Müller plant seit 50 Jahren

Aller Anfang ist schwer. Eine Binsenweisheit, deren Wahrheitsgehalt 1967 auch Karl Müller zu spüren bekam. Zwei Jahre hatte der damals 27-Jährige sein Ingenieursdiplom da in der Tasche, war von seinem Studienort Berlin ins heimatliche Bayreuth zurückgekommen und arbeitete wieder bei seinem Ausbildungsbetrieb. "Da bin ich mit einem externen Planer in Kontakt gekommen und habe mir gedacht: Das will ich auch machen", erzählt Müller. Dass es damals in Bayreuth noch kein Planungsbüro gab, machte ihm den Sprung in die Selbstständigkeit leichter.

Der Anfang war hart

Und trotzdem: "Der Anfang war wirklich hart. Die Architekten fanden das, was ich da anbiete, zwar sehr interessant. Lukrative Aufträge gab es trotzdem nicht. Ich hab' mich mit Kleinstaufträgen durchgeschlagen, vor allem mit Einfamilienhäusern." Für die Initialzündung sorgten dann die Stadtwerke. Bei deren heute noch genutztem Verwaltungsgebäude plante Müller die Gebäudetechnik durch: "Das war mein erstes Großprojekt, alles lief rund - und dann kamen die Aufträge, jede Menge Arbeit."

Nicht jeder Auftrag wird angenommen

Jede Menge Arbeit gibt's auch heute. "Die Baubranche boomt und entsprechend gut läuft es bei uns. Manchmal muss man sogar Aufträge auswählen, weil wir einfach nicht alles schaffen würden", sagt Geschäftsführer Norbert Bauernfeind. 14 Mitarbeiter hat er - Ingenieure, Techniker, Technische Zeichner - will diese Zahl trotz der guten Lage nicht aufblähen. "Wir wollen solide bleiben, auch eine mögliche Delle unbeschadet überstehen können."

Von 2000 bis 500.000 Euro

Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär - um diese Bereiche kümmert sich das Ingenieurbüro seit jeher, und zwar von der Planung bis zur Umsetzung durch die Handwerksbetriebe und zur Abnahme. Rund 100 Aufträge laufen meist gleichzeitig. Von 2000 bis 500.000 Euro - dann aber über mehrere Jahre - kann so ein Auftrag bringen. Die Bandbreite der Auftraggeber erstreckt sich vom privaten Wohnungsbau über die öffentliche Hand bis zu Gewerbe und Industrie. Und da waren und sind auch Großprojekte dabei. Industriebauten, Einkaufszentren, Freizeiteinrichtungen, Verwaltungsbauten und Schulen, Krankenhäuser und Schwimmbäder oder große Schlachthöfe und Fleischfabriken stehen auf der Referenzliste.

Viele Großprojekte

Einzelprojekte sind etwa 820 Wohneinheiten für US-Soldaten am Netzaberg in Eschenbach, die Polizei-Einsatzzentrale Oberfranken in Bayreuth oder das Kreuzsteinbad in Bayreuth. Außerdem werden bei Müller Heizung, Sanitär und Lüftung für alle Aldi-Märkte in Nordbayern geplant - bislang 75 Stück. Heute noch stolz ist Müller darauf, dass die vor rund 30 Jahren ins Bayreuther Festspielhaus eingebaute und bis heute aktuelle Lüftungsanlage von ihm geplant wurde, auch wenn das Büro bei der jetzt anstehenden Sanierung außen vor ist.

Spezialist für die Fleischbranche

Geschäftsführer Bauernfeind verweist derweil auf weitere aktuelle Projekte. Auf Neubauten für die Rehau-Tochter Raumedic in Helmbrechts zum Beispiel, wo unter anderem Reinraumstandard bei der Klimatisierung gefordert war. Und auf große Schlachthöfe und Fleischfabriken, für die die Bayreuther in der Branche mittlerweile als Spezialist gelten. "Die Lebensmittelindustrie und vor allem die Fleischbranche sind ganz diffizil", sagt Bauernfeind, und: "Hier sind die Anforderungen an die Hygiene enorm. Temperaturen müssen eingehalten, Reinigungsanlagen eingeplant werden, es geht um Hochdruck-Dampfkessel, besondere Lüftungs- und Filteranlagen."

Aufträge auch aus dem Ausland

Dass das Büro Müller hier einen guten Namen hat, zeigt unter anderem ein Blick auf die Landkarte. Kommen die "normalen" Aufträge aus einem Umkreis von 200 bis 300 Kilometern um Bayreuth, stehen die von Müller durchgeplanten Schlachthöfe und Fleischfabriken nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in Kroatien, der Schweiz, der Türkei, der Ukraine oder in Rumänien.

Große Veränderungen

Und was hat sich verändert in all den Jahren? Eine Frage, die Bauernfeind gut beantworten kann. Schließlich kam er 1978 als Lehrling zu Müller, bildete sich stetig weiter und übernahm 1990 die Geschäftsführung. "Als ich anfing, gab es zwei Taschenrechner im Betrieb und wir haben unsere Pläne mit Tusche gezeichnet. Dann kamen die Computer und Mitte der 90er-Jahre war dann das Reißbrett endgültig passé. Heute wird 3-D am PC geplant, bei den Programmen muss man ständig nachrüsten."

Erneuerbar und smart soll es sein

Bei der installierten Technik sind heute zunehmend erneuerbare Energien statt Gas oder gar Öl als Energieträger gefragt. Kombinierte Heiz-Kühlanlagen, Solar, Pellets, Wärmepumpen, Kraft-Wäme-Kopplung, und alles aus der Ferne regel- und überwachbar - daran hätte vor 50 Jahren nun wirklich keiner gedacht.

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