Mittelalterspektakel: Spaß in neuer Haut

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Theatermacher Jan Burdinski über die Begeisterung in Hollfeld. Dort spielten Städter und Dorfbewohner anlässlich des 1000-jährigen Bestehen gemeinsam Episoden aus der Stadtgeschichte. Burdinski und sein Team hatten 230 Laien für die fünfstündigen Aufführungen mobilisiert. „Darunter echte Talente, wie sich bei den Proben herausstellte.“ Das war ein sehr schönes Arbeiten“, fasst der Theatermann zusammen. Überrascht habe ihn das große Interesse an der Ortsgeschichte, mit dem sich die Laienschauspieler an die Proben gemacht hätten.

Gefrees, da musst du durch

In Gefrees schlüpften zur 650-Jahrfeier rund 50 Einheimische in historisch anmutende Kostüme, erinnert sich Jürgen Wohlraab, Vorsitzender des Historischen Forums. Und dabei ging es nicht allein um die Zeit vor 650 Jahren. „Wir wollten nicht alles aufs Mittelalter beziehen“, sagt er. Entscheidend für die Kostümierung sei das Motto der Jubiläumsfeier gewesen. Das lautete bekanntlich „Gefrees, da muss man durch“. Etwa ein halbes Jahr habe die Vorbereitung dafür gedauert, so Wohlraab. Darsteller hätten sich genug gefunden.

In Aufsess spielten mehr als 100 Darsteller und Helfer zur 900-Jahrfeier vor drei Jahren ihre Geschichte. Mehr als ein Jahr dauerte die Vorbereitung, ein halbes Jahr die Proben, erinnert sich Bürgermeister Ludwig Bäuerlein. Und in Plankenfels feierten die Dorfbewohner die urkundliche Erwähnung der Burg Plankenstein vor 800 Jahren mit einem bunten Historienspektakel. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

Doch was treibt die Leute? Tagein und tagaus spielen sie ihre Rollen als Landwirte, Handwerker und Angestellte. Und kommen aus dieser Haut nicht raus.

Gründe für den Eifer

Der Theatermann Burdinski nennt drei Gründe für den Eifer. „Wir haben das echte Interesse an der Ortsgeschichte gespürt“, sagt er. Zudem durfte jeder Mitwirkende für eine begrenzte Zeit ein anderer zu sein. „Beim Spiel in einer anderen Haut beginnt der Spaß so richtig“, so Burdinski. Letztlich vermittle die Aufführung jedem einzelnen ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Der Reiz des Spiels und das Interesse an Geschichte zusammen genommen bilde eine starke Motivation, Theater zu spielen.

Ähnlich erklärt der Bezirksheimatpfleger Prof. Dippold die Geschichtsspektakel. Dippold spricht vom „homo ludens“ - dem schauspielernden Menschen. Dass die Darstellungen nicht die wirkliche Vergangenheit zeigen, sei völlig belanglos. „Wir werden uns weder 500 noch 1000 Jahre zurückversetzen können, so der Historiker. Viel wichtiger sei, dass sich Menschen mit ihrer Vergangenheit beschäftigen und etwas miteinander tun. Dann stifte jedes Spektakel ein Stück Gemeinschaft und schaffe örtliche Identität. „Die dörfliche Kultur ist lebendig“.

Spektakel stiftet Gemeinschaft

Der Bezirksheimatpfleger geht so gar noch weiter: „Das macht Mut für die Zukunft des ländlichen Raumes.“ Schließe wirke die Schauspielerei dem verbreitet schlechten Image des Dorfs im entgegen. Sie vermittle den Darstellern zudem ein gesundes Selbstwertgefühl und sei der Grund für unaufgeregten Stolz. Dippold spricht von Selbstbewusstsein im besten Sinne des Wortes: „Ich bin mir bewusst, wer ich bin“. All das weise in die richtige Richtung.

Samt, Seide und Brokat: Was bleibt von den Festspielen der Ortsgeschichte?

In Hollfeld spielen die Bewohner einzelner Außenorte ihre Episoden weiter. So gab es Aufführungen zur Kerwa in Stechendorf und Weiher. Eine Gruppe spielte kürzlich sogar auswärts in Glashütten im Seniorenheim. In Aufsess sei die ganze Dorfgemeinschaft näher zusammengerückt, berichtet Bürgermeister Bäuerlein. Aus der Schauspielerei zum Dorfjubiläum ging sogar eine neue Theatergruppe hervor. Die Aufsesser Theaterleut’ spielen am Freitagabend im Gasthof Rothenbach ihr aktuelles Stück.

So probten die Hollfelder

Das war die Aufführung auf dem Hollfelder Marienplatz

Bilder vom Marktplatzfest in Gefrees gibt es hier.

 

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Montag, 13. November 2017 - 11:06