Mit Safran und Muskat zum Lustgewinn

Ingwer, Chili oder auch Pfeffer regen die Durchblutung an. Mit den Wohlgerüchen, die Zimt, Vanille oder auch Lavendel verbreiten, wird eine positive Wirkung auf die Psyche erzeugt und körpereigene Glückshormone ausgeschüttet. Nicht umsonst parfümieren sich Menschen auf der ganzen Welt. Safran und Muskatnuss wird sogar eine halluzinogene, berauschende Wirkung nachgesagt.

Natürliche Lustmacher

Manuela Mahn ist Gewürzexpertin. Das Gewürzmuseum im Kulmbacher Mönchshof trägt ganz entscheidend auch ihre Handschrift. Die Gewürzexpertin weiß: Wissenschaftlich bewiesen ist nichts von alledem, was die angeblichen natürlichen Lustmacher angeht. Mahn weiß aber auch, dass Gewürzen seit vielen Jahrhunderten eine buchstäblich „scharfmachende“ Wirkung zugeschrieben wird. Zahlreiche Geschichten ranken sich darum. Es gibt uralte Rezepte für Liebestränke aus aller Herren Länder. Das macht den Mythos der in zweifacher Hinsicht Appetit anregenden Gewürze noch reizvoller. „Das heißt noch lange nicht, dass Gewürze die Libido wirklich steigern“, sagt Mahn. Dann hält sie inne und lacht: „Aber der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge.“

Extrem kostbar

Für die sich seit Menschengedenken hartnäckig haltenden Geschichten über Gewürze als Liebeszauber gibt es laut Mahn kulturhistorische wie auch soziologische Hintergründe. „Die Behauptungen gibt es schon seit der Antike“, erklärt Mahn und nennt die Gründe. Gewürze kamen meist von sehr weit her, waren extrem kostbar. „Solchen exotischen, seltenen und teuren Dingen ordnet man gern mal noch eine Wirkung zu, die man nicht belegen kann.“ Auch die magische Rolle, die manches Gewürz in seinem Herkunftsland spielte, darf nicht außer Acht gelassen werden: Zimt wurde in den Tempeln verbrannt. Mit Zimt gewürzter Wein entwickelte sich im Mittelalter prompt vermutlich auch deswegen zum Geheimtipp als Lustspender schlechthin. Vieles im Zusammenhang mit Gewürzen, weiß Mahn, trage zur Förderung des Wohlbefindens bei. Man erfreue sich an einem Duft, die Durchblutung werde angeregt, man fühle sich wohler. „Die Wirkung der Gewürze auf unsere Libido ist nicht belegt wie beispielsweise die von Viagra, wo alles sicher funktioniert“, erzählt die Gewürzexpertin. Und sie weiß auch: „Der Placebo-Effekt spielt sicher auch eine gewisse Rolle. Wenn ich einem Gewürz eine bestimmte Wirkung zuordne, hilft das vielleicht ja auch schon.“

Liebesfördernder Stoff

Von der Vanille ist bereits aus der präkolumbianischen Kultur, also von Azteken oder Majas bekannt, dass sie als liebesfördernder Stoff eingesetzt wurde. Warum sollte ein so altes Rezept seinen Reiz verlieren? Glückshormone sind im Spiel, ein wenig Magie und Mystik. „Dem Besonderen wird gern eine besondere Funktion zugeordnet“, weiß Mahn. Im Kulmbacher Gewürzmuseum jedenfalls wird auch diese Seite der Gewürzwelt gewürdigt und vielleicht regt ja gerade dieser ganz besondere Aspekt den einen oder anderen Besucher an, mal nach einem Rezept mit Zimt oder Muskat, mit Safran oder Chili oder nach einem Duftöl mit Vanille-Aroma zu suchen, um damit den nächsten Abend bei Kerzenlicht zu zweit zu bereichern.

Wer noch mehr wissen will: Der Begriff „Aphrodisiakum“ stammt aus dem Griechischen. Die Liebesgöttin Aphrodite verlieh dafür ihren Namen als Sinnbild körperlicher Freuden und geistiger Liebe. Mit der Dosierung sollte man übrigens sparsam sein. Das Motto „viel hilft viel“ ist bei Gewürzen nicht nur wegen des möglicherweise dann verdorbenen Geschmacks nicht zur Anwendung empfohlen.

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