Motorrad-Oldtimer-Ausstellung

Die "anni cinquanta" haben es ihnen angetan, vor allem in technischer Hinsicht. Günther Neuberger aus Kulmbach, im Hauptberuf Architekt, rief den Freundeskreis Ende der neunziger Jahre ins Leben. Damals wollte man auf der Plassenburg ein Motorradmuseum einrichten, das allerdings nie realisiert wurde. Auch aus einer Schau im Deutschen Museum in München ist nichts geworden. An der Uni Bayreuth sorgten die Maserati-Maschinen, die dort 2001 ausgestellt wurden, für Aufsehen.

Italienische Motorräder - eine Jugendliebe

Seit seinem 14. Lebensjahr interessiert sich Neuberger für italienische Motorräder, wie er im Gespräch mit dem Kurier erzählt. Das habe zum einen an den Urlaubsreisen der Familie nach Italien gelegen. Und zum anderen an einer italienischen Motorrad-Zeitschrift, die der Teenager geschenkt bekommen und deren Inhalt er aufgesogen habe. "An jeder Ecke gab es damals etwas Neues zu entdecken, an jeder Ecke stand ich vor einem neuen Rätsel", erinnert sich Neuberger.

Nach und nach fand er Gleichgesinnte mit denen er sich austauschen konnte - auf dem Postweg, wie eben früher üblich. Als er den Mini-Verein am 3. Dezember 1999 gründete, hatte er sechs Mitstreiter gefunden. Viel mehr sind es noch immer nicht. Denn die Liebhaber alter italienischer Maschinen sind über die ganze Republik verstreut und pflegen Kontakte ins Ausland - mittlerweile via Internet.

Sammlerstücke als technisches Kulturgut

Durch einen Zufall kommen die Sammlerstücke jetzt wieder ans Licht der Öffentlichkeit. Die Firma Mainleus Invest, der bis vor kurzem das Gelände der Kulmbacher Spinnerei gehörte, stellte den Kontakt zu den Moto-Oldtimerfreunden her. "Wir wollen den Bürgern die Chancen zeigen, die sich aus der Revitalisierung der Spinnerei ergeben können", sagt Geschäftsführer Sebastian Türk. "Das Thema technisches Kulturgut könnte dabei eine wichtige Rolle spielen." Die Idee stammt aus dem Nutzungskonzept, das Türk und sein Partner Arno Friedrichs erstellen ließen, bevor sie den Großteil des Areals an den Markt Mainleus verkauften. Zehn der insgesamt 14 Hektar Fläche gehören mittlerweile der Gemeinde.

Über 100 Exponate aus Italiens Manufakturen

In einer ehemaligen Produktionsstätte mit Lager sollen parallel zur diesjährigen Motorrad-Sternfahrt über 100 Exponate aus italienischen Motorradmanufakturen der fünfziger und sechziger Jahre gezeigt werden. Darunter Neubergers DEMM, Baujahr 1959, ausgestattet mit einem Königswellenmotor. "Noch immer fährt sie 100/110 km/h", sagt Neuberger, "gefühlt ist es aber Tempo 160 bis 180." Nicht nur wegen des einmaligen Fahrerlebnisses liebt er das Motorrad, sondern genauso wegen seines Aussehens. "Das Styling der Italiener war anders als das von BMW oder Zündapp, viel zierlicher, nicht so wuchtig", schwärmt Neuberger über die italienischen Motorräder der Nachkriegszeit, die auch zu Rennen eingesetzt wurden. Nie sei es nur darum gegangen, einen Weg von A nach B zurückzulegen.  "Es ging vielmehr um Ästhetik und Technik, die hervorragend miteinander verzahnt wurden." Die äußere Form und die Technik der Motoren bestachen gleichermaßen.

Die Hersteller - von Maserati bis Benelli

Vertreten sind die Marken wie Parilla, Guazzoni, Sterzi, Bianchi, Astoria, Morini, Comet, Berneg, DEMM, Maserati, Monviso und Leprotto. Roller von Herstellern wie MV Agusta Lambretta und Vespa sowie Exemplare von Aermacchi, Ducati, Moto Guzzi, Laverda und Benelli aus den siebziger Jahren schlagen eine Brücke zur Neuzeit.

"Wenn ich schraube, kann ich den ganzen Wahnsinn vergessen"

"Manche der zumeist in Norditalien beheimateten Firmen existierten nur zwei Jahre", weiß Neuberger. "Die Motoren bauten die Italiener selbst, andere Teile wurden auch aus Deutschland hinzugekauft." Der Kulmbacher erforschte den Motorradbau regelrecht und spürte rund 400 Firmen auf. Schrottteile besorgen, restaurieren, Wissen bewahren - das alles reizt ihn an seinem Hobby. "Wenn ich abends schraube, bin ich entspannt und kann den ganzen Wahnsinn um mich herum vergessen." Früher besaß Neuberger über 30 Maschinen, heute hat er nur noch sieben. "Das ist nicht viel, denn in meinem Umfeld haben Leute 70 oder gar 150 Motorräder."

Einmalig in dieser Konstellation

In der ehemaligen Weberei, 3500 Quadratmeter groß, werden die Maschinen für die "Mainleus-Moto" auf 13 runden Plattformen gezeigt. Die Besucher können darum herum gehen und sich über die Auslöser des europäischen Motorradbooms informieren. "Ein irrer, wahnsinniger Aufwand", sagen die Ausstellungsmacher selbst, aber die Begeisterung für die Schau überwiegt. In dieser Konzentration und Vielfalt vor der Kulisse eines mehr als hundert Jahre alten Industriedenkmals wird man sie wohl so schnell nicht wieder sehen.

Info: Eröffnung ist am Freitag, 28. April, um 18 Uhr. Geöffnet ist die Moto-Schau ab dem 29. April bis zum 7. Mai von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Nicht bewertet

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