus ermittlungstaktischen Gründen nicht», sagte Reuter.

"Wir hoffen, auch DNA-Spuren von der Mutter zu finden"

Ein 72-jähriger Mann alarmierte die Polizei, der Fundort wurde weiträumig abgesperrt. Die Beamten sicherten Spuren und befragten die Zeugen. Auch am Sonntagvormittag gab es noch einmal einen Ortstermin.

Die Leiche des kleinen Jungen wurde in die rechtsmedizinische Abteilung der Medizinischen Hochschule Hannover gebracht, wo die Obduktion noch am Samstagabend begann. Obwohl der Säugling nach Einschätzung des Rechtsmediziners erst zwei bis vier Tage an dem Ort gelegen habe, sei die Verwesung des Körpers bereits weit fortgeschritten gewesen. «Die Nächte waren frostfrei, da geht das schnell», sagte der Polizeisprecher.

Das Obduktionsergebnis brachte die Ermittler bisher nicht entscheidend weiter, nun setzen sie ihre Hoffnung auf komplexe Gewebeuntersuchungen. «Außerdem sind an der Plastiktüte mit Sicherheit Spuren enthalten. Wir hoffen, da auch DNA-Spuren von der Mutter zu finden», sagte der Polizeisprecher.

dpa

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Kommentare

Solche Meldungen lassen mich immer fassungslos zurück: fassungslos ob der menschlichen Abgründe. Selbst wenn der kleine Junge tot zur Welt gekommen sein sollte, wie kann man als Mutter so abgebrüht sein, das kleine Wesen, welches man monatelang in sich heranwachsen spürte, buchstäblich wie Müll zu entsorgen... Ich tue mir bei so einem Vorgehen der Mutter sehr schwer, eine mögliche Notlagensituation auch nur annähernd als Erklärung in Erwägung zu ziehen.
Ich denke, dass man so etwas nur nachvollziehen könnte, wenn man mal in einer ähnlichen Situation gewesen war. Und das dürfte verständlicherweise auf fast niemanden zutreffen. Vermutlich sind die Umstände und Rahmenbedingungen, die dazu geführt haben, so schlimm, dass man es niemandem wünschen möchte.