"Monstergewächshaus" scheitert

Was Scherzer in dem 85-Seelen-Ort Fesselsdorf, unweit von Wonsees und Hollfeld, geplant hatte, verglich Weismains Bürgermeister Udo Dauer noch vor wenigen Tagen mit einem Sechser im Lotto. Eine zwölf bis 15 Hektar große Fläche eines ausgewiesenen, aber brach liegenden Gewerbegebietes, sollte mit Gewächshäusern bebaut werden. Darin sollten Gurken, Tomaten und Paprika wachsen - es sollte das größte Projekt werden, das der Nürnberger Gemüsebauer Scherzer jemals realisiert hat. Auch die Stadt Weismain sollte profitieren. Scherzer hatte zugesagt, in Weismain eine GmbH zu gründen, damit die Gewerbesteuer nicht in Nürnberg entrichtet werden müsste. Und Dauer freute sich bereits auf bis zu 150 Arbeitsplätze, die in seiner Stadt entstehen sollten. Nachdem Stadtrat und der Landkreis Lichtenfels ihre Unterstützung signalisiert hatten, reichte Scherzer eine Bauvoranfrage ein. Schon im nächsten Jahr sollte die erste Ernte in Fesselsdorf eingefahren werden.

Ein alter Bekannter macht mobil

Unterdessen zog eine kleine Gruppe Fesselsdorfer Bürger von Haus zu Haus. Angeführt von Reifenhändler Edwin Bergmann, der bereits Windräder bei Krögelstein mittels einer Initiative verhindert hatte, sammelten sie Unterschriften gegen das „Monstergewächshaus“. Sie sprachen davon, dass Scherzer eine doppelt so große Fläche bebauen wollte, als das Unternehmen es behauptete. Und davon, dass die Mehrzahl der Arbeitsplätze an rumänische Erntehelfer fallen sollten. Gewerbesteuer, so erzählte man sich in Fesselsdorf, würde die Stadt Weismain so schnell auch keine sehen. Alles nicht wahr, hielt Scherzer dagegen, stieß damit aber auf wenig Gehör. In wenigen Tagen sammelten die Mitglieder der Initiative 180 Unterschriften. 300 mehr und Bergmann wollte ein Bürgerbegehren beantragen.

Eigentümer verkaufen nicht

Die Grundstückseigentümer kamen dem Begehren aber zuvor. Bürgermeister Udo Dauer erklärte die Verhandlungen jetzt für gescheitert. Obwohl die Eigentümer zu Beginn der Verhandlungen noch ihre Zustimmung signalisiert hätten. In einem Schreiben des Gemüsebauern an den Bürgermeister heißt es: „Wir gehen davon aus, dass bezüglich dieses Stimmungsumschwungs die neu gegründete Interessengemeinschaft Monstergewächshaus sicherlich einen erheblichen Beitrag geleistet hat.“

"Polemik und Stimmungsmache"

Scherzer schreibt, dass die Grundstückseigentümer das Angebot, ein bestehendes Gewächshaus zu besichtigen, abgelehnt hätten. Und dass die Initiative die Einberufung einer Bürgerversammlung gefordert hätte, zu der das Unternehmen ausdrücklich nicht eingeladen werden sollte. So hätte man dort auch nicht mit den Unwahrheiten aufräumen können. Zum Beispiel mit der, dass das Unternehmen täglich 1000 Kubikmeter Brunnenwasser schöpfen wolle und dadurch Bäume in der Umgebung absterben würden. Scherzer schreibt : „Wir hatten ein Regenwasserrückhaltebecken geplant, das bis zu 40000 Kubikmeter Gießwasser vorgehalten hätte.“ Und weil von der Kaufkraft der Angestellten ganz Weismain und Umgebung profitiert hätten, kommt das Unternehmen zu dem Schluss: Es ging nicht um die Sache selbst, sondern um "Polemik und Stimmungsmache".

Schriftlich hat es dem Bürgermeister jetzt mitgeteilt, dass es seinen Ruf nicht zerstören lassen wolle und die Bauvoranfrage daher zurückziehe. Auch eine angebotene Alternativfläche komme nicht mehr in Betracht. Schon vor zwei Wochen hatte der Gemüsebauer erklärt, man sei nicht gezwungen, zeitnah zu bauen. Man könne sich genauso gut noch anderswo umschauen.

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Kommentare

Diese Sch.... protestbürger machen alles zu Nichte. Dann baut der scherzer woanders, da freut man sich über Arbeitsplätze und Gewerbesteuer
Bei einem ausgewiesenen Gewerbegebiet werden sich künftige Inverstoren genau überlegen ob es Sinn macht dort zu bauen. Deswegen Planänderung und wieder landwirtschaftliche Nutzung ausweisen. Dann wird Zufriedenheit einkehren. Ob das für den ländlichen Raum dort gut ist bezweifle ich.