Mit dem Traktor zum Spiel Schweiz-Serbien

Das betagte Fahrzeug ist nach der Lebensgefährtin eines des Traktor-Piloten benannt: Margarethe – auf Schwyzerdeutsch Gritli. Die beiden Fahrer Beat Studer und Werner Zimmermann werden von Josef Wyer in einem Auto begleitet. Er sucht das nächste Nachtquartier und dirigiert den mit GPS ausgestatteten Traktor zurück auf den richtigen Weg, wenn sich die beiden anderen mal wieder verfahren haben – was nicht so selten passiert. In Pegnitz fuhren sie beispielsweise in die Sackgasse Bahnhofsteig und standen ratlos vor der Fußgängerunterführung.

In Richtung Guyancourt-Brücke

Beim Start gestern in Rosenhof wären die beiden mit ihrem Traktor doch prompt wieder Richtung Guyancourt-Brücke getuckert – anstatt in Richtung Buchau und Leups zu fahren. Bis ins ehemalige Ostpreußen ist noch ein langer Weg…. Warum die drei nach Kaliningrad unterwegs sind? Man mag es kaum glauben: Die drei wollen beim WM-Match der Schweiz gegen Serbien am 22. Juni im Stadion sitzen und ihr Land anfeuern. Deshalb steht das Unternehmen unter dem Motto „S’Gritli stürmt nach Kaliningrad“.

"Es war eine Schnapsidee"

„Das ist das erste Mal, dass wir so etwas machen“, erzählte Werner Zimmermann in Rosenhof im Hotel garni Schmidt bei einem erfrischenden Bier. „Und ich muss zugeben, es war eine Schnapsidee.“ Die drei sind große Fußballfans und wollten ihr Team live sehen, „und dafür müssen wir eben zu den Vorrundenspielen fahren, denn man weiß ja nicht, ob die Schweiz weiterkommt“, fügt Beat Studer hinzu. Er sammelt betagte Traktoren. „Man stelle sich vor, es war irgendwo im Allgäu auf der ersten Etappe. Da haben wir ein Hinweisschild für ein Traktortreffen gesehen. Wir haben einen kleine Umweg gemacht und sind gleich hingefahren. Es gab natürlich ein großes Hallo für unseren Bührer.“

Traktor Baujahr 1964

Dabei handelt es sich um ihren Traktor, Baujahr 1964. „Er ist der Jüngste von uns“, meinte Zimmermann augenzwinkernd. Der „Bührer“ wurde nicht in der Landwirtschaft, sondern in Fabriken eingesetzt, wo nicht genügend Platz für einen Lastwagen war. Auch die weitere Reise Richtung Norden brachte viele Eindrücke. „Wir haben noch nie so große Kornfelder gesehen, in der Schweiz gibt es dafür nicht so viel Platz“, berichtete Zimmermann. Und weiter: „Auch die vielen Windräder auf den Anhöhen und die Solaranlagen auf den Dächern waren ungewohnt für uns.“ Als sie in Rosenhof ankamen, war eine ihrer ersten Fragen: Sind wir schon in Ostdeutschland?“

Fränkische Schweiz in der Nähe

Sie ließen sich gern darüber aufklären, dass sie zwar noch in Bayern sind, aber eigentlich in Franken. Und dass es in der Nähe sogar eine fränkische Schweiz gibt. Wieder was dazu gelernt. Die drei Schweizer sind Frohnaturen und nehmen sich gegenseitig ständig auf den Arm. Die Scherze sind aber kaum zu verstehen, denn dafür bedienen sich ihrer Heimatsprache, des Schwyzerdütsch.

Gute Laune ist wichtig, denn Studer und Zimmermann legen mit ihrem Traktor jeden Tag etwa 170 bis 180 Kilometer zurück, „meist auf Nebenstraßen, auf denen sieht man viel mehr“. Die Schweizer sind begeistert von den Landschaften, die sie gesehen haben – und sind gespannt auf die großen Ebenen, die sie nach dem Thüringer Wald bis zur Ostsee erwarten. Die drei sind sich sicher: „Die Maschine hält durch.“ Fraglich sei nur, ob die mutigen Fahrer in ihrer alten Kiste es bis ans Ziel schaffen.

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