Mit dem Augenaufschlag des Cellisten

Mozart, Schubert, Beatles, Benny Goodman und eigene Kompositionen im hüftswingenden Samba-Rhythmus wurden hier mit einer Selbstverständlichkeit kombiniert, als ob es das Trennende nie gegeben hätte. Was die vier Musiker des Quartetts auszeichnete: Es war ihnen anzumerken, dass sie sich in allen Genres wirklich heimisch fühlen und die härteren Rhythmen eben nicht mit der Brille des klassischen Musikers spielten, sondern auch bei jeder der Bearbeitungen authentisch wirkten.

Das hatte man im ersten Programmteil noch nicht zu hoffen gewagt, denn auch der Mozart des Vision String Quartets war exzellent. Kaum hatte sich der mysteriöse Schleier der Einleitung des sogenannten „Dissonanzen“-Quartetts mit ihren geheimnisvollen Vorhaltbildungen gelüftet, präsentierten Jakob Encke, Daniel Stoll, Sander Stuart und Leonard Disselhorst in funkensprühendem C-Dur eine mitreißende Interpretation, die sich durch Vitalität, rhythmische Prägnanz und starke dynamische Kontraste auszeichnete. In Franz Schuberts Streichquartettsatz c-Moll, D 703 gesellte sich dann noch das leidenschaftlich-schwelgerische Moment hinzu – bisweilen garniert mit dem Augenaufschlag des Cellisten.

Hagelschlag

Im zweiten Programmteil verschärften die Vier ihre (Bogen-)Schlagtechnik, zupften auf ihren edlen Violinen im Stil von Rock-Musikern, ließen geschmeidige Jazz-Girlanden aus ihren Instrumenten perlen, swingten und boten mit „Mona Lisa“ einen Schmachtfetzen, dass die Schwarte krachte. Und, jede Wette: die Zugabe mit dem Titel „Hagelschlag“ kann nur als sarkastische Parodie auf Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ gedeutet werden.

Nicht bewertet

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